Hans im Glück

Natascha Hermann (Rudolf-Steiner Schule Wien-Mauer)

Der Erzählstoff der ersten Klasse sind die Märchen aus dem jeweiligen Kulturkreis. In unserem Fall sind dies überwiegend die Märchen der Gebrüder Grimm. Viele bekannte wie weniger bekannte Grimm Märchen habe ich im Laufe des ersten Schuljahres zum Ende des Hauptunterrichts erzählt.

Von meiner Mentorin Christine Bolleter durfte ich die schöne Idee übernehmen, dass wir in der Schreibepoche ein Buch zu einem Märchen gestalten, mit Text und Zeichnungen. Im Mai waren wir soweit: unsere dritte Schreibepoche, in der noch die allerletzten Buchstaben des Alphabets gelernt wurden.

Bei der Auswahl war es mir wichtig, ein Märchen mit einer optimistischen Grundhaltung zu finden, das in seiner Bescheidenheit ein Stück weit unsere Ressourcen und die Resilienz stärkt, jetzt in dieser besonderen Zeit aber ebenso wenn man es später im Leben durchblättert. Für mich hat „Hans im Glück“ das verkörpert.

Hans kehrt von seinen Lehrjahren heim zur Mutter und verliert auf diesem Weg in einer Verkettung von Tauschgeschäften den Lohn, den er für sieben Jahre erhalten hat, nämlich einen Klumpen Gold so groß wie sein Kopf. Das Wunderbare an dieser Geschichte ist allerdings, dass Hans am Ende zwar alles Materielle verloren hat, sich allerdings in keinster Weise darüber ärgert. Ganz im Gegenteil, er zeigt mit seiner Haltung, dass Glück auch Einstellungssache ist und Zufriedenheit wahre Freiheit bedeutet. Denn als auch noch der letzte Stein in den Brunnen fällt, ruft Hans aus: “So glücklich wie ich gibt es keinen Menschen unter der Sonne“.
 

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