Friedrich Wilhelm I. - "der Soldatenkönig" (Friedrichs Vater)

Als der erste preußische König stirbt, hinterlässt er große Schulden. Ganz anders geartet ist sein Sohn, König Friedrich Wilhelm I., er hält Verschwendung für Sünde.

Kaum hat der Vater die Augen geschlossen, da lässt er sich vom "Hofmarschall" die Liste der höfischen Beamten vorlegen. Nach einem flüchtigen Blick ergreift er die Gänsefeder, taucht sie in die Tinte und macht einen dicken Strich durch die Liste. Mit verstörtem Gesicht tritt der Höfling unter seine Kollegen und murmelt: "Unser guter Herr ist tot, und der neue König schickt uns alle zum Teufel."

Ein neuer, eisiger Wind weht im Schloss. Nicht nur die Kammerherren und die Schwärme von Hofdienern werden entlassen. Edle Pferde und Prunkwagen, Möbel und Maskenkostüme werden verkauft, goldenes und silbernes Tafelgeschirr wird eingeschmolzen, um die Schulden zu bezahlen. Um Geld zu sparen, trägt der König statt des Staatsrocks die grobe, dunkelblaue Uniform des preußischen Offiziers. Auch bei seinen Untertanen duldet er keine Verschwendung. Im Jähzorn bringt er es fertig, Hofbeamten die Perücken, die 200 Taler kosten, vom Kopf zu reißen und in den offenen Kamin zu werfen. Bürgersfrauen, die Seidenkleider tragen, bedroht er auf offener Straße.

Neben der Verschwendungssucht hasst er vor allem die Faulheit. „Ein armes Land kann nur durch fleißige Arbeit zu Wohlstand kommen", sagt er. Daher treibt er seine Untertanen an wie ein Gutsherr die Knechte. Wo er mit dem „spanischen Rohr", dem Bambusstock, auftaucht, zittern die Bauern auf dem Felde, die Soldaten beim Exerzieren, die Minister und Generäle. Bauarbeiter, die müßig herumstehen, verprügelt er eigenhändig. Die Marktfrauen müssen Wollstrümpfe stricken, während sie auf ihre Kunden warten.

Nur eine kostspielige Leidenschaft, der er seinen Beinamen verdankt, hat der „Soldatenkönig": die preußische Armee. Sein Lieblingsregiment, mit dem er selbst täglich stundenlang exerziert, sind die „Langen Kerls". Sein „stehendes Heer" vergrößert er allmählich auf 80.000 Mann. Die Armee Österreichs, zu dem damals Ungarn, Kroatien, Böhmen und Schlesien gehörten, ist nicht größer, obwohl Preußen nur 2 Millionen Einwohner zählt, Österreich aber 20 Millionen.