Aufwendige Pharaonenmaske

Ein Beitrag von Marcus Kraneburg (Freie Waldorfschule Freiburg St. Georgen)

Eine Pharaonenmaske vom eigenen Gesicht, das hat schon was für die Kinder. Rudolf Steiner weist darauf hin, dass die Gegenwart im Hinblick auf die Bewusstseinsentwicklung der Menschheit eine Spiegelung der ägyptischen Kultur sei. Insofern hat es eine gewisse Berechtigung, wenn wir unser eigenes Gesicht als Vorlage für die Maske nehmen. Die ICH-Entwicklung ist in diesem Zeitraum so weit vorangeschritten, dass bestimmte Qualitäten des damaligen Pharaos heute jedem Menschen zur Verfügung stehen.

Wir begannen dieses Projekt in der Homeschoolingzeit und beendeten die Maske am Anfang der zweiten Geschichtsepoche der 5. Klasse. Ich bestellte im Vorfeld für 25 Kinder 150 Gipsbinden. Im Distanzunterricht halfen die Eltern beim Abdruck. Wie ein anderes Projekt zeigt („Wir stellen eine Totenmaske des Tutanchamun her“), geht es aber auch in Zweiergruppen in der Schule.

Man sollte beachten, immer möglichst wenig Gipspackungen aufzumachen. Der Gips nimmt in geöffnetem Zustand auch Luftfeuchtigkeit auf und wird mit der Zeit unbrauchbar.

Hier nun ein Video für die ersten Schritte der Maskenherstellung:


Eine Sache, die ich nachträglich zum Video korrigieren musste, war die obere Stirn. Die sollte man bis zur höchsten Stelle des Kopfes gipsen, um die Maske später flach auf das Kopftuch legen zu können.
 


Ich habe diesen Teil nachträglich angegipst. Man sieht noch die feuchten Stellen auf dem linken Bild.

Nach dem Trocknen habe ich mit dem Bleistift einen geraden Rand des Kopfes eingezeichnet und mit einer Schere so abgeschnitten, dass die Maske nun flach auf dem Tisch lag und geradeausschaute.
 


Nun ging‘s in der Schule mit der Gestaltung des Kopftuches gemeinsam weiter. Dafür haben wir zwei große DIN-A 3 Blätter aneinandergeklebt und das Tuch aufgezeichnet. Wie beim Formenzeichnen kam es darauf an, beide Seiten gleich zu gestalten. Ganz oben ist die Form nicht gerade, sondern leicht gebogen. Anschließend haben wir die Maske auf die Form gesetzt und mit ein bisschen Luft den Innenraum angezeichnet. Jetzt konnte man die Papierform ausschneiden.
 


Nun legten wir uns längere Streifen Gips passgenau zurechtgelegt und brachten sie in zwei Schichten direkt auf das Papier auf, wobei die Gipsstreifen die Papierform ruhig überragen durften. Da wir auf einem Wachstuch gearbeitet haben, konnten wir die Form später gut lösen. Im getrockneten Zustand muss man das Kopftuch sehr vorsichtig behandeln, weil es an der schmalsten Stelle leicht brechen konnte. Nach dem Trocknen haben wir die Form umgedreht und entlang des Papieres zugeschnitten.
 


Zwischendurch konnten wir uns dem Zeremonienbart widmen. Dazu rollten wir ein paar Servietten zusammen und fixierten sie mit einem Faden. Oben war der Bart etwas dicker, unten dünner und leicht nach vorne gebogen. Anschließend gipsten wir den Bart ein.
 


Jetzt wurde die Maske schön auf dem Kopftuch des Pharaos ausgerichtet und mit kleinen Gipsstreifen rundherum mit dem Kopftuch verbunden.
 


Im nächsten Schritt bereiteten wir einige Gipsstreifen vor und verbanden die Stirn mit dem oberen Rand der Tuchform. Dabei spannten wir die Gipsstreifen ein wenig, sodass sie nicht durchhingen. Oberhalb der Ohren war dann noch eine Lücke, die schlossen wir nach dem Trocknen.
 


Nun wurde der Zeremonienbart angegipst. Dazu haben wir seine Form zunächst dem Kinn ein wenig anpassen. Wir nahmen dafür eine Schere oder ein scharfes Cuttermesser. Um ihn zu positionieren, diente uns ein Glas zur Auflage. Dann fixierten wir den Bart am Kinn mit kleinen doppelten Gipsstreifen und ließen alles gut durchtrocknen.
 


Ich hatte noch etwas Kalk besorgt, den die Kinder in einem kleinen Gläschen mit Wasser anrührten. Die Poren und Unebenheiten an der Maske sollten etwas geglättet werden. Es brauchte dafür die richtige Konsistenz und die „Kalkmilch“ musste zügig aufgetragen werden, weil sie mit der Zeit abband.
 


Ein kleines Zwischengruppenfoto.
 


Am nächsten Tag haben wir die ganze Maske mit einer Grundierung versehen, die ich bei Boesner erhielt. Wenn man auf diese verzichtet, wird das Gold selbst mit dem Spray später nicht so schön glänzen. Bei der Vergoldung der Maske durften die Kinder zwischen zwei Möglichkeiten wählen: Goldspray (glänzend) vom Baumarkt oder Blattgold (kein echtes, wäre sonst ein wenig teuer geworden). Ich riet allerdings zum Goldspray.
 


Die Verarbeitung von Blattgold erfordert viel Zeit und Fingerspitzengefühl. Einige Kinder fühlten sich allerdings davon in einer freiwilligen Nachmittagszeit herausgefordert.
 


Nun ging es an die letzten Schritte. Die Augen wurden zunächst weiß angelegt, blau umrandet und die Pupillen schwarz eingesetzt. Das Tuch versahen wir möglichst sorgfältig mit blauen Streifen. Man könnte auch noch den Bart farblich gestalten, worauf wir aber verzichtet haben.
 


Nun war die Maske fertig und die Kinder waren mächtig stolz. Die Masken waren nun entweder ein sehr exklusives Geschenk oder ein toller Wandschmuck zu Hause.