Apfelsaft schmeckt besser als Cola!

Ein Beitrag von Eva Tilgner (Freie Waldorfschule am Kräherwald / Stuttgart)

Schulgarten der Freien Waldorfschule am Kräherwald mit dem zweiten Stuttgarter Umweltpreis 2008 ausgezeichnet

Der mittlere Sitzungssaal im Stuttgarter Rathaus hat nicht oft Besuch von zehnjährigen Buben und Mädchen. Um so mehr freute sich Matthias Hahn, Bürgermeister für Städtebau und Umwelt, als eine Gruppe von Drittklässlern ihn umringten, um ihm das Säen, Ernten und Brot backen an ihrer Schule zu erklären. Gartenbaulehrer Philip Bishop berichtete anhand einer Fotopräsentation über den Unterrichtsplan aus dem größten „Klassenzimmer" der Freien Waldorfschule am Kräherwald.

Neben dem Säen und Dreschen von Getreide findet in der dritten Klasse das Projekt „Apfelernte" statt:

Innerhalb von zwei Tagen erleben die Kinder zusammen mit den Eltern die Ernte der Frucht bis zur Verarbeitung des Endproduktes, den leckeren Apfelsaft. Die Klasse macht mit Lehrern und Eltern einen Samstagausflug in das Remstal, wo sich ein schuleigenes Grundstück mit drei Apfelbaumreihen befindet. Dann beginnen sie gemeinsam mit Mutter und Vater mit dem Auflesen der Äpfel. Natürliche Hemmschwellen, wie die Angst vor Ungeziefer und Schmutz, fallen schnell angesichts der Mengen an Äpfel, die kurzfristig gesammelt werden. Über 600 Kilo Früchte in einer Stunde tragen die Drittklässler mit ihren Eltern zusammen. Wenn es dann ans Pflücken geht, sind die Neunjährigen nicht mehr zu bremsen. Unter der Aufsicht von Mutter und Vater versuchen einige der Kinder noch in den obersten Baumwipfeln schöne Exemplare zu ergattern.

Am Montagmorgen schließlich trifft sich diese Schulklasse dann an der Saftpresse. Nach vier Arbeitsschritten (Äpfel waschen, schneiden, häxeln, pressen) entsteht der Saft, von dem die Schüler eine Flasche für die ganze Familie mit nach Hause nehmen dürfen. Keine Limonade, keine Cola kommt an den Genuss des selbstgeernteten und produzierten Apfelsaftes heran. Davon darf sich nun auch Bürgermeister Matthias Hahn überzeugen, denn die Drittklässler überreichten stolz eine Flasche ihres auch selbst gemachten Apfelessigs.

Doch nicht nur das Endprodukt auch das Konzept der Apfelernte überzeugte die Jury des Stuttgarter Umweltwettpreises 2008 und die Freie Waldorfschule am Kräherwald erzielte mit ihrem Schulgarten den zweiten Platz. „Selbstständigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Sozialkompetenz wird durch die gemeinsame Arbeit im Garten gefördert..." begründet das Umweltamt die Entscheidung für die Auszeichnung. Ausgezeichnet haben sich auch die Drittklässler im Rathaus gefühlt. In den „coolen" Raum mit den Mikrofonen kommen sie gerne wieder.

Kommentar
Es wurden noch keine Kommentare verfasst.
Ihr Kommentar