Deutschland - verwüstet, verarmt und entvölkert

Der Dreißigjährige Krieg sollte einer der verheerendsten Europas werden. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen waren enorm. Deutschland war verwüstet, verarmt und über ganze Landstriche entvölkert: Weit mehr als bei allen früheren (und vielen späteren) Kriegen war praktisch die gesamte deutsche Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft gezogen worden. Schätzungen zufolge ist die deutsche Gesamtbevölkerung während der Kriegsjahre um ein Drittel zurückgegangen. Außer den großen Hafenstädten wie Hamburg und Bremen kam die gesamte Wirtschaft im Land zum Erliegen.

Die Verwüstungen durch diesen Krieg waren unermesslich. Die Bevölkerung und mit Ihr ganze Ortschaften war in vielen Landesteilen einfach ausradiert worden. Manche familienkundliche Forschungen enden heute zur Zeit des dreißigjährigen Krieges im Nichts, weil alle Kirchenbücher durch einfallende Truppen geplündert und verbrannt wurden.

Die Menschen flüchteten vor der Armut und vor den einfallenden Truppen. Doch längst nicht nur ins nächste Fürstentum, sondern dorthin, wo man auf Frieden und Nahrung hoffen konnte. Es war ganz einfach, man ging soweit einen die Füße trugen. Eltern schickten Ihre Kinder ins Unbekannte, um sie zu schützen und opferten sich selbst den blutrünstigen Attacken der Soldaten. In den Kriegswehen verloren die Menschen alles, so dass sie oftmals nichts mehr, als die Kleider am Leib und das eigene Leben hatten.

Wird heute vom Dreißigjährigen Krieg gesprochen wird, so kommen die meisten Menschen auf ein einfaches Urteil: In diesem Krieg kämpften Katholiken gegen Protestanten. Der Dreißigjährige Krieg sei vorwiegend ein Religionskrieg und daher sehr grausam gewesen. Wenn man aber die Frage stellt: Wie konnte es kommen, dass ein Volk wegen religiöser Spannungen sich dreißig Jahre lang zugrunde richtet, so erschließen sich andere Folgerungen.

Das deutsche Volk hat diesen Krieg nicht geführt, es hat ihn erlitten. Es hatte überhaupt keine Möglichkeit, seinen Willen zu äußern. Der Kaiser fühlte sich nicht als Sachwalter des deutschen Volkes. Er war Herr in seinen Erblanden. Darüber hinaus reichte seine Macht kaum. Deutschland glich einem "Flickenteppich" von fast 300 selbständigen Kleinstaaten, deren Fürsten nicht nur verschiedenen Bekenntnissen angehörten, sondern deren Machterwerb über alles ging und die den Krieg auf dem Rücken des Volkes führten. Die katholischen Fürsten im Bunde mit Kaiser Ferdinand verfolgten das Ziel, ihre Länder vom Protestantismus zu säubern. Den protestantischen Fürsten ging es um den Besitz der seit der Reformation eingezogenen Kirchengüter.

 

Die Interessen ausländischer Mächte

Frankreich strebte an den Rhein, Schweden und Dänemark glaubten durch die Vorherrschaft Roms im Herzland Europas, aus den Häfen der deutschen Meere verdrängt zu werden. So wurde dieser furchtbare Krieg eine Folge von konfessionellen, politischen und wirtschaftlichen Verwicklungen, die auf dem Boden des deutschen Volkes ausgetragen wurden. Da es damals keinen geregelten Nachschub für die Truppen aus Vorratslagern gab, mussten sich die Soldaten ihre Ernährung und Ausstattung aus dem jeweiligen Gebiet, in dem sie sich aufhielten, durch Raub und Plünderung beschaffen. "Der Krieg musste den Krieg ernähren" und das lange dreißig Jahre. Darunter hatte vor allem die Bevölkerung zu leiden.

Die Schrecknisse dieses Krieges sind noch lange in Erinnerung geblieben.

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