Der Anrufbeantworter

Da wollt’ ich doch neulich telefonieren,
mit einer Firma für Baubedarf.
Ich wählte die Nummer mit den zwei Vieren
Am Ende und überlegte scharf,
was bei Herrn Mayer zu baulichen Zwecken
ich ordern wollte für unser Haus
an Ziegeln, Holz und Gipsmehlsäcken.
Doch bei dem, was aus dem Hörer klang `raus,
blieb mir das Wort im Halse stecken:

(beim lauten Vortrag Nase zuhalten)
„Hier spricht der Telefonautomat
der Firma Mayer-Ökobau,
sprechen Sie, wenn es getutet hat.“

Mein Blick, dünkt mich, war nicht sehr schlau.
Das Tuten kam, dann blieb es stumm,
ich druckste hin, her und herum:
„Öh... äh ... äh ... öh, hier Weitenmann,
ich ... öch, ähm ...hm, bestelle dann,
das heißt ... ich wollte ... dachte mir“,
verzweifelt griff ich zum Papier,
worauf, vorsorglich und genau
geschrieben stand, was meine Frau
an Material – samt Isowatte –
fürs Tiefgeschoss errechnet hatte.
„Ähem... nun also“, fuhr ich fort,
da fiel die Stimme mir ins Wort:

„Wir danken, lieber Kunde, sehr,
und brauchen Sie dergleichen mehr,
so ist Ihre Anruf uns willkommen!“

So sprach’s! Ich legte ganz benommen
den Hörer neben’s Telefon.
Da quäkte draus es fröhlich schon
Erneut mit altbekannten Worten
Die tückisch sich ins Ohr mir bohrten:

„Hier spricht der Telefonautomat
der Firma Mayer-Ökobau,
sprechen Sie, wenn es getutet hat.“

Im Magen wurde mir ganz flau.
Schnell presste ich den Hörer ans Ohr
Und stieß mit heiserer Stimme hervor:
„Hier Weitenmann, Herr Ökobau,
äh Mayer, oder vielleicht Frau?
Nun, wie dem sei, ich brauch ... Moment ...
Ich brauch, ich brauch ... ach ja, Zement.
Und Ziegelsteine jede Menge
und auch mit Holz sind wir sehr enge.
Und ja ... bis wann...“, da tönten schon
die Worte aus dem Telefon:

„Wir danken, lieber Kunde, sehr,
und brauchen Sie dergleichen mehr,
so ist Ihre Anruf uns willkommen!“

Ich hab` den Hörer fest genommen
Und wartete! Und wie vermutet,
hat es zum drittenmal getutet,
worauf ich diesmal ganz gemach
zum Apparate dieses sprach:
„Hier spricht ein Mensch durchs Telefon
- und nicht ein Apparat -
der eigentlich, das glaub’ ich schon,
ein Recht auf Antwort hat.
Wenn dieses Recht beschnitten wird
durch seelenloses : Tuut,
dann legt der Mensch den Hörer auf!“
Sprach’s!
Tat’s!
Und fühlt’ mich gut.
Bei Mayer kaufte ich nicht mehr
seither!

Rosemai M. Schmidt

Kommentar
Es wurden noch keine Kommentare verfasst.
Ihr Kommentar