Körpergeographie - Hintergrund

Ein Beitrag von Christina Singer

Wir kennen die Geographie als die Lehre von der physischen Beschaffenheit der Erdoberfläche. Sie zeigt uns, in welchen Räumen und an welchen Orten der Erde welche Lebens- und Handlungsformen möglich sind. Ähnlich vielgestaltig wie die Erdoberflächte zeigt sich auch unser Körper in seiner äußeren Erscheinung: von kräftigen Beinen bis zu fein geformten Fingern, vom weichen Bauch bis zur harten Kopfschale, vom ausdifferenzierten Gesicht bis zum schlichten Gesäß. Wie eine Landschaft lässt sich der Körper in feste und weiche, in grob geformte und ausdifferenzierte, in warme und kühle, in sensible und unempfindliche, in wahrnehmende und bewegliche Bereiche unterteilen. Wer seinen Körper in dieser Art gut kennt, findet darin für sein Leben und Handeln eine verlässliche Grundlage: Ein gutes Körpergefühl unterstützt das Selbstbewusstsein und trägt zum tatkräftigen und geschickten Handeln bei.

Körpergeographie bedeutet also, den eigenen physischen Leib von außen her zu erkunden und seine Möglichkeiten zu entdecken. Wie kann dies aussehen?

Schulkinder im 1. Jahr bringen von sich aus viel Bewegungs- und Entdeckerfreude mit. Diese kann spielerisch auch auf den eigenen Körper gelenkt werden. Fangen wir mit den Füßen an: wir spüren, wie hart und unempfindlich die Ferse ist – mit ihr können wir kräftig auf den Boden „hacken“. Mit der empfindlichen Fußspitze hingegen berühren wir lieber tippend oder tastend den Boden. Dafür können wir uns auf die Fußspitzen stellen, das ist mit der Ferse kaum zu machen. Die Arme sind beweglicher als die Beine, wir können sie in (fast) alle Richtungen bewegen. Damit sie nicht unkoordiniert herum schlenkern, sollten wir die Raumesrichtungen kennen – auch das ein Gebiet der Geographie: oben und unten, rechts und links, diagonal, zentrierend und in die Peripherie gehend. Mit den Fingern können wir uns sehr gezielt bewegen: vor allem der Zeigefinger ist ein besonders Geschickter, der Daumen hat dafür am meisten Kraft und der Ringfinger kann mehr als man denkt (siehe Video Fingervorstellung). Den Rücken können wir beugen und strecken. Der Kopf bewegt sich nicht so gerne: er muss ruhiger gehalten werden, damit Nase, Augen und Ohren fein wahrnehmen können und wir den Überblick über unser Tun behalten.

Haben die Kinder diese verschiedenen Elemente kennengelernt, können die Fähigkeiten der einzelnen Körperteile kombiniert werden. Dann können wir gleichzeitig den rechten Arm und den linken Fuß ausstrecken oder uns, auf beiden Füßen hüpfend, im Kreis drehen und dabei die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Mit allen kreuzenden Bewegungen tragen wir dazu bei, dass sich die beiden Gehirnhälften gut vernetzen (siehe Video Hampelmann und Ziegenbock).

All dies lernen wir nicht technisch, sondern spielerisch mit Rhythmen, Reimen, Liedern und Bildern. Auf diese Weise macht es so viel Freude, dass es sich nicht mühsam anfühlt, obwohl es durchaus komplex ist. Selbst bei Wiederholungen des gleichen Bewegungsablaufes kann durch unterschiedliche Dynamik, Modulation beim Sprechen oder durch Ändern der Stimmung Abwechslung geschaffen werden (siehe Video Schnibel, Schnabel, Schnebel).

Wichtig für die Lehrperson ist, die Abläufe sehr sicher zu beherrschen, um sie mit Schwung und Leichtigkeit den Kindern weiterzugeben. Auch die Wahrnehmung und eventuelle Korrektur der Kinder in ihren Bewegungen ist nur möglich, wenn auf die eigenen Bewegungen möglichst wenig Aufmerksamkeit verwendet werden muss.

Kommentar
Es wurden noch keine Kommentare verfasst.
Ihr Kommentar