Der Birnbaum und die Flöte

Ein Beitrag von Erán Bar-Am (Klassen- und Musiklehrer an der Waldorfschule Pforzheim)

Eine Geschichte zur Einführung der Choroiflöte

Vor ca. 100 Jahren, als Oma und Opa noch Kinder waren, stand auf der Obstwiese ein prächtiger Birnbaum. Er war so groß, dass kleine Kinder es nicht schafften, auf seine Äste zu klettern aber die größeren Kinder liebten es, auf den Baum zu klettern, auf seinen Ästen zu schaukeln und von den hohen Ästen sogar hinunterzuspringen.

Besonders im Herbst liebten es die Kinder, auf den Birnbaum zu klettern, denn dann trug der Baum viele süße und saftige Birnen. Wann immer die Kinder beim Spielen hungrig oder durstig wurden, pflückten sie ein paar Birnen, setzten sich im Schatten des Baums nieder und liessen es sich gut schmecken.

Im Frühling trug der Baum ein helles grünes Kleid und im Sommer schmückte er sich mit zarten weißen Blumen. Dann bekam der Baum auch viel Besuch von den Bienen, die gerne seinen Blütensaft sammelten. Im Winter stand der Baum ganz nackt, außer wenn es schneite. Dann bekam der Baum ein weißes, glitzerndes Kleid und war wunderschön.

Nicht nur die Kinder liebten den Birnbaum, sondern auch der Schäfer, dessen Schafe auf der Wiese weideten. Jeden Abend, vor dem Sonnenuntergang, setze er sich unter den Birnbaum und spielte auf seiner Flöte – mal ein lustiges Lied, mal auch eine traurige Melodie. Sein Flötenspiel klang über die ganze Wiese und die Kinder liebten es, sich neben dem Schäfer hinzusetzen und seinen Flötenliedern zu lauschen.

Von Jahr zum Jahr wuchs der Birnbaum bis er ganz alt wurde. Sein Stamm war so dick wie ein Faß aber seine Äste wurden langsam dünner und dünner und fingen an zu brechen. Die Kinder konnten nicht mehr darauf klettern und der Schäfer überlegte, was aus dem schönen Birnbaum wohl werden würde.

Da hatte der Schäfer eine Idee: er pflanzte neben den alten Birnbaum einen neuen, jungen Birnbaum, und als der neue Baum schon gut gewachsen war, fällte er den alten Baum und brachte ihn in seine Werkstatt. Dort sägte er ihn in kleine Stücke und aus jedem Stück schnitzte er eine schöne Flöte, die er einem Kind schenkte.

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