Schneeglöckchen und Winterling

Eine Geschichte von Joana Lange (Freie Waldorfschule Schwerin)

Eines Tages als der Winter schon eine ganze Weile geherrscht hatte, dachte sich der Frühling, dass es nun an der Zeit wäre, die Herrschaft vom Winter zu übernehmen. Er ging zur Sonne und bat sie, doch wieder ihre kräftigen Strahlen zur Erde zu senden.

Die Sonne freute sich sehr über ihren Auftrag und machte ihre Strahlen so warm wie möglich, um den Winter zu vertreiben.

Damit war der Winter aber gar nicht einverstanden und bat den Schnee: „Lieber Schnee, sammele noch einmal deine ganze Kraft und bedecke die Erde mit deiner weißen Pracht."

Und so kam es, dass zu einer Zeit, wo kein Mensch mehr mit Schnee gerechnet hatte, die ganze Erde in leuchtendem Weiß erstrahlte.

„So geht das aber nicht", sprach der Frühling und bat die Sonne abermals die Erde zu erwärmen und den Schnee zu schmelzen, damit der Frühling einziehen könne.

Die Sonne tat ihr Bestes. Und der Frühling setzte als Zeichen für den Winter, dass sein Ende gekommen war, lauter kleine Blumen unter die Büsche mit kleinen runden Blütenköpfen, die strahlten so gelb wie lauter kleine Sonnen.

„Das kann ich auch", sagte der Winter und setzte neben die gelben Blumen lauter Blumen mit Köpfchen, so weiß wie Schnee.

Wie der Winter und der Frühling aber die Blumen mit den weißen und den gelben Köpfchen so traulich nebeneinander stehen sahen, dachten sie sich: „Warum machen wir es nicht genauso, beenden unseren Streit und herrschen gemeinsam?" So sagte der Winter zum Frühling: „Meine weißen Blumen nenne ich Schneeglöckchen, denn sie sollen an den Schnee erinnern, doch als Zeichen der Versöhnung schenke ich ihnen im Innern ihrer Blüte einen hellgrünen Frühlingskranz." „Gut", sagte der Frühling da, „ ich nenne meine gelben Blumen, die leuchten wie kleine Frühlingssonnen zum Zeichen der Versöhnung Winterling."

Und von da an beschlossen Winter und Frühling, sich in der Zeit, in der Schneeglöckchen und Winterlinge blühen, mit dem Herrschen abzuwechseln.

So ist es auch heute noch, dass es in dieser Zeit urplötzlich schneien kann und man denkt, der Winter käme zurück und am nächsten Tag schon scheint die Sonne so kräftig, dass es ganz warm wird und einem der Duft des Frühlings in die Nase steigt.

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