Die Eroberung des Inka-Reiches

Zusammengestellt von Frederike Wandersleb

Schon 1524 erhielt der regierende Inka-König, der „ Sapay Inka",  die Nachricht, dass im Norden auf dem Meer „schwimmende Festungen" gesichtet worden seien, die von weißhäutigen, bärtigen Männern gesteuert würden. Der König erkannte die Gefahr und sagte bereits voraus, dass die Fremden sein Land erobern würden. Er starb wahrscheinlich an den Pocken, einer in Südamerika unbekannten Krankheit, die von den Spaniern eingeschleppt worden war. Diese tödliche Seuche breitete sich schneller aus, als die Eroberer vorankamen.

Als auch der Nachfolger des Königs überraschend starb und keinen Nachfolger bestimmt hatte, stritten sich zwei Brüder um die Herrschaft. Gleichzeitig brach im ganzen Land die Pockenepidemie  aus, so dass die heranrückenden Spanier auf ein Land stießen, in dem Krankheit und Unsicherheit regierten.

 

Francisco Pizarro, der das Unternehmen leitete, war ein unehelicher Sohn eines spanischen Adeligen, der in der neuen Welt Reichtum und Macht suchte, die ihm in der Heimat verwehrt geblieben waren. Er war nicht gebildet, konnte weder schreiben noch lesen. Er besaß bereits Land in Panama und hatte es zu Wohlstand gebracht. Aber seine Sucht nach Reichtum war nicht gestillt. Er hatte bei einer seiner früheren Fahrten ein Floß aufgebracht, auf dem sich Inka befanden. Er hatte den reichen Goldschmuck gesehen und seine Gier war erwacht.  Einige der Männer hatte er als Gefangene behalten, um sie zu Dolmetschern auszubilden.

Als Pizarro 1532 in Peru anlandete, hatte er nur 160 Abenteurer dabei, darunter 67 Reiter und Pferde. Die Pferde stießen auf große Bewunderung und Achtung, denn so große Tiere gab es im Inka-Reich nicht, gegenüber den Lamas wirkten sie wie Riesen.

Pizarro plünderte zunächst die Lagerhäuser an der Küste. Als er hörte, dass Atahualpa, einer der Thronanwärter, sein Lager in Cajamarca im Hochland aufgeschlagen hatte, zog er dorthin.

Atahualpa beging einen großen Fehler, indem er glaubte,  die Spanier seien ungefährlich und könnten in ihrer kleinen Zahl leicht von seinen Kriegern in Schach gehalten werden. So empfing er Pizarro zunächst freundlich. Pizarro schlug sein Lager mitten im Ort Cajamarca auf und versteckte seine Männer in den umliegenden Häusern, bevor er den Inka zu sich einlud. Als Atahualpa ankam, getragen von 80 Gefolgsleuten in einer Sänfte, die mit bunten Papageienfedern und vergoldeten Platten geschmückt war, merkte er nicht, dass er in eine Falle tappte.

Aus den Seitenstraßen und Gebäuden um den Platz sprengten die spanischen Reiter, schossen in die Menge und töteten die Inka. Atahualpa wurde gefangen genommen.  Zunächst  wurde er gut behandelt, hatte seine Frauen und Diener um sich und lernte rasch die spanische Sprache, sogar etwas lesen und schreiben und war darin gar Pizarro voraus.

Als Atahualpa bemerkte, dass die Gier nach Gold die Spanier antrieb, versuchte er sich freizukaufen, indem er ein Lösegeld anbot: Den Raum, in dem er sich aufhielt, ca. 7 mal 5 m groß, wollte er bis zu einer Höhe, die er noch mit der Hand erreichen konnte, mit Gold anfüllen lassen. 

So wartete Pizarro zunächst ungläubig auf das Eintreffen der Schätze. Und sie kamen!  Menschen brachten für ihren König die goldenen Schätze des Landes auf Lamas geladen herbei und warfen sie auf einen großen Haufen in der Mitte des Platzes unter den staunenden, gierigen Blicken der spanischen Söldner. Atahualpa ahnte nicht, dass die Fremden erst Ruhe geben würden, wenn sie das Land total ausgeplündert hätten. Die Nachricht über die Schätze des Inka-Reiches hatten viele weitere Abenteurer angelockt.

Das Gerücht, Atahualpa plane einen Aufstand, wurde in die Welt gesetzt, und so wurde der Inka-Herrscher zum Tode verurteilt. Er versuchte noch, sich vor dem Verbrennungstod zu retten, indem er sich zum Christentum bekehrte, denn er wollte unbedingt - dem Glauben seines Volkes folgend - unversehrt beerdigt werden. So wurde er erdrosselt. Noch im Tode betrogen die Spanier Atahualpa, indem die seinen Leichnam teilweise verbrannten!

Die letzten Inka-Anführer wurden unbarmherzig von den nachrückenden Spaniern verfolgt. Cuzco, die Hauptstadt wurde belagert und erobert.

Der letzte Herrscher Manco erbaute im dichten Urwald eine versteckte Festung - Vilcabamba -, von der aus er die Spanier immer wieder angriff. Doch die Spanier folgten den Indios bis tief in den Urwald und töteten auch ihn, so dass das Herrscherhaus der Inkas ausstarb.

Tempel und Paläste der Inka wurden dem Urwald überlassen. Keiner weiß bis heute, ob der Urwald alle seine Geheimnisse preisgegeben hat, und ob die ganze Wahrheit über die letzten Tage der Inka schon erzählt werden konnte.

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