Aprilwetter

Bunt gemischt wie Herbstlaubblätter
ist des launischen April
ständig wechselhaftes Wetter,
denn er weiß nicht, was er will.
Treibt er heute regenschwere
Wolkentürme übers Land,
hat er diese Wolkenheere
morgen schon aufs Meer verbannt.
Und statt dessen strahlt vom Himmel
herrlich warm der Sonne Licht,
bei den Blüten herrscht Gewimmel,
Bienen schwirren dicht an dicht.
Doch nur kurz ist das Vergnügen,
lang hält’s der April nicht aus,
muss schon wieder Wolken schieben,
ächzend kommt er mit Gebraus.
Bitter kalt wird’s rasch im Lande,
eisbedeckt sind Bach und See,
schau, er trägt ein weiß Gewande,
einen dicken Pelz aus Schnee.
Doch nicht länger als zwei Tage
freut sich der April daran,
wieder ändert er die Lage
nun jagt Stürme er voran.
Wenn sie dann am stärksten toben,
alles stürzt und ächzt und kracht,
niemand weiß, wo unten, oben,
ja, dann freut er sich und lacht.

Pfeift und brüllt er noch so schrill,
einmal geht die Macht vorbei
und dann heißt es: Fort, April,
mach’ dem Bruder Platz, dem Mai!

Hans Harress

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