Quellensuche Dorfbach

Ein Beitrag von Marcus Kraneburg (Freie Waldorfschule Freiburg St. Georgen)


Direkt neben unserer Schule fließt der Dorfbach entlang. Im Rahmen der Erdkundeepoche, in der wir die großen Flusssysteme Deutschlands und die Quellenbildung im Allgemeinen behandelt haben, wollten wir nun eine der zahlreichen Quelle unseres Dorfbaches aufsuchen. Ich wählte eine Sickerquelle aus, bei der das Wasser nicht aus einer Felswand sprudelte, sondern langsam und flächig aus der Erde sickerte. Dies hatte ich den Kindern schon erzählt, um falschen Erwartungen vorzubeugen.

Der Tag kam, das anfänglich trübe Wetter verschwand nach einem gestrigen Regentag und wir kamen mit Gummistiefeln und einem leckeren Vesper in die Schule. Die Kinder teilten sich selbst in drei Gruppen ein: schnelle, normale und gemütliche Gangart. Schon hier war ich positiv überrascht, welche Kinder sich der schnellen Gruppe zuordneten. Hätte ich gar nicht gedacht. Jede Gruppe hatte eine erwachsene Begleitperson dabei, die aber nur als „stummer Begleiter“ und nicht als Helfer auftreten sollte. Uns stand also eine kleine Forschungsreise bevor. Tempo, Suchstrategie und Hilfe bei Vorkommnissen sollte von der Gruppe übernommen werden. Teilen durfte sich die Gruppe nicht.
 


Ab einer bestimmten Stelle wollten wir einem Zufluss des Dorfbaches folgen (oben letztes Bild). Vor dem Start fand eine grobe Orientierung durch mich statt. Der Dorfbach durchquert auf dem Weg dorthin zwei Ortsteile. Der Fluss verschwand unter Straßen, entfernte sich von begehbaren Wegen, durchquerte eingezäunte Privatgrundstücke, die man umlaufen musste – eine aufregende Suche begann.

Die Kinder nahmen die Herausforderung überwiegend sehr abenteuerlich – viel stärker als ich vermutet hatte. Schnell stiegen sie ins Flussbett und folgten dem Lauf, wo es ging. Ein Quellbach ist natürlich kalt und es dauerte nicht lange, bis die ersten Stiefel mit Wasser vollliefen. Entweder war der Stiefelrand zu niedrig oder der Übermut zu groß. Elementare Erfahrungen, die man im Klassenzimmer nicht sammeln kann. Auch begegnete uns viel Unplanbares, auf das die Kinder selbst eine Antwort finden mussten: Kommen wir durch das Dickicht? Wem muss man wann helfen? Wann muss man demokratisch abstimmen, welcher Weg zu nehmen ist?
 


Eigene Lösungen zu finden war bei dieser Quellsuche wunderbar möglich. Der Zufluss teilte sich nochmals, weil er aus zwei kleineren Tälern gespeist wurde (oben letztes Bild: Man muss genau hinsehen. Von oben rechts und unten links kommt das Wasser und verschwindet dann in einer Straßenunterführung). Die Gruppen folgten dem größeren Flusszweig. Es ging nun immer weiter stark bergauf. Bis hierher waren wir schon fast 3 Stunden unterwegs, nun hörten wir ein leises Krachen. Kurz darauf war der Waldweg gesperrt: Durchgang verboten – Baumfällarbeiten! Und tatsächlich: Heute wurde hier ordentlich gefällt. Das war natürlich (für mich) maximal enttäuschend – gerade heute. So mussten wir von hier aus unseren Heimweg antreten und konnten die Quelle doch nicht ganz erreichen. Es fehlten noch etwa 1,5 km. Die Kinder nahmen es weitgehend gelassen, denn wir waren voll mit Eindrücken.

Das Leben in die Schule zu holen – bei unserer Quellsuche war es möglich. Die Tour war anstrengend und herausfordernd, elementar und unwägbar. Sie hat tiefe Eindrücke in uns hinterlassen.

Auf den letzten Bildern ist die Sickerquelle zu sehen. Ich machte die Aufnahmen auf meiner Vorerkundungstour.
 

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