Kaulquappen im Klassenzimmer

Ein Beitrag von Hui-Tjhin Bieg (Klassenlehrerin der 2. Klasse in der Freien Waldorfschule Biberach)

Wo kann man schon mal so eine schnelle Entwicklung sehen? Erstaunlich!

Grundsätzlich darf man keine Amphibien und auch nicht deren Laich der Natur entnehmen. Aber, ausgestattet mit einer Ausnahmegenehmigung der Unteren Umweltbehörde, zog die Klasse 2 los auf der Suche nach Froschlaich. Der erste und auch der zweite Ausflug blieben erfolglos. Anfang/Mitte März war es den Fröschen und Kröten wohl doch noch zu kalt. Kein einziges Fröschlein erblickten wir und auch keinen Laich.

Doch am 20. März wurde Laich von einer Familie gesichtet. Am nächsten Tag war es kalt, aber sonnig. So zog die Klasse los und tatsächlich wurden wir fündig. Nicht nur unfassbar große Haufen Froschlaich entdeckten wir. Auch ein Frosch hüpfte den Schülerinnen und Schülern zwischen die Füße.

Ein wenig Laich wurde sorgsam in die Schule transportiert und dort in ein kleines Terrarium umgebettet. In den Eihüllen konnte man jeweils einen kleinen schwarzen Punkt erkennen.

Wie groß war die Freude, als die Kinder am Montag in die Schule kamen. Die Kaulquappen waren bereits geschlüpft. Und schon am Dienstag konnte, wer genau hinsah, die Kiemen erkennen. Am Mittwoch haben einige Schülerinnen und Schüler versucht, den Froschlaich und die jungen Kaulquappen aus Ton nachzubilden. Es war gar nicht so einfach, gleichgroße Kugeln zu formen und zusammenzudrücken, ohne dass sie wieder ganz platt wurden. Und auch die Kiemen der Kaulquappen stellten eine Herausforderung dar.

Eine Woche nach der Entnahme des Laichs zog der Großteil der Kaulquappen wieder zurück in den Tümpel, aus dem sie stammten. Obwohl wir kaum mehr als eine Handvoll Laich entnommen hatten, bevölkerten nun viel zu viele Kaulquappen das kleine Terrarium. Nur sechs kleine Freunde behielten wir zurück. Sie haben schon dicke Körper bekommen.

Zuerst haben die Kaulquappen teile der Eihülle gefressen. Doch schon sehr bald fraßen sie Algentablette, wie man sie für Aquarienfische nimmt. In das Becken gaben wir Wasserpflanzen, Kies und Steine zum Verstecken. Da das Becken recht klein war, musste es sehr oft gereinigt und das Wasser gewechselt werden. Die Kinder aus den Klassen 1 und 3 kamen auch regelmäßig zu Besuch. Man konnte gut beobachten, wie die Außenkiemen sich zurückbildeten und die Mäulchen größer wurden. Die rundlichen Kaulquappen konnten nun schon Algen von den Steinen raspeln. Kurz vor den Pfingstferien bekamen dann die ersten Kaulquappen ihre Hinterbeine. Die Vorderbeine entwickeln sich ja zeitgleich, brechen aber erst später durch. Nur wenn man ganz genau hinsah, konnte man die dünnen Hinterbeinchen vom Kot unterscheiden. Dieser hing auch meist hinten als dünnes Schnürchen herab.

Da nun die Pfingstferien anstanden, nahm Lotta die Kaulquappen samt Becken und Futter zu sich nach Hause. Sie hatte den Laich entdeckt, daher gebührte ihr die Ehre. Lotta hat Ihre Beobachtungen für uns aufgeschrieben und Fotos gemacht. Nach den Pfingstferien schrieben die Klasse eigene Texte zu dem Kaulquappenerlebins.

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