Claudia Kehrer

"Was, ich soll ein Ritter sein?
Herr König, dazu bin ich noch zu klein!
Mich meint ihr, mich kleinen Wicht?"
-- "Ach, mein Freund, verzage nicht!
Du sollst das Untier bezwingen!
Nimm all deinen Mut, es wird dir gelingen!"

 

 

Ich finde der Steine so viele am Berge
und nehme mir einen, der rund ist und grau.
Ich bringe ihn leise zur Höhle der Zwerge
und leg ins Gras ihn, das nass ist vom Tau.

Die Zwerge, sie hämmern und bringen mir dann
zwei Schalen nach Hause, die seh' ich mir an.
Es glitzert und funkelt, hell strahlet das Licht.
So lange es dunkelt sieht man es nicht.

 

 

Das Schnäuzchen zittert, es zuckt der Schwanz,
das Mäuschen tanzt einen Mäusetanz.
Da kommt die Katze leis um's Eck,
o Schreck, o Graus, schnell ins Versteck!

Die Maus, sie schafft's so gerade noch
vorbei an der Katz' ins Mauseloch.
Dort sitzt sie sicher und denkt sich dann:
"Morgen fang' ich es schlauer an!
Will aufmerksam und leise wie die Katze sein,
dann fängt sie mich gar niemals ein."

 

 

Ein Ritter will ich werden
mit Ziel und Kraft und Mut,
will reiten mit den Pferden,
will edel sein und gut.

Willst du all dies erreichen,
willst werden wie ein Held,
darfst du nicht länger weichen,
geh' mutig in die Welt.

 

 

Ich habe die Sonne, den Mond und die Sterne,
die Menschen, die Tiere und Pflanzen so gerne.
Sie alle steh'n treu mir zur Seite
in der Welt großer Weite.

 

 

Heute hier, morgen dort,
ist es hier? Ist es fort?
Raschelt's da, in dem Busch?
Oder dort? Weg ist's, husch.

Welches Tier mag das sein?
Ist's der Fink? Aber nein!
Welches Tier ist denn da?
Ist's die Maus? Aber ja!

 

 

Ein Vogel, der war geschlüpft aus dem Ei,
saß am Rande des Nestes und schaute in die Tiefe,
die Vogelmutter, sie war auch dabei.
Es war, als ob den Vogel ein Schauer überliefe.

Als er flügge war,
es dauerte nicht mal ein Jahr,
sprang er aus dem Nest
und flog auf das Best'.

 

 

Kleines Bächlein, es eilte im blitzschnellen Lauf
über Stock, über Stein, nirgends hielt es sich auf.
Ohne Rast, ohne Ruh floss dem Tale es zu.

Keine Ruhe es fand,
bald im Wald es verschwand.
Sah nicht Bäume, noch Reh,
nicht die Sonn', nicht den Klee.
Das Mühlrad drehte es geschwind,
im großen Teich es Ruhe find'.

 

 

Es ward einst geboren ein Eselein,
das wollte die Laute gern spielen.
Es übte gar feste, es übte gar fein,
bis dass seine Lieder den Leuten gefielen.
Des Königs Tochter bekam er am End,
die Eselshaut wurde im Feuer verbrannt.
Der König gab sein Reich ihm in die Händ',
als guter Herrscher wurde er bekannt.

 

 

"Meine Schwester hatte so ein Glück,
davon will ich mir holen ein großes Stück."
So sprach die faule Pechmarie
und sprang in den Brunnen hinein, o sieh!

Im Ofen ließ sie verbrennen das Brot,
sie wollte nicht sehen dessen Not.
Die Äpfel ließ sie am Baume hängen,
es waren ihr wohl zu große Mengen.

Sie schüttelte selten die Federkissen
und hatte dabei kein schlechtes Gewissen.
Mit Frau Holle kam sie zum Tor,
es kam nur schwarzes Pech hervor.

Die Pechmarie, die sah nun ein:
"Wenn ich Lohn bekommen will, muss ich fleißig sein."

Am Himmel der Wolken unendlicher Tanz.
Wie hat es geregnet, o sieh nur den Glanz.
Ein Bogen steht leuchtend vor all dieser Pracht,
ein Bogen aus Farben mit all seiner Macht.
So wie dieser Bogen den Regen verjagt,
so folget die Freude auf trübesten Tag.

 

 

War einst ein Meister Hämmerling,
der hämmerte tagaus, tagein,
mit seinem Hammer ach so flink
auf jedes Stückchen Eisen ein.

Doch da, ihn packt der Übermut,
das tut ihm jedoch gar nicht gut.
Den Daumen trifft er und die Hand
und leider nur des Amboss' Rand.

Da hat sich der Schmied gedacht:
"Ich hämmer' nur noch mit Bedacht."

 

 

Im Walde, da wollte ich lauschen der Stille,
da murmelt der Bach in all seiner Fülle.
Erst wenn ich still bin, beiseite geh',
des Waldes Wort ich hör' und versteh'.

 

 

Ein Eichhörnchen, ganz flink und munter,
das sprang die Bäume rauf und runter.
Es steht nicht still, den ganzen Tag.
Was es wohl zu tun vermag?
Im Herbst, da ist es fleißig
und sammelt Nüsse, mehr als dreißig.
Doch es hat, o Schreck,
vergessen ein Versteck!
Bald wächst daraus ein Baum.
Das Tierchen glaubt es kaum.

 

 

Der Kater lag träge in der Sonne,
genoss die Wärme voller Wonne,
schnurrte kräftig voller Glück,
da kam eine Fliege und näherte sich ein Stück.

Der Kater zuckte mit einem Ohr,
die Fliege kam ihm nicht wichtig vor.
Er schnurrte kräftig und voller Glück,
da kam eine Mücke und näherte sich ein Stück.

Der Kater zuckte mit dem Ohr,
die Mücke kam ihm nicht wichtig vor.
Er schnurrte kräftig voller Glück,
da kam eine Maus und näherte sich ein Stück.

Der Kater zuckte mit dem Ohr,
die Maus lief schnell und durch das Tor.
Der Kater machte einen Satz
und fing die Maus mit einer Tatz'.

 

 

"Graben soll ich? Ach, wozu denn?
Mir reicht das, was ich hier finde."
So sprach einst der Zwerg Tarinde,
grub bald hier, bald da ein bisschen.

Was er fand war gar nicht viel,
er grub ja auch ganz ohne Ziel.
Gold und Edelsteine fand er nicht.
Warum denn nur? Wer bringt's ans Licht?

"Tarinde, willst du solch' Schätze erringen,
musst du tief und noch tiefer ins Erdreich vordringen!"

 

 

Ein König muss im Reiche sein,
sonst stellt sich der Erfolg nicht ein.
Doch wer kann dieser König sein?

Der Hofnarr? Der sollte es besser nicht sein,
der macht gerne Schabernack.
Wirft's Geld aus manchem Sack
und wird ein schlechter König sein.

Der Schweinehirt? Den wollen wir auch lieber nicht
der sorgt dafür, dass das Reich zerbricht.
Wir brauchen einen König,
das ist doch gar nicht wenig.

Wer könnte es sein? Wer hat diesen Mut?
Ich bin's, ihr Leut, ich mache meine Sache gut!

 

Mein Pferd, das ist ein wildes Tier,
doch wenn ich will, bleibt es bei mir.
Wenn ich sage: "Steh' still!"
Dann steht es, weil ich will.

 

 

Dies ist die Mär vom Schlaraffenland,
jedem ist es wohl bekannt.
Käse liegt am Wegrand wie Steine,
an den Bäumen wachsen Brötchen, ganz feine.
Das Geld kann man von den Bäumen schütteln,
Kleider von denselben rütteln.
Doch niemand hat je gesehen dies Land.
Drum nehm' ich die Arbeit selbst in die Hand.

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