Das Handwerkerorchester

Ein Beitrag von Viktoria Lösche

Zum Beispiel während der Handwerkerepoche in der 3. Klasse und auf einer Monatsfeier.

Voraussetzungen / Vorarbeit:

  • Die Schüler/innen können das Lied „Wer will fleißige Handwerker seh´n“ auf der C - Blockflöte spielen.
  • Die Notenwerte sind eingeführt (Ganze, Halbe, Viertel, Achtel) und mit Orff oder Körperinstrumenten geübt, zum Beispiel:
    1. Gruppe stampft auf eins (Ganze), 2.Gruppe klatscht die Viertel; oder
    1. Gruppe klatscht die Viertel (leise), 2. Gruppe reibt die Hände (Achtel)

Wenn das klappt, kann man drei und später vier Gruppen bilden und alle vier Notenwerte gleichzeitig hörbar machen.

Einstieg:

Man wiederholt das Lied „Wer will fleißige…“ mit Flöten und begleitet es mit Orffinstrumenten wie oben. Dann kündigt man ein Musikstück an, dass hauptsächlich mit Handwerkzeug ausgeführt wird und bittet die Schüler/innen, dafür je ein Werkzeug mitzubringen. (Hammer, Schraubenzieher, Schraubenschlüssel, Fuchsschwanz o. andere kleine Handsägen, Feilen, Raspeln, Scheren, Zangen, aber auch Malerpinsel, leere Farbeimer, Töpfe mit Deckel, Kochlöffel etc.)

Der/die Lehrer/in sollte für diese und die weiteren Stunden folgendes parat haben: Ein etwa 50cm langes Balkenstück zum Draufhämmern, ein Stück Abflussrohr aus Plastik, mehrere dicke Hartholzstöcke z.B. Haselnuss, die man ansägen kann, ohne sie gleich zu zerteilen, außerdem eine oder zwei Eisenstangen (Armiereisen, Brechstange oder dergl.).

Schritt I:

Jede/r Schüler/in stellt zu Anfang der nächsten Stunde die Klangeigenschaften seines/ihres Werkzeugs vor. Die eigentliche Verwendungszweck sollte, wenn nötig, im Hauptunterricht besprochen werden. Hier geht es nur um den Klang, wobei ein bisschen Wortschatzarbeit nebenher abfällt: Wie klingt es, wenn ein Hammer zuerst auf Holz trifft und dann auf Metall? Die Gegensatzpaare hoch/tief und lang/kurz sind meist geläufig, aber Bezeichnungen wie „dunkel“, „dumpf“, „trocken“, „spitz“, „hell“, „klirrend“, „lang nachhallend“ usw. gehören in dem Zusammenhang seltener zum aktiven Wortschatz der Kinder.

Beim Kennenlernen der einzelnen Klänge gibt es Überraschungen, z.B. klingen manche Schraubenschlüssel, wenn man sie an einem Faden hängt und mit Metallstift anschlägt, glockenhell, lang anhaltend und so laut, dass er es mit den kräftigsten Hammerschlägen usw. aufnehmen kann.

Schritt II:

Nachdem die einzelnen Klänge bekannt und besprochen worden sind, ordnet man sie in vier Gruppen, je nachdem wie gut sie zusammen wirken. Hat man den vier Gruppen je einen Notenwert zugeteilt und lässt diese zusammen tönen (wie in der Vorbereitung mit den Orff- o. a. Instrumenten), stellt sich heraus, dass einige Klänge, vor allem die von Feilen und Sägen, zu leise sind. Hier kommt das Plastikrohr zum Einsatz, das den Klang verstärkt, wenn man daran feilt. Die Stöcke, an denen gesägt wird, müssen fest auf dem Boden stehen, damit ein lauterer Klang erzeugt wird. Die noch wesentlich leiseren Klänge wie etwa die Klicklaute, die man mit Zangen machen kann, oder das Scherenschnippen lässt man vorerst beiseite.

Man übt nun mehrmals in verschiedenen Zusammensetzungen, wobei eine wichtige Spielregel zu beachten und immer wieder in Erinnerung zu rufen ist: Jeder darf nur so laut spielen, wie er alle anderen hören kann.

Ich hatte etwa diese Aufteilung:

Schritt III:

Wenn das Orchester über fünf bis sechs Takte weitgehend fehlerfrei durchhält und auch der gemeinsame Anfang und Schluss klappt, kann man mit dem zweiten Teil des Musikstücks beginnen. Man braucht dafür möglichst viele Scheren und Zangen, mit denen jede/r Schüler/in so schnell schnippt und klickt wie es ihm/ihr möglich ist. Dadurch entsteht ein sehr reizvoller Klangteppich. Mit diesem als Hintergrund lässt sich nun ein kurzes Solo verwirklichen (z. B. Schlauchtrompete oder Topf mit Kochlöffelwirbel oder einfach nur ein Drainageschlauch, der, über Kopf gedreht, herrliche Töne erzeugt). Hier können Schüler/innen zum Zug kommen, die schon ein Instrument spielen und mit den Aufgaben, die das Stück stellt, etwas unterfordert sind.

Schritt IV:

Üben, üben, üben, - mit und ohne Flötenlied, die Übergänge von einem Teil zum nächsten extra. Schon vor dieser Phase äußerten die Kinder der Wunsch, das Stück auf der Monatsfeier aufzuführen. Ohne dass ich es angeregt hätte, schlugen sie außerdem vor, sich für die Aufführung passend zu ihrem „Instrument“ zu verkleiden.

Die zweite Hälfte der Übungsphase muss genau so gespielt werden, wie es auch in der Aufführung geplant ist. Wichtig: In jeder der vier Gruppen sollte mindestens ein/e Schüler/in mit musikalischer Vorbildung sein.

Noch wichtiger: Die Drei und vor allem die Eins in jedem Takt sollten betont, d. h. von der Lautstärke her etwas hervorgehoben werden. Das klingt gut und hilft denen, die aus dem Takt gekommen sind, wieder hineinzufinden.

Aufführung:

Die Klasse stellt sich in einem doppelten Halbkreis auf. Die Schüler/innen, die hinten stehen, haben ihre Flötenbeutel dabei, und zwar mit Flöte und je einer Schere oder Zange darin. In der vorderen Reihe stehen die Kinder mit den restlichen „Instrumenten“ nach Gruppen geordnet. Der/die Lehrer/in dirigiert von unten direkt vor der Bühne.

Das Stück beginnt mit dem Flötenlied ohne Begleitung und hatte bei mir den folgenden Verlauf: 


Der Schluss bestand aus einem einzigen Schlag aller auf eins, aber natürlich sind auch ganz andere Verläufe und Ausgestaltungen möglich…

Dreierlei verspreche ich:

  1. Das „Handwerkerorchester“ macht nicht nur den Kindern sehr viel Spaß.
  2. Vorausgesetzt, ihr habt ganze blockflötende Klassen schon unbeschadet überstanden, werdet ihr auch davon keinen Tinnitus bekommen.
  3. Der Lernzuwachs ist nicht zu unterschätzen und auch bei späteren Vorhaben spürbar.

Das Foto anbei ist leider nicht gut, aber mein einziges. Wenn ihr von euren Aufführungen welche habt und mir schicken mögt, würde ich mich freuen.

Es wünscht gutes Gelingen und grüßt herzlich Viktoria Lösche (viktoria.loesche@t-online.de)
 

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