Skript Klasse 6

Ein Beitrag von Adolf Fischer (Freie Waldorfschule am Illerblick in Ulm)

Einbettung im vertikalen Lehrplan

Heimatkunde Kl.4

Im Normalfall hat der Klassenlehrer die Heimatkunde in der 4.Klasse selbst unterrichtet und kann daran erinnern und anknüpfen. Neben der näheren Umgebung in ihren natürlichen Formen und Grundlagen waren die vom Menschen gemachten wirtschaftlichen und kulturellen Einrichtungen das Hauptthema. Beim Blick in die Welt gehörte aber auch eine erste Orientierung am Himmel mit den grundlegenden Erscheinungen dazu. Dies sind allen voran die 4 Himmelsrichtungen und der Blick auf den Tageslauf der Sonne („im Osten geht die Sonne auf ...“), ergänzt durch eine Sonnenuhr. Wechselnde Tageslängen und Sonnenhöhen ergeben die Jahreszeiten. Der 4-Wochen-Rhythmus des Mond kann sich in den alten Monatsnamen (Lenzmond, Julmond,...) spiegeln. Einer ersten Orientierung am Sternenhimmel dienen der große Wagen und Cassiopeia, sowie Polaris zwischen den beiden; sie sind gut zu finden und ganzjährig zu sehen.

 

Beginn Naturwissenschaften ab Kl.6

In der 6.Klasse beginnt (nach erster Menschen-, Tier- und Pflanzenkunde in den Klassen 4-5) die „echte“ Naturwissenschaft mit Geografie, Mineralogie und Physik. Dieser Blick auf die Außenwelt wird ergänzt um die Beschreibung der Himmelserscheinungen in einer ersten beobachterzentrierten Astronomie. Wichtige Hilfsmittel sind dazu auch die konstruierende Geometrie und das Freihandzeichnen in Schwarz-Weiß. Beides wird in der Physik (Optik mit Spiegel und Schattenlehre) und der Himmelskunde (Mondphasen, Finsternisse) genutzt.

 

Astronomie in der Oberstufe

Das Oberstufenkollegium (der Mathematiker) sollte befragt werden, ob an der betreffenden Schule überhaupt noch Astronomie eingeplant ist. Die dazu hilfreiche Kugelgeometrie in der 11.Klasse ist nach diversen Abiturreformen meist ganz entfallen. Themen wie Sonnenlemniskate, Platonisches Weltenjahr, Planetenschleifen, aber auch etwas Astrophysik wären Stoff der 11.Klasse. Die dazu nötige räumliche Vorstellungs- und Konstruktionsfähigkeit braucht aber Grundkenntnisse der Kugel als Bild der Erde und des Himmelsgewölbes sowie möglicher Kartenentwürfen davon. Eine fehlende Oberstufen-Astronomie kann natürlich in der 7. (oder 8.) Klasse nicht wettgemacht werden. Aber man könnte manche Ausblicke darauf geben, ohne gleich in Fachsimpelei zu geraten.

 

Epochenplanung Kl.6/7

Die Vielzahl der neuen Epochen begrenzt deren möglichen Längen. Die Himmelskunde ist davon genauso betroffen, die an vielen Schulen in der 6.Klasse gegeben wird. Unter 4 Wochen ist aber kaum ein sinnvolles, zusammenhängendes Verständnis zu erreichen. Die beste Möglichkeit ist die Verteilung der Epoche auf Kl. 6 und 7 mit 3+3 (oder wenigstens 2+3) Wochen, wie es im folgenden beschrieben ist.

Dies ermöglicht parallele Themen zur Geschichte: Das geozentrische Weltbild von Antike und Mittelalter in Kl.6 und die kopernikanische Wende mit dem heliozentrischen Weltbild in Kl.7.

Außerdem können damit auch 2 Jahreszeiten gewählt werden. Im Sommer kann man in einer milden Nacht unterm Sternenhimmel die Himmelsdrehung erleben. Im Winter (am besten Januar wegen des meist verlässlicheren Wetters) strahlen die herrlichsten Sternbildern am Abend; dazu ist noch kurz vor Schulbeginn Morgensichtbarkeit von Sternen möglich. Unabhängig davon kann übers Jahr der sich verändernde Mond, aber auch der Sonnenstand mittels des Schattenwurfs notiert werden.

 

Epochenziele der Himmelskunde Kl.6

Grundsätzliches Anliegen ist das Erlebnis von Schönheit und Zuverlässigkeit der Himmelserscheinungen. Wir beschreiben, was und wie wir den Himmel und seine zeitliche Veränderung hier von unserem Standpunkt auf der Erde sehen. Bei Rückfragen gehen wir auf Theorien nur kurz ein und verweisen auf die 7.Klasse. „Eigene Sicherheit im geozentrischen Weltbild zu haben (wozu auch eine gewisse Kenntnis der Himmelserscheinungen gehört), ist eine wesentliche Voraussetzung, um den folgenden Schritt in das heliozentrische Weltbild zu vollziehen. Haben Schüler diese Kenntnis nicht, werden sie das heliozentrische Weltbild als blinden Wissenschaftsglaube annehmen“ [aus der Diplomarbeit v. Karin Kümmerer, Freie Hochschule Stgt].

Weil man nur sieht, was man (wieder er-)kennt, bedarf es einer ausreichenden Orientierung auf der Erde und am Fixsternhimmel. Dazu gehören die Begriffe Horizont (mit seinen Richtungen), Zenit, Meridian, Himmelspol und –äquator. Die tägliche Drehung des Himmels wird als reines (Seh-)Phänomen beschrieben, so wie man es wirklich sieht. Die Kinder sollen die wichtigsten Sternbilder und die hellsten Sterne kennen lernen, auch am Himmel sehen und wieder benennen können. Dass diese (am Himmel fest bleibenden) „Fix“-Sterne selbstleuchtend wie die Sonne sind, gehört auch dazu. Auf einer sommerlichen Nachtwanderung oder einem winterlichen Treffpunkt abseits von Fremdlicht bewundern wir die Fülle des Sternhimmels.

Nach diesen gesetzmäßigen und gleichbleibenden Erscheinungen werden die Wandler besprochen. Zu ihnen gehört auch die Sonne als Selbstleuchter. Der Mond und die „normalen“ Planeten sind nur vom Sonnenlicht erhellt, fallen aber durch ihr ruhiges, mildes Licht auf. Auf die Venus als Abend- und Morgenstern wird je nach Sichtbarkeit hingewiesen. Wenn im Laufe des Schuljahres Mars und Jupiter gut zu sehen sind, wird dies ebenfalls genutzt – sei es ein gemeinsamer Beobachtungstermin, oder wenigstens als Auftrag an die Kinder.

Sonne (Tag und Jahr) und Mond (Woche und Monat) geben uns die Zeitmessung. Der Tagesverlauf lässt sich leicht anhand des Schattenwurfes beobachten, sei es von einer Gebäudeecke oder einem fester Stab. Für den Jahreslauf bedarf es fester Markierungen des Mittags-Standes im Monatsrhythmus.

Die 4-wöchige Abfolge der Mondphasen sollte zunächst am Abendhimmel (als Hausauftrag) von der ersten zarten Sichel bis über den Vollmond hinaus beobachtet (und notiert) werden – der abnehmende Mond entzieht sich in die zweite Nachthälfte und eignet sich dann nur noch für Frühaufsteher. Im Unterricht können wir diesen Formwechsel mit dem Eigenschatten des Mondes erklären je nach dessen Stellung zum Sonnenlicht und unserem Blickwinkel dazu. Dieser Zusammenhang zwischen Lichteinfall und Schattenwirkung ist im Schwarz-Weiß-Zeichnen der 6.Klasse ebenso Thema wie in der ersten Physik-Epoche.

Schwierig genug wird der jährliche Sonnenweg innerhalb des Tierkreises sein. Von den Tierkreisbildern am Himmel sind nur wenige gut zu sehen, aber nie, wenn die Sonne in ihnen steht. So genügen die kalendarische Aufzählung und die Unterscheidung der Tierkreiszeichen. Mindestens die Entstehung der Jahreszeiten soll als Wirkung der Einstrahlungsdichte verstanden werden (durch die unterschiedliche Höhe der Sonne im Jahreslauf).

 

Hinweise

Weitere Details finden Sie in meinem Script zur Himmelskunde in Kl.6 und 7. Das Script für die 7.Klasse ist ein Gesamttext für beide Epochen; der Lehrer wählt seine Schwerpunkte daraus selbst. Das Script für die 6.Klasse ist ein Auszug aus dem Gesamttext in gleicher Nummerierung. Lieder und Rezitationen, sowie Tipps zu Unterricht und Materialien finden Sie in den anderen Beiträgen.

Des weiteren können Sie einen Anhang zur Himmelskunde bei mir mittels E-Mail anfordern. In diesem finden Sie zu den einzelnen Themen Ergänzungen aus der Astronomie. Diese übersteigen den Unterricht bei weitem, können aber für Sie von Interesse sein, insbesondere Schüler-Rückfragen leichter beantworten. Der Anhang ist mit gleicher Nummerierung gegliedert wie der Text des Scripts.

Rückfragen zur Himmelskunde können Sie richten an: adoric.fischer@web.de

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