Die neue Autorität

Es ist immer wieder gut, über den eigenen Tellerrand hinwegzuschauen. Der Blick zu Dr. Haim Omer von der Universität Tel Aviv dürfte auch für WaldorflehrerInnen äußerst bereichernd sein. 

Dr. Haim Omer gilt als der Begründer der Neuen Autorität. „Die zentrale Frage, die uns idealerweise leiten sollte ist, was braucht das Kind?", beginnt Omer seinen Vortrag. Er plädiert im ersten Teil seines Vortrags für Nähe anstatt Distanz, für das Zeigen von Präsenz und für die sogenannte „Wachsame Sorge". Präsenz ist für Omer die wichtigste Quelle für Autorität.

 

„Du sollst das Eisen schmieden, wenn es kalt ist", so der abgewandelte Spruch in Bezug auf die Neue Autorität. Autorität muss sich nicht auf Unmittelbarkeit begründen, sondern auf Zeit, Beharrlichkeit und Geduld. Wie dies möglich ist, erklärt Haim Omer im zweiten Teil seiner Ausführungen. Weiters thematisiert er die Ankerfunktion, die eine Ergänzung der Bindungstheorie ist und wie die Idee der Neuen Autorität in die Schule zu bringen ist. Omer betont die Bedeutung der Unterstützungsgruppen und die Gefahr der Isolation. Lehrkräfte können nur in der Gemeinschaft Autorität umsetzen, als Einzelkämpfer kann es nicht funktionieren. Omer gibt auch Tipps, wie der Umgang mit den Eltern verbessert werden kann.

 

Wie kann die Neue Autorität in der Praxis aussehen? Haim Omer bringt zwei Beispiele, wie Lösungswege nach diesem systemischen Ansatz sein können. Im „Fall Josef", der die Lehrerin beleidigt hat, könnte der Schüler ohne weiteres suspendiert werden. Es werden aber andere Möglichkeiten gesucht, wie der Schüler seinen Fehler wieder gut machen kann und wie Josef erfolgreich wieder in den Klassenverband integriert wird. Omer betont, dass Neue Autorität nicht heißt, dass es keine Strafen oder Suspendierungen mehr gibt. Neue Autorität ersetzt nicht die „alte Autorität", sondern ergänzt sie.

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