Livius Drusus als Werkzeug des Senats

Plutarch (römischer Geschichtsschreiber, 45 - 125 n. Chr.): Gaius. Gr. 9.10.

So lieh also Livius sein Amt dem Senat für diesen Zweck und brachte ein Gesetz nach dem anderen in Vorschlag ohne Rücksicht auf Ehre oder Vorteil des Staates. Wie sich in der Komödie die Leute um die Wette abhetzen, hatte er nur das einzige Ziel, Gaius mit Gefälligkeiten bei der großen Menge auszustechen... Wenn Gaius die Aussendung zweier Kolonien beantragte und die angesehensten Bürger dafür be­stimmte, warf man ihm vor, er buhle um die Volksgunst; Livius, der zwölf beantragte und in jede dreitausend bedürftige Bürger schicken wollte, fand Unterstützung. Wenn Gaius der ärmeren Bevölkerung Land zuteilen wollte und jedem eine Abgabe an den Fiskus auferlegte, so hetzten die Optimaten gegen ihn, er gehe dem Pöbel um den Bart. Livius erließ den Siedlern auch diese Abgabe und fand damit Beifall beim Senat. Gaius' Antrag auf Verleihung des Stimmrechts an die Latiner erregte all­gemeines Missfallen; Livius' Vorschlag, man solle im Heer die Prügelstrafe auch für die Latiner abschaffen, wurde befürwortet. Livius selbst erwähnte in seinen Reden auch immer und immer wieder, alle seine Vorschläge seien vom Senat gutgeheißen, der nur das Beste des Volkes wolle. Das war aber auch der einzige Gewinn, den seine Maßnahmen brachten, dass das Volk dem Senat gegenüber eine freundlichere Haltung annahm. Während es die Optimaten früher nur mit Hass und Argwohn angesehen hatte, milderte und beseitigte Livius diese Feindschaft, als wenn seine freundliche Gesinnung gegen das Volk nur dem Geheiß des Senats entsprungen wäre. Vor allem aber deshalb hielt man Livius' Freundschaft und Unbestechlichkeit gegenüber dem Volk für echt, weil man sah, er stellte seine Anträge weder in seinem Interesse noch für seinen Vorteil. Er überließ die Ausführung der Kolonien anderen und befasste sich selbst nie mit Verwaltung von Geldern, während Gaius die Mehrzahl der Geschäf­te, besonders die wichtigeren, persönlich zu erledigen pflegte.

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