Wenn es keine Kriege gäbe

Ein Beitrag von Michaela Sulzer (Waldorfschule Karl Schubert • Graz)

Wir Menschen brauchen sicheren Boden unter den Füßen, um uns standhaft auf dieser Erde beheimaten zu können. Diesen sicheren Boden bietet die Wirklichkeit, doch zum Menschsein braucht es mehr. Hin und wieder müssen wir den festen Boden verlassen, um unserer Phantasie freien Lauf zu lassen. In der Phantasie haben wir viel Freiheit und es stehen uns Möglichkeiten offen, die in der Wirklichkeit oftmals unmöglich erscheinen. Jede große Veränderung und jede mutige Tat sind jedoch zuerst in der Phantasie gedacht worden. Die folgenden Aufsätze aus dem Deutschunterricht der siebten Klasse sollen beispielhaft zeigen, welch tiefgründige Überlegungen Schülerinnen und Schüler zum Thema „Wenn es keine Kriege gäbe“ aufzeigen können. Sie sind berührend, aufrüttelnd und hoffnungsvoll – möge Kraft und Segen für die Zukunft daraus erwachsen! 
Michaela Sulzer Klassenlehrerin der 7. Klasse 

Wenn es keine Kriege gäbe 
Würden keine Bomben fliegen 
Keine Waffen, keine Gräben 
Und wir lebten alle in Frieden 
Wenn es keine Führer gäbe 
Gäb es keine Heere 
Wenn keiner ziehe in die Schlacht 
Müsste niemand sterben 
Und wir quälten keine Pferde 
Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre 
Wenn es keine Armen gäbe 
Gäbe es keine Macht 
Wenn die Welt kein Geld mehr brauchte 
Hätten wir‘s geschafft 
Wenn das Schwarzpulver 
Nicht genutzt verkehrt 
Hätten wir mehr Feuerwerk 
Und das Leben mehr verehrt 
Nicht verseucht Wald und Meer 
Wenn das Wörtchen Wenn nicht wär 
Oskar 

Ja, was wäre dann? Was wäre, wenn es weder Kriege noch sonstige (politische) Streitigkeiten gäbe? Denken wir mal nach: Wer weiß, vielleicht gäbe es die Menschen, die einen Krieg auslösen bzw. führen, nicht mehr. Oder sie hätten zumindest einen anderen Charakter. Junge Männer machten den Zivildienst, statt dem Bundesheer. Auch Waffen stellten wir nicht her – höchstens für die Polizei. Wenn es keine Kriege gäbe, sparten wir sehr viel. Beim Kauf von Waffen, Panzern oder anderen Kriegsgeräten sparten wir Geld, bei der Ausbildung von Soldaten Zeit, bei einem Krieg selbst Leid. Menschen und Tiere hätten weniger Angst, keine Verletzungen wie z. B. einen Hörschaden von einer explodierenden Bombe – auch den Krankenwagen könnte man sich sparen. Ein Krieg bringt Tumult mit sich. Wenn es keine Kriege gäbe, lebten Menschen (als auch Tiere) in ihrem eigenen Frieden. Denn Frieden ist genau das, was wir brauchen, um zu leben – in allem, was wir sind. 
Marie

„Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin ...” (Carl Sandburg) Das ist ein schöner Gedanke, aber wäre das denn so einfach, nicht hinzugehen? Was wäre passiert, wenn sie sich geweigert hätten? Welche Auswirkungen hätte das auf die Geschichte gehabt? Die Geschichte ist vom Kampf um Ressourcen und ideologischen Differenzen geprägt. Oft war es ein Streit um Wasser, um fruchtbares Land oder um Bodenschätze. Wenn z. B. Wasser sehr knapp ist, könnte man es vielleicht noch verstehen. Man könnte aber auch versuchen, andere Lösungen zu finden, sodass ein Konflikt erst gar nicht eskaliert. Wenn man seinen Egoismus hinter sich ließe, würden sich wahrscheinlich leichter Lösungen finden lassen. Wenn man in der kleinen Gemeinschaft oder in der Familie lernt, Probleme aufzuarbeiten, sich einen klaren Kopf verschafft und den Frieden in sich selbst findet, wird man auch später, wenn man selbst Verantwortung tragen muss, Unstimmigkeiten friedlich lösen können. Doch wenn es sich schon so hoch aufgeschaukelt hat, ist Gewalt scheinbar der einzige Ausweg. Und dann führt es zum Krieg, in dem Menschen gezwungen werden hinzugehen, Feinde zu töten und ihre Leben für andere zu riskieren. Diejenigen, die den Krieg verweigerten, bezahlten oft mit ihrem Leben. Im Krieg gehen viele alte Kulturen verloren. Menschen werden vertrieben, getötet, gefangen genommen oder gefoltert, um vielleicht an wichtige Informationen zu kommen. Im Krieg nimmt Gewalt und Aggression immer mehr zu und auch die Lügen werden immer größer. Man hat den Eindruck, als gäbe es keinen Ausweg mehr. 
Linda 

Krieg. Was ist Krieg? Ist Krieg das, was man tut, wenn man einen politischen Feind hat und ihn ausschalten will? Ist Krieg der blutige Kampf um die Front? Ist Krieg das, was nur Soldaten tun? Oder ist das Gefühl, wenn dein Kopf und dein Herz miteinander streiten und du siehst vor dir, wie sie sich bekämpfen, auch Krieg? Ist der Kampf darum, die Schönste, Beste, Klügste zu sein, auch Krieg? Führen wir alle jeden Tag Krieg, ohne es zu merken? Oder ist Krieg immer physisch und brutal? Ist das, was unser Immunsystem jeden Tag tut auch Krieg? Krieg. Was ist Krieg? Ist Krieg Metallhelm und Kugel? Oder kann Krieg auch Herz, Gefühl und Bakterium sein? Kann Krieg beides sein? Oder ist es verletzend, wenn ich sage, dass wir alle Krieg führen, auch wenn ich nie einen Schuss hab fallen hören? Krieg. Krieg ist schrecklich. Wir leben in einer Welt voller Krieg. Jeden Tag sterben viel zu viele Menschen. Jeden Tag werden Zuhause zerstört. Jeden Tag kämpfen wir alle. Oder? Ist es denn Krieg, wenn du vor dir zwei Fronten, zwei Möglichkeiten siehst und fühlst, wie sie sich bekämpfen? Ist es Krieg, wenn sich dein Körper anfühlt, als würde er entzweireißen? Ist es Krieg, wenn du jedes Mal Angst hast, wenn dich jemand falsch ansieht? Ist es Krieg, wenn er nicht und nicht aufhört, obwohl du stopp, stopp, STOPP sagst? Ist es Krieg, wenn du dich fühlst, als würdest du im Gerichtssaal sitzen und du vor dir siehst, wie deine Gedanken und Gefühle miteinander diskutieren? Ist es Krieg, wenn du siehst, wie sie verteidigt werden, es aber nie, nie, nie eine Entscheidung gibt? Ist Krieg nur Blut, Kampf und Schuss? Oder kann Krieg auch Entscheidung, Gefühl und Emotion sein? Ist Krieg Stopp und Angst oder kann Krieg auch Eifersucht sein? Ist es Krieg, wenn ich sie ansehe und so, so, so gerne tauschen würde? Ist es Krieg? Krieg. Ist Krieg das, was nur grausame Menschen tun? Oder ist Krieg das, was ich tue? Bin ich grausam? 
Ilva 

Ich stelle mir eine Welt ohne Kriege vor, das wäre richtig schön. Niemand müsste mehr Angst haben, dass Bomben fallen oder jemand verletzt wird. Die Menschen könnten in Ruhe leben und müssten nicht flüchten oder sich verstecken. Statt Waffen würden die Länder Dinge bauen, die allen helfen, wie Schulen, Krankenhäuser oder Spielplätze. Kinder auf der ganzen Welt könnten zur Schule gehen und hätten genug zum Essen. Niemand wäre traurig, weil er Familie oder Freunde im Krieg verloren hat. Alle Menschen wären freundlicher zueinander und würden zusammenarbeiten. Die Welt wäre viel glücklicher und bunter. Ich hoffe, dass so eine Welt eines Tages wirklich existiert. 
Alara 

Wenn es keine Kriege gäbe, wären wir Menschen sicherlich glücklicher. Wir bräuchten uns nicht mehr so zu fürchten. Es gäbe dann sicherlich viel mehr lachende Menschen auf der Welt. Wir bräuchten kein Geld für Waffen. Es fielen keine Bomben mehr. Es blühten mehr Blumen und wüchsen mehr Bäume. Wenn die Menschen sich mehr vertrauen würden, gäbe es keinen Krieg. So stelle ich mir einen Tag ohne Krieg vor: Er begänne mit einem Sonnenaufgang am Meer. Ich würde in einem Häuschen am Strand wohnen, das leise Wellenrauschen weckte mich. Ich liefe barfuß am Wasser entlang und fühlte den warmen Sand unter meinen Füßen. Später würde ich in meiner Hängematte liegen. Am Abend treffe ich meine Freunde. Wir grillten draußen und schauten danach gemeinsam den Sonnenuntergang an. Das wäre ein friedlicher Moment. 
Polly 

In einem netten kleinen Dorf lebte ein junger Mann mit seiner Familie. Eines Tages drang die Nachricht ins Dorf, dass alle kriegstauglichen Männer ins Militär eingezogen werden, um gegen ein anderes Land zu kämpfen. An diesem Tag ging er ganz allein auf sein Feld, legte sich auf die Erde und stellte sich die Frage: „Wie wäre es, wenn es keine Kriege gäbe.” Man könnte wahrscheinlich viel leichter in alle Länder reisen und es würde niemand mehr wegen eines Krieges sterben. Kein einziges Land müsste mehr so viele grausame Waffen produzieren. Alle Menschen könnten in Frieden leben. Soldaten und Armeen würde es auch nicht mehr geben und jeder Staat könnte sein Geld in andere wichtige Investitionen stecken, für die es davor kein Geld gab. Keine Familie müsste mehr Angst haben, ihre Angehörigen zu verlieren. Junge Männer könnten, statt zur Armee zu gehen, wichtige Dienste fürs Allgemeinwohl leisten, wie zum Beispiel Katastrophenhilfe. Niemand müsste wegen eines Krieges seine Heimat verlassen und ich könnte einfach ein ganz normales Leben führen. 
Anatol
 

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