Katharina Wendorf

Das Wildpferd
 
Wie ein Sturm braust es vorbei;
Das Herz, es rast, die Nüstern beben.
Zäune sind ihm einerlei,
Der Blick ist wild und voller Leben.

Ungezähmt und frei,
folgt es seinem Weg.
Vorsichtig kommt es herbei,
wenn ich mich nicht beweg'.

Dann darf ich's sacht berühren
und begleite es zur Herde;
an meiner Hand es führen,
ein treuer Freund ihm werden.

 

 
Das Eichhörnchen

Eilig springt es durch den Wald,
macht vor keiner Höhe halt.
Im Jahreslauf erlebt es viel,
lädt alle zum gemeinsam' Spiel.

Sammelt fleißig Nuss um Nuss,
weiß, wo das Versteck sein muss.
Im Winter darf es dann gut ruh'n,
sich an der Beute gütlich tun.

 

 
Der Biber
 
Meisterhaft baut er den Damm,
tatkräftig kommt er voran.
Der Fluss, er staut sich ringsumher,
was trocken war, es lebt nunmehr.
So lädt des Bibers grüner Hain
die Tiere zum Verweilen ein.
Voller Freude staunt er dann,
was er so alles schaffen kann.
Und tief im Inn‘ren kehrt nun ein
des Friedens warmer, sanfter Schein.

 

 
Der Feuersalamander 
 
Fröhlich flitzt er um die Ecken
mit den lustig-bunten Flecken.
Klettert behänd' den Fels herauf,
wärmt sich dort erst einmal auf.

Strahlt gemeinsam mit der Sonne,
lebhaft spielt er voller Wonne.
Huscht fix in die kleinsten Ritzen,
bleibt geschützt in ihnen sitzen.

Wenn ich ihn gut erkennen will,
verhalte ich mich dann ganz still.
So seh' ich seine besond're Art
und was im Inneren er bewahrt.

 

 

Die Libelle
 
Kraftvoll hebt sie sich empor,
die Flügel schillern zart und rein.
Zielgerichtet schnellt sie vor;
am Bache fängt sie Sonnenschein.

Ein Wesen wie aus Fantasie,
dem Feenreich entsprungen.
Umhüllt von leuchtender Magie,
hat sie Wunder längst errungen.
 

 

Der Hase
 
Der Hase blickt mit wachem Sein,
voll Neugier in die Welt hinein.
Er lauscht, entdeckt und prüft den Weg,
bevor er sicher weitergeht.

Vertraut in seinen eig’nen Mut,
erforscht die Welt, so groß und gut.
Mit jedem Sprung ins helle Licht,
zeigt er sich voll Zuversicht
 

 

Der Schmetterling
 
In einem Garten, von Sonne erhellt,
bestaunt ein Schmetterling
versonnen die Schönheit der Welt.

Ein zarter Hauch nur im Himmelsglanz 
vollführt leicht seinen fröhlichen Tanz.
Fliegt munter durch die milden Lüfte
und folgt der Spur der süßen Düfte.

Findet sicher selbst bei starkem Wind
im Blütenmeer sein Blumenkind.

 

 
Der Marienkäfer
 
Ein lieblich Tier,
voll Leben, bunt und leicht;
dem jeder gern
die off'ne Hand hinreicht.

Mühelos fliegt er davon,
so wie es ihm beliebt.
Landet auf dem Blütenthron,
der sacht im Winde wiegt.

Zeigt sich bunt im Sonnenschein,
kostet von der Welt.
Seine Farben leuchten rein - 
die Wiese strahlt erhellt.
 

 

Der Milan
 
Mit scharfem Auge, wachem Geist,
der Milan durch die Lüfte kreist.
Er kennt sein Ziel, hat's fest im Blick, 
erreicht's durch Willen und Geschick.
Er weiß um sein Können, kennt seinen Wert;
im Flug ist er frei und unbeschwert.
 

 

Die Schwalbe
 
Land und Meer überwindet sie leicht,
hat manch fernes Ziel erreicht.
Kraftvoll kann sie steigen und singen,
frei und entschlossen die Lüfte durchdringen.
Hoch oben hat sie frei Sicht;
sie liebt die Sonne, liebt das Licht.
Und ihr Tanz im Wolkenklang
entlockt ihr freudvollen Gesang.
So schwebt sie durch die Himmelsräume,
lauscht besonnen ihrer Träume.
 

 

Die Füchsin
 
Die Füchsin steht am Waldesrand,
ihr Blick die ganze Welt umspannt.
In der Abendsonne strahlt ihr Fell.
Schon fängt sie an zu laufen schnell.
Lässt Felder und Wiesen hinter sich;
durchstreift die Weite königlich.
Sie kennt ihren Weg bei Nacht und Tag;
und was ihr auch begegnen mag -
sie ist bereit:
Wach und klar zu jeder Zeit.
 

 

Die Spinne
 
In der Ecke hat sie sich versteckt -
was hat sie da wohl ausgeheckt?
Mal krabbelt sie flink, mal wartet sie still;
und immer weiß sie, was sie will.

Ihr feiner Faden hält viel aus,
kunstvoll baut sie sich ihr Haus.
Wie wunderbar sie schaffen kann,
setzt sie bedacht die Kräfte an.
 

 

Die Katze
 
Mit sich'rem Schritt kommt sie daher,
gelockt von Lust und Leben.
Ihr klarer Blick verlangt nach mehr:
fragend, wissend, strebend.

Und kommt ihr etwas in den Sinn,
so lässt sie's nimmer los.
Ihr Wille zieht zum Ziele hin,
die Kraft in ihr ist groß.

Und zeigt der Mond ihr sein Gesicht,
kehrt sie zufrieden heim.
Lässt kraulen sich im Dämmerlicht,
sanft schnurrend schläft sie ein.

 

 

Das Reh
 
Auf den Waldboden bedacht,
setzt es seine Hufe sacht.
Liebt den warmen Sommertag,
scheut des Donners lauten Schlag.

Mit dem nächsten Sonnenstrahl
läuft es munter durch das Tal.
Lässt des Waldes Schutz zurück,
folgt dem eigenen Geschick.

Und mir scheint, als könnt' es fliegen,
im Wettlauf selbst den Wind besiegen.

 

 

Der Baum
 
Beständig steht der Baum im Wind,
gibt Schatten einem jeden Kind.
Fest und geduldig steht er da; 
viele Stimmen nimmt er wahr.

Der eig'nen mag er sorgsam lauschen.
Hört er sie klar, bei all dem Rauschen?
Kräftig halten Wurzeln ihn fest,
seine Äste tragen manch zartes Nest.

Ein Waldkauz ruht zwischen den Blättern,
am Stamm sind Käfer leis' am Klettern.
Auch der Specht hat dort sein Haus –
hier gehen alle gern ein und aus.

 


Das Erdmännchen
 
Flink gräbt es hier und buddelt dort,
bewacht und schützt sein' liebsten Ort.
Beschafft die Nahrung und pflegt die Kleinen,
sorgt sich immer um die Seinen.

Den ganzen Tag gibt's viel zu tun
und kein' Moment um auszuruh'n.
Doch wer beständig schaffen kann,
der ist auch mal mit Rasten dran.

So streckt es in der Sonne dann,
alle Viere von sich lang. 
 

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