Die Perle

Eine Geschichte von Horst Hellmann

Das ist die Geschichte einer Familie, die drei Kinder hatte, zwei Jungen und ein kleines Mädchen. Sie wohnten in den Philippinen auf dem Lande in einem Haus mit einem hübschen großen Garten. In dem Garten war ein Teich, der einem großen lärmenden Frosch gehörte. Besonders in den warmen Abenden sang der Frosch seine Lieder mit einer lauten Stimme und es war schwer für die Menschen dabei einzuschlafen.

....Eines Nachts, es war Vollmond, die Luft war warm, der Frosch schwamm seine Runden in dem Teich als es ihm einfiel zu tauchen. Auf dem Grunde sah er im Schlamm eine merkwürdige Kreatur, der er vorher noch nie in seinem Teich begegnet war. Das fremde Wesen lag still da, es war offen und weiß im Innern. „Wer bist du?" fragte der Frosch, „und was machst du in meinem Teich?" „Ich bin eine Muschel und schaue das Mondlicht an. Sieh doch die schönen sanften Farben!" Der Frosch glotze: „Ich sehe nichts, das ist langweilig."

Und er stieß sich nach oben ab, dabei trat er auf die Muschel und auf dem Seerosenblatt sitzend setzte er sein Konzert fort. Die Muschel aber erfreute sich an den Mondlichtfarben im Wasser und das machte sie alle Nächte hindurch an denen der Mond schien.

Die Kinder hatten auch ihren Eltern zu helfen. Das Mädchen war mehr im Haus bei der Mutter, während die Jungen für den Garten und den Teich zuständig waren. Eines Tages, hatten die Jungen den Teich zu reinigen. Der Frosch flüchtete unter einen Busch. Im Schlamm fanden die Jungen die Muschel und, wie Jungens so sind, versuchten sie die Muschel mit einem spitzen Stock zu öffnen. Aber die Spitze brach ab und der Junge verletzte sich an der Hand. Schnell warf der die Muschel zurück in den Teich und lief zur Mutter, damit diese seine Wunde verbinden konnte.

Das Stückchen Holz in der Muschel verursachte Schmerzen, aber sie hatte es zu ertragen.

Sie legte eine feine Schicht schönen Muschelkalk nach der anderen um den Fremdkörper wie ein Pflaster und isolierte ihn so. Dabei verging einige Zeit.

Ein Jahr später, es war wieder ein warmer Abend und der Frosch saß am Rande seines Teiches stolz lauter singend denn je, weil er nun auch älter und noch stärker war: „Ich bin der stärkste Frosch! Ich bin der beste! Ich habe die lauteste und schönste Stimme! Ich bin wundervoll!" Aber weil er so laut war hörte ihn von weit her ein Fuchs. „Oh, ich mag saftige Frösche" dachte der Fuchs, „ich will ihn fangen."

Der Frosch saß da, die Augen geschlossen und sich selbst in seiner ganzen Majestät genießend. So bemerkte er nicht den anschleichenden hungrigen Fuchs. Diese sprang vor und fraß ihn auf! - Ja, so was passiert den lauten Geschöpfen. Nun war es still in der Nacht und jeder konnte ungestört schlafen.

Da geschah es, dass das kleine Mädchen schwer erkrankte. Keine Medizin konnte ihr helfen, bleich und schwach lag es im Bett. Alle in der Familie waren verzweifelt.

Es war Zeit, dass die Jungen den Teich wieder einmal reinigen mussten. Im Schlamm fanden sie die Muschel wieder, aber das Tier drinnen war gestorben und diesmal war es ganz leicht hinein zu schauen. Oh, wie glänzend sah es innen aus! Die Farben waren so zart, aber was war da noch? Da lag eine Perle! Die Jungen waren begeistert. Sie stürmten ins Haus um das Wunder ihrer kranken Schwester zu zeigen. Das Mädchen nahm die Muschel mit der Perle und ihr Herz war voller Freude als die die wunderschönsten sanften Farben sah, welche wie das Mondlicht im Wasser leuchteten. Und es war tatsächlich das Mondlicht, das so tief in die Muschel eingesunken war als sie so geduldig die Farben im Wasser beobachtet hatte.

Das Mädchen behielt die Perle in ihrer kleinen Hand und weil nun täglich eine so große Freude ihr Herz erfüllte, wirkte es wie Medizin. Bereits eine Woche später war sie in der Lage ihr Krankenlager zu verlassen und bald konnte sie wieder mit den Freunden spielen.

Und alles kam von der Perle in der Muschel. Woher kam aber die Perle? Sie war der Splitter, der der Muschel so viele Schmerzen bereitet hatte. Aber die Muschel verwandelte die Schmerzen in die Perle. Alle Perlen sind aus dem Schmerz entstanden, daher haben sie ihre Heilkraft.

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