„Der Krieg muss den Krieg ernähren"

Aus dem Buch "Wallenstein" von Walter Görlitz, 1948

Wallensteins erste Sorge galt der Unterbringung seiner Armee und der Vervollständi­gung ihrer Ausrüstung, wofür er die wirtschaftlichen Hilfsquellen seines Fürstentums auszunutzen trachtete. Der Landeshauptmann Gerhard v. Taxis wurde mit einer Flut von Befehlen überschüttet, „incontinenti" auf der Elbe Pulver, Getreide, Lunten und anderes Kriegsmaterial und Proviant nach Mitteldeutschland zu senden. Er ordnete die Herstellung von 10.000 Paar Schuhen und etlichen Tausend Reiter­stiefeln in Friedland an, ebenso die Herstellung von Tuchen für Bekleidung. Die gleiche bis in alle Einzelheiten gehende Fürsorge wandte er auch den besetzten Gebieten zu. Vor allem trug er Sorge, dass deren Kontributionskraft nicht erschöpft und dass die Landbestellung nicht unterbrochen wurde.

Doch diese merkantilistischen Grundsätze, die er in Anwendung zu bringen suchte, soweit irgend seine Macht reichte, dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die von seinen Truppen besetzten Gebiete bei der allgemeinen Disziplinlosigkeit der Offiziere und Soldaten trotzdem Furchtbares erdulden mussten. Wo er nicht hinsah, wurde nach Herzenslust gebrandschatzt. Dazu kamen die riesigen Kontributionen, die Wallenstein selbst ausschreiben ließ. Die Armee verschlang Unsummen. Schlesien bekam die ganze erbarmungslose Härte des Krieges zu spüren. Innerhalb von drei Tagen verzehrten Wallensteins Truppen in Sorau, Sagan und Sprottau 248 Fass und 1098 Achtel Bier, 150.240 Pfund Brot, 169 Ochsen, 1.359 Schafe und 1.872 Scheffel Hafer. Dazu kamen noch die besonderen Forderungen der Offiziere. Es war, wie wenn sich der Himmel verdüsterte und ein riesiger Heuschreckenschwarm sich über das Land herabsenkte.

Wallenstein hatte die Armee aus seinen Mitteln geworben, jetzt trat er auch nach seinem Gutdünken als selbständig handelnder Feldherr auf. Ganz äußerlich naiv ließ er sich, wie um seine imperatorische Rolle auch nach außen hin zu unterstreichen, in Prag neue Kleider verfertigen, bevor er ins Feld rückte, nicht mehr in Schwarz, sondern in flammendem Scharlachrot, mit düster prächtigem Karmoisin verbrämt, Rock, Atlaswams und Mantel.

Überhaupt trat er jetzt mit einem Gefolge auf, wie es nur regierende Fürsten besaßen. Kammerherren und Stallmeister, Adjutanten und Sekretäre, galonierte Dienerschaft in Lichtblau und Karmoisin, prunkvoll uniformierte Leibschützen und Trabanten mit Hellebarden bildeten seine Umgebung. Wenn er reiste, geschah es jetzt mit einer wahren Karawane von Wagen, 50 sechsspännigen Karossen für ihn und seinen Stab, 50 vierspännigen Reisewagen für Dienerschaft und Küchenpersonal, 10 Kutschen mit Glasfenstern für das Sekretariat und 50 Stallknechten, die seine Leibreitpferde und die Maultiere für die Sänften hinterdrein führten. Solch Gepränge ließ die ver­schuldeten Fürsten des Heiligen Römischen Reiches vor Neid erblassen, selbst der Kaiser vermochte sich solchen Aufwand nicht zu gestatten. Es war ganz einfach unerhört.

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