Schweine

Bericht einer Bauersfrau

um 1910/20

Früher in meinem elterlichen Hause hielten wir nach damaliger Zeit gerechnet recht viele Schweine. Mit Schweinen konnte man eher zu Geld kommen als beim Rindviehbestand. Viele Schweine wurden gemästet. Wir hatten so durchschnitt­lich 5-6 Sauen. Meistens waren es schon ältere Sauen. Selbst hielten wir keinen Eber. Es gab bei uns kleine Köttersleute, die sich einen Eber hielten, um damit nach etwas Geld zu verdienen. Mussten Schweine gedeckt werden, so mussten wir diese hintreiben. Mit mehreren ging es am besten, denn mit einer halben Stunde weit mussten wir immer rechnen. Ein einzelnes Tier wurde auch wohl an der Leine geführt. Jede Sau ("Suge") konnte zweimal im Jahr ferkeln. Wir schrieben alles genau an, damit wir wussten, wann die Sau ihre Zeit herum hatte, und das war nach 16 Wochen. Es konnte mitunter 1-2 Tage länger sein. Wenn die Sau zum Abferkeln kam, so musste man vor allen Dingen für eine gute Einstreu sorgen. Am besten war Roggenstroh und dann kurz geschnitten, sonst konnte es leicht vorkommen, dass die kleinen Ferkel ("Kürskes") sich im Stroh festkrachen und dann verkümmerten. Wir blieben auch immer bei der Sau, auch zur Nachtzeit. Wir mussten immer sorgen, dass die kleinen Tiere bei der Sau blieben und rechtzeitig zum Saugen kamen. Manchmal waren die Sauen auch wohl unruhig und sogar böse, dass sie immer wieder aufsprangen, und dann konnte es leicht vorkommen, dass die kleinen Ferkel getreten und gebissen wur­den, und somit konnte leicht ein Ferkel verloren gehen. Die Sauen konnten auch während der Geburt krank sein, und daher diese Untaten. Im Winter, wenn es kalt war, dann war es mit den kleinen Ferkeln ganz beschwerlich, denn sie konn­ten gar keine Kälte vertragen. Es gingen auch wohl einige Ferkel verloren, nur wegen Kälte.

Der Sommer war die allerbeste Zeit für die Ferkel, dann konnte man wirklich von Tag zu Tag sehen, dass sie weiterkamen. Wir ließen auch immer ein Licht brennen im Schweinestall, meistens war es die Stalllaterne. Die Sau musste auch immer gut gefüttert werden. Es kam wohl öfters vor, dass bei einer Sau wohl 10-12 Ferkel waren. Daher musste die Sau wohl gut bei Kräften sein. Deshalb wurde sie auch ein- oder zweimal mehr gefüttert als die übrigen Schwei­ne, und vor allen Dingen musste man sorgen, dass die Sau viel Flüssigkeit bekam, besonders Magermilch. Alles bezog sich dann auf deren Milch, denn wenn die Sau gut säugte, umso besser entwickelten sich die Kleinen. Mit drei Wochen wurden die Ferkel zugefüttert. Die Sau wurde dann für kurze Zeit (1/2 Std.) aus dem Stall gelassen. Man stellte nun den Ferkeln ein flaches Gefäß mit gekochter Kuhmilch hin. Am besten war hierfür eine ausgediente Pfanne. Man tat höchstens eine Tasse voll herein und natürlich warm. Das erste Mal mach­ten sich die kleinen Schweinchen wohl bange davor. Aber das zweite und dritte Mal ging es schon besser. Wenn man so weit war, dass zwei oder drei anfingen zu saufen, dann hatte man es geschafft ("de Kürskes sint ant supen"). So allmählich kamen auch die anderen heran, bis zuletzt die Pfanne ("Pann") zu klein war. Man musste auch nebenbei viel Geduld aufbringen. Jetzt bekamen die Fer­kel ihre Milch in einem Trog ("Kürskensümpken"). Es war ein hölzernes eiche­nes Gefäß in der Länge von 1 1/2 m, 25 cm breit und 15 cm tief. Es wurde vom Zimmermann angefertigt. Vor allen Dingen musste es dicht sein. Wenn es länge­re Zeit nicht gebraucht worden war, so füllten wir es ein paar Tage voll Wasser oder legten den Trog in einen Graben mit fließendem Wasser, dann dehnte das Holz sich wieder aus, und der Trog war dicht und sauber. Allmählich konnte man auch der Milch wohl etwas zugeben an Kraft­futter. Man kochte Weizenschrot, Gerstenschrot, Maisschrot, und auch wohl Roggenschrot  zu einem dicken Brei ("Papp"). Von diesem Papp wurde nun je­desmal ein Teil zu der Milch gegeben und mit der Hand gut durchgerührt. Man musste nur immer sorgen, dass das Futter warm war, besonders im Winter. Später konnte man auch die Vollmilch durch magere Milch ersetzen. Über Tag gab man wohl eine Schaufel Sand in den Stall  oder man hackte ein paar Grasplag­gen ab. Das war für die Ferkel eine willkommene Gabe, denn das Schwein sitzt gern mit der Schnauze im Dreck. Wenn nun die Ferkel Futter zubekamen, so gab es auch selbstverständlich mehr Mist im Stall, daher musste jeden Tag der Mist herausgemacht werden und wieder frisch eingestreut werden.

Die ersten Wochen waren die schlimmsten. Mit 6-7 Wochen wogen die Ferkel 25-30 Pfund und waren zum Verkauf reif. Die Händler kamen aber dazumal nicht ins Haus. Wir mussten mit den Schweinen zum Markt nach Ahaus ("Schwienemarkt"). Zunächst behielt man für Mast und Zucht Schweine für sich, und die anderen wurden verkauft. Es ist auch schon wohl vorgekom­men, dass wir die Ferkel wegen schlechten Handels nicht loswurden, und so­mit mussten wir sie wieder mitnehmen nach Haus. Dann wurden sie meistens als Läuferschweine ("Löpes") behalten.

Am Schweinestall war auch ein Auslauf für die Schweine, aber keine Weide. Hierin konnten wir auch den Schweinen alles Grün hereinwerfen, alles was an Abfall aus dem Garten kam, auch Unkraut. Im Herbst, wenn die Runkeln soweit   waren, dann wurde geblättert ("bladen"). Es wurden nur die äußersten Blätter genommen. Diese Arbeit war meistens Sache der Kinder. Am Abend holte der Vater mit der Karre die Runkelblätter nach Hause. Über Tag wurde dann laufend von diesen Blättern vorgeworfen, und sie waren ganz toll danach.

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