Die neuen Mysterien der Jugend?

Eindrücke aus `Die unendliche Geschichte`, dem `Herr der Ringe` und `Harry Potter`

Betrachtet man die drei oben genannten Bücher und die dazugehörigen Filme unter dem Aspekt des Kampfes des Guten mit dem Bösen, so können einige Gedanken zur weiteren Durchdringung der Thematik anregen und darauf aufbauend möglicherweise als neue Inhalte in den Unterricht einfließen. Eine Anregung soll gegeben werden, wie dies beispielhaft entwickelt werden könnte.

Die „gute Seite“ wird in allen drei Erzählungen von Menschen oder menschenähnlichen Wesen dargestellt. In der unendlichen Geschichte der Held Artrejo, im Herr der Ringe der Hobbit Frodo Beutlin und Harry Potter. Gemeinsam zeigen die drei Helden keineswegs ein unausgewogenes Draufgängertum mit unüberlegten Aktionen, sondern sie sind alle drei in sich ruhende, klar denkende und ausdauernd agierende, tapfere Kämpfer. Körperlich sind sie aktiv, treiben Sport, Quidittsch, Reiten, Schwimmen etc. und handeln auch in sehr bedrohlichen Situationen besonnen. Hier kommen einige Voraussetzungen des Menschen zu einem Schulungsweg wie Innere Ruhe, Mut, Ausdauer, situatives Handeln etc. zur Darstellung. Ihnen zur Seite stehen mehr oder weniger Freunde, die Sie ständig unterstützen und Ihnen weiterhelfen. Lediglich Artrejo ist fast ganz auf sich allein gestellt.

Dem Gegenüber steht in allen drei Darstellungen "das Böse". Es ist jeweils anders geartet. In der unendlichen Geschichte ist es das nachtähnliche, dunkle Nichts, das sich mehr und mehr in der Welt der Phantasie ausbreitet und alles andere vernichtet. In dem Herr der Ringe ist es ein Turm der in seiner Spitze zwischen zwei hörnerähnlichen Gebilden ein wallendes Feuer mit dunklem Inhalt aufzeigt und bei Harry Potter in der Gestalt von „du weißt schon wer“ oder Lord Voldemort. Hier gäbe es mannigfaltige Möglichkeiten eine Charakterisierung dieses Bösen weiterzubeschreiben, es soll aber im Folgenden auf die mehr gemeinsamen Aspekte des Bösen in allen drei Darstellungen eingegangen werden.

Das Böse ist in der oben genannten Form der Darstellung nicht erschöpft, sondern es hat vielfache, weitere Erscheinungsformen. Immer tritt auch der Wolf oder ein wolfähnliches Tier auf. Der Riesenwolf soll Artrejo auf seiner Mission Phantasien zu retten eliminieren. Ein Professor von Hogwarts verwandelt sich bei Vollmond in einen Werwolf und im Herr der Ringe reiten die Orks auf wolfsähnlichen Tieren zum Kampf. Das Böse wird durchweg dunkel, beweglich, sich ausbreitend dargestellt. Es wird nirgendwo direkt darauf hingewiesen, dass es ja eigentlich für die Entwicklung eine notwendige Sache ist.

Der Kampf der drei Helden gegen das Böse erfolgt auf verschieden Art und Weisen. Artrejo muß einen hindernisreichen Weg zurücklegen, bevor er den Jungen zur Rettung der Kindlichen Kaiserin und damit zur Rettung von „Phantasien“ zum Tempel bringen kann. Auch Frodo hat als Ringträger einen ereignisreichen, schwer zu bewältigenden Pfad zurückzulegen, bevor dann der Ring des Bösen, zwar nicht durch ihn, aber in den richtigen Vulkan fällt und damit das Ende des Bösen im Herr der Ringe herbeiführt. Bei Harry Potter wird der böse Zauberer an jedem Band geschwächt, aber bislang noch nicht besiegt, so dass er immer wieder fliehen und sich neu einrichten kann.

Es wird deutlich, dass hier ähnliche Werke in heutiger Darstellungsform für die Jugend, wie die großen Dramen von Parzifal, Faust oder der Artusrunde vorliegen und der zugrundeliegende, tiefgreifende esoterische Charakter dieser Jugenddarstellungen für ein boomendes Interesse in der Jugend gesorgt haben.

Ein möglicher Einsatz dieser Darstellungen, beispielsweise im Deutschunterricht, bedarf einer intensiveren und genau analysierenden Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Werk. Aber es scheint mir sehr wahrscheinlich, dass wir damit die Jugend intensiv erreichen und auch begeistern können und damit ein Schritt in die Richtung der Erneuerung von Unterrichtsinhalten getan wäre.

Dietmar Kasper

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