Großes Europapuzzle

Ein Beitrag von Marcus Kraneburg (Freie Waldorfschule Freiburg St. Georgen)

In der Geographieepoche der 6. Klasse haben wir uns mit Europa beschäftigt. Neben den klimatischen und geographischen Besonderheiten einzelner Länder und des Kontinents haben wir in einem praktischen Teil ein großes Europapuzzle angefertigt.

Innerhalb von 4 Wochen (täglich 40 Minuten) entstanden beeindruckende Puzzles, welche die Schülerinnen und Schüler mit großem Engagement erstellten. U.a. bestand ein Ziel darin, die meisten europäischen Länder nach Namen und Lage zu kennen. Hauptstädte waren eine freiwillige Kür. Man konnte sie hinten auf die Puzzleteile schreiben. In den letzten Tagen der Epoche puzzelten die Schülerinnen und Schüler einmal täglich und übten sich. Aufgrund der Dicke des Materials von 20 mm war dies ein höchst befriedigendes Puzzleerlebnis, da die Länder sich gewissermaßen richtig hineinsenkten.  

Dieses Projekt erfordert eine praktische Vorbereitung seitens des Lehrers / der Lehrerin, aber wenn man Lust zu solchen Dingen hat, hält es sich aufgrund der hier aufbereiteten Vorlagen in Grenzen.

Was man benötigt:

  • XPS Platten Dämmung 20 mm (bekommt man in jedem Baumarkt, eine Platte für jeweils 2 SchülerInnen)
  • ein Cuttermesser
  • einen Zollstock
  • ein mindestens 60 cm langes Metalllineal (sollten die Handwerkslehrer haben)
  • für jedes Kind eine Laubsäge mit einem Sägeblatt, das rundum sägt (hatten einige Kinder zuhause, der Rest vom Handwerkslehrer).
  • eine Zange, um bei der Laubsäge schwer gängige Flügelschrauben zu lockern oder anzuziehen.
  • für jede/n SchülerIn einen normalen Malpinsel
  • verschiedene Acrylfarben
  • kleine Glastöpfchen zum Anrühren der Farben
  • insgesamt eine Heißklebepistole mit ausreichend Klebestangen
  • für jedes Kind einen Schuhkarton zum Aufbewahren der ausgeschnittenen Länder
  • Buchbinderkarton 1 mm (beim Künstlerbedarf, z. B. Boesner, dort kann man sich den Karton schon auf die Größe 60 × 62,5 cm selbst zuschneiden). Den klebt man als Rückwand unter das Puzzle. Jedes Kind braucht einen davon.
  • jedes Kind bringt eine Nagelschere, eine normale Schere und einen Klebestift mit
  • Malerabklebeband (eine Rolle für alle reicht)
  • ein paar Nägel, um die Anfangslöcher für das Sägeblatt ins Material zu drücken.

Wie gingen wir voran

Zuerst brauchten wir eine Schablone, um die Grenzen der europäischen Länder auf unsere XPS Platten übertragen zu können. Jedes Puzzle hatte einschließlich eines Rahmens am Ende die Größe von 60 × 62,5 cm. Sie können folgende Datei (docx oder pdf) nutzen und die vier Seiten jeweils auf DIN-A3 mit 190 % vergrößern.

Mit diesen Kopien bestritten wir den ersten Tag. Die Schülerinnen und Schüler nahmen sich jeweils 4 unterschiedliche Kopien, schnitten und klebten sie zur großen Karte zusammen. Sehr entscheidend dabei war, dass ganz sorgfältig am Umrandungsstrich entlanggeschnitten wurde. Das Mittelkreuz musste möglichst exakt übereinander geklebt werden. Damit war die Vorlage fertig. Jeder schrieb deutlich und groß seinen Namen ins Mittelmeer.

Ich hatte für meine 24 SchülerInnen eine Liste erstellt (siehe besagte Datei), auf der ich jedem Schüler 4 weit auseinanderliegende Länder zugeteilt hatte. Jeweils zwei SchülerInnen hatten die gleichen Länder, damit später ein größerer Austausch der Vorlagen möglich war. Nun galt es, diese vier Länder mit der Nagelschere möglichst genau auszuschneiden. Der Scherenschnitt sollte mitten durch die schwarze Grenzlinie gehen. Das Ausgeschnittene durfte in den Mülleimer wandern, übrig blieb unsere Schablone mit 4 ausgeschnittenen „Löchern“.

Als nächstes war die XPS Platte zu halbieren. Dafür lagen ein Zollstock, ein Metalllineal und ein Cuttermesser breit. Dann beschriftete man die Platte seitlich mit seinem Namen (Filzstift).

Nun nahm man seine Schablone, legte sie mittig auf die XPS Platte, fixierte sie mit kleinen Streifen Klebeband und umrundete sie mit einem Filzstift. Ebenfalls fuhr man mit dem Filzstift die vier ausgeschnittenen Länder entlang.

Anschließend legte man seine Schablone vorne auf den Boden des Klassenzimmers und suchte sich eine andere, deren Länder man noch nicht hatte. In der ausgegebenen Übersicht hakten die Kinder die Schablonen ab, die man schon verwendet hatte. Ein konzentriertes Treiben und Austauschen begann.

Im nächsten Schritt spannten wir die Sägeblätter in die Laubsägen ein. Mit einem Nagel machten wir auf der Grenze Portugals ein kleines Loch, fädelten das Sägeblatt durch und begannen die Sägearbeiten. Es war darauf zu achten, dass die Laubsäge beim Sägen relativ waagerecht gehalten wurde. In kleinen Auf- und Abwärtsbewegungen ging es gut und leicht voran. Jedes ausgesägte Land wanderte sofort in den mitgebrachten Schuhkarton. Würde ein Land verlorengehen, so könnte man es später nur sehr unbefriedigend ersetzen. Das Schwarze Meer markierte ich mit einem Kreuz, damit es nicht ausversehen ausgeschnitten wurde. Die kleinen Inseln sägten wir ebenfalls nicht aus, da sie mit der Zeit zerbröseln würden.

Nach dem Aussägen aller Länder galt es den Buchbinderkarton mit der Heißklebepistole darunter zu kleben. Es reichten kleine Klebepunkte, um alles gut zu fixieren.

Nun konnten zum ersten Mal alle Länder wieder eingesetzt werden. Ein wunderbares Erlebnis. Jetzt ging es an die Farbgestaltung. Die einzige Vorgabe bestand darin, die Meere blau anzumalen.

Jedes Kind bekam einen unserer Aquarell-Malpinsel, für den es bis zum Ende der Epoche verantwortlich war. Acrylfarben mussten am Ende des Unterrichts immer sehr gut ausgewaschen werden, ansonsten trocknet der Pinsel ein. Zur Aufbewahrung wanderte er ebenfalls in den eigenen Karton. Es entstanden ganz unterschiedliche Farbgestaltungen. Die Schülerinnen und Schüler regten sich gegenseitig an und so nahmen die Europapuzzles immer mehr Farbe an.

Zum Schluss wurden die Namen der Länder auf die Rückseite der Puzzleteile geschrieben, freiwillig waren die Hauptstädte der Länder.

Und nun konnte gepuzzelt und gelernt werden.

Wie bei solchen Aufgaben üblich, wollten die Kinder am Ende der Stunden nicht gerne aufhören. Es begeistert mich immer wieder, die Schülerinnen und Schüler mit solch intrinsischer Motivation zu erleben.

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