EU-Projekt: Ackerbau der 3. Klasse

Ein Beitrag von Andrea Schlesinger (Rudolf-Steiner Schule Nienstedten)

WRITER PROJECT
WRITING READING INCLUSION:
TOWARDS EUROPEAN REINASSANCE
517930-LLP-1-2011-1-IT-GRUNDTVIG-GMP
Rudolf-Steiner School, Hambourg

WP6: Pilot Course: Creative Reading and Writing in Primary School

Am Beispiel der Ackerbauepoche 3. Klasse

 

Einbindung in den Kontext des EU-Projektes:

Mit der Durchführung dieses Projektes wurde im Sinne des Europäischen Bildungsgedanken an folgenden längerfristigen Lernzielen mit den Schülern gearbeitet:

  • Förderung der Kreativität
  • Kritische Auseinandersetzung mit Themen
  • Finden von Problemlösungsstrategien
  • Lernen der Einschätzung von Risiken und Gefahren
  • Üben von Entscheidungsprozessen
  • Entwicklung kreativer Fähigkeiten durch verschiedene künstlerische und intellektuelle Techniken
  • Entwicklung von Initiative und Führungsqualitäten
  • Erlernen eines Zeitmanagements
  • Wertschätzung von persönlichen, kulturellen und sozialen Unterschieden
  • Förderung von Unabhängigkeit und Selbstvertrauen des Einzelnen
  • Ressourcenorientiertes Arbeiten
  • Stärkung der Schüleraktivität durch Kreativität und Wertschätzung
  • Stärkung der Zusammenarbeit und Gruppenbildung

 

Auf diese Weise haben wir versucht, uns dem europäischen Bildungsgedanken unter Nutzung der besten Methoden bezüglich der Entwicklung von Kreativität und Führungsqualitäten durch die Erprobung neuer didaktischer Ansätze und Methoden zu nähern.

 

Projektbeschreibung

Thematisch eingebettet in den Rahmen der 3. Klasse wurde nach einem Projekt gesucht, das für alle Kinder genügend Schreibanlässe liefern kann, um mit hoher Motivation die Erstellung eines eigenen kleinen Buches in Angriff zu nehmen. Dabei ging es auch darum, dem natürlichen Bedürfnis nach Miterleben der Natur, welches diesem Lebensalter noch gegeben ist, Rechnung zu tragen. Die Kinder dieser Altersstufe sind noch ganz in den Naturkreislauf eingebettet und nehmen innerlich am Jahreslauf teil. Dies kann im Feiern von gemeinsamen Jahreszeitenfesten oder auch durch Erfahrungen, die man draußen in Natur macht, seinen Ausdruck finden. Außerdem wurden möglichst viele allgemeinbildende Aspekte, welche die Epoche in einen sinnhaften Zusammenhang stellen, berücksichtigt. Auf diese Weise reiht sich der Workshop Ackerbau wunderbar in den Fächerreigen ein und entspricht dem Entwicklungsstand einer 3. Klasse.

Ziel: In diesem Workshop soll es für die Kinder weniger darum gehen, eine perfekte Dokumentation des Ackerbaus in einem Epochenbuch zu erstellen, sondern vielmehr darum zu erleben, dass Schreiben einen sinnvollen, auch außerschulischen Zweck erfüllt und somit abgekoppelt von einem Erwartungshorizont geschieht.

Im Vordergrund stehen dabei zunächst das eigene Tun und danach das Entstehen von kleinen, selbst geschriebenen Texten, die durch verschiedene Arbeitstechniken und Gruppenzusammensetzungen ganz aus der Phantasie, beziehungsweise aus dem zuvor Erlebten der Kinder, den Erzählungen des Lehrers und dem Bedürfnis, etwas Sinnvolles zu schaffen, entstehen sollen.

Entwicklungshintergrund: Das Kind darf das Keimen und Reifen des Korns erleben. Im Säen und Ernten liegt der Atmungsprozess des Gebens und Nehmens der Natur auf der Hand. Dies ist also ein Urbild einer funktionierenden menschlichen Gemeinschaft. Die Kinder erleben die Arbeit als Chance, sich selbst und die Welt zu verändern und ein selbst Schaffender zu sein. Es kann an diesem Thema ein Erwachen in die Welt erfolgen. Das Kind wird merken, dass es Bedingungen gibt, die es zu berücksichtigen gilt und dass man gezwungen ist, seinen Arbeitsrhythmus dem der Natur anzupassen. Damit werden auch die großen Sinnfragen der Menschen berührt.

Durchführung: Dieser Workshop findet in zwei Teilen statt, einem ersten Teil im Herbst/Frühjahr, wenn die Erde für die Saat vorbereitet werden kann und einem zweiten Teil, der zur Erntezeit des Korns liegt. Dabei werden zwei Hauptgesichtspunkte berücksichtigt:

Zum einen findet er über ein Thema statt, das den Kindern große Urbilder des Lebens vermittelt, und zum anderen werden dadurch Schreibanlässe geschaffen, die sich fernab von verschulten künstlichen Themensuchen befinden. Dies ist eine Mischung, die den Kindern einen positiven Erfahrungsschatz mit dem Thema Schreiben vermitteln soll.

Es folgen nun im Einzelnen die Schritte der verschiedenen Unterrichtstage. Insgesamt wurden 13 Unterrichtseinheiten a 90 Minuten gegeben. 4 Tage fanden mit praktischer Arbeit auf dem Bauernhof statt und umfassten jeweils einen ganzen Vormittag.

 

Gliederung der Tage:

1.  Tag: Aus alten Zeiten, Das Leben auf einem Bauernhof
2.  Tag: Vorbereitung des Säens
3.  Tag: Pflügen, Eggen, Säen auf dem Hof
4.  Tag: Entstehung des Kornes
5.  Tag: Die Helfer der kleinen Plänzchens
6.  Tag: Herstellung eines Bilder-Text-Memorys
7.  Tag: Spieltag mit dem Memory
8.  Tag: Der Jahreszeitenlauf
9.  Tag: Unkrautzupfen, Löwenzahnernte, Präparate anrühren
10.Tag: Sprüche rund um die Arbeit auf dem Feld
11.Tag: Die verschiedenen Getreidearten
12.Tag: Die Pflänzchen wachsen
13.Tag: Kornernte auf dem Hof
14.Tag: Die Ernte
15.Tag: Dreschen des Korns
16.Tag: Brotbacken
17.Tag: Erntefest auf dem Hof

 

1. Tag - Thema:

Das Leben auf dem Bauernhof, Erzählungen aus alten Zeiten

Unterrichtsziel: Kenntnis des Lebens früherer Zeiten auf dem Bauernhof, Schreiben einer kleinen eigenen Geschichte in Gruppenarbeit.

Durchführung: Der Lehrer erzählt den Kindern von dem Leben auf dem Bauernhof in alten Zeiten aus der Sicht einer alten Bäuerin/ eines alten Bauern, in denen das Miterleben der Natur noch eine wichtige Rolle spielte. Alle Arbeiten mussten sich nach der Natur richten. Dabei geht es um die Menschen, die dort auf dem Hof leben, um die Tiere, die in den Ställen stehen und auch um die Feldarbeit und deren Früchte, die für Mensch und Tier notwendig sind. Beim Erzählen soll darauf geachtet werden, dass man große Urbilder vor die Kinder hinstellt, die mit viel eigener Phantasie ausgeschmückt werden können.

Schnell wird sich herausstellen, dass die Kinder zum Teil schon Einiges wissen und selbst zur Erzählung beitragen können. Es schließt sich ein Unterrichtsgespräch an, das mit einem Arbeitsauftrag endet.

Arbeitsauftrag: Aus der Sicht des Großvaters/der Großmutter sollen die Kinder in Gruppenarbeit über die „Alten Zeiten" berichten. Was war früher anders als es heute ist?

Ergebnisse: Nach einer kleinen Beratungsphase machen sich die einzelnen Gruppen ans Werk. Es entstehen Texte, bei denen die Rechtschreibung zunächst nicht im Focus steht.

In den Texten ist eine deutliche Affinität der Kinder zu den Tieren zu bemerken. In fast allen Geschichten kommen Tiere vor. Nach ca. 30 Minuten Gruppenarbeit werden die kleinen Texte von Freiwilligen vorgelesen. Jedes der Kinder erhält zu einem späteren Zeitpunkt die Geschichte als Kopie, an der es mitgearbeitet hat, um diese zu Hause schön abzuschreiben, zu ergänzen und anschließend kreativ zu gestalten.

 

 

2. Tag - Thema:

Das Säen, Vorbereitung der morgigen Feldarbeit

Unterrichtsziel: Vorbereitung des morgigen Tages auf dem Feld, Schreiben eines Textes als Laufdiktat, Lernen eines Spruches für die Aussaat.

Durchführung: Der Lehrer erzählt nun genauer, wie der Bauer im Frühjahr, beziehungsweise für das Wintergetreide im Herbst, den Boden bearbeitet. Einsatz von Pflug, Walze, Egge werden dabei besprochen. Man legt Wert darauf, dass die Kinder auch die richtigen Begrifflichkeiten lernen und in einem Unterrichtsgespräch überlegt man gemeinsam, wie der Tag auf dem Feld ablaufen wird. Welche Aufgabe könnten die Kinder dabei haben? Bald ist klar, dass diese die Aufgabe der Zugmaschine und des Säers übernehmen werden. Anschließend sprechen alle gemeinsam das Gedicht, das beim morgigen Säen helfen soll, die Körner mit Schwung und im Rhythmus des Sprechens in der Erde zu verteilen. Der Text wird mit einer Bewegung begleitet, die das Werfen des Getreides imitiert.

 

Bemesst den Schritt, bemesst den Schwung,
die Erde bleibt noch lange jung.
Dort fällt ein Korn, das stirbt und ruht;
die Ruh ist süß, es hat es gut.
Eins hier, das durch die Scholle bricht,
es hat es gut, süß ist das Licht.
Und keines fällt aus dieser Welt
und jedes fällt, wie`s Gott gefällt.

C. F. Meyer

 

Arbeitsauftrag: Durch das Sprechen über den morgigen Ausflug und das bewegte Gedicht sind alle sehr aufgeregt und es gibt viel Bewegungsdrang in der Klasse. Diesen nutzt man nun, um einen kleinen, vom Lehrer gemeinsam mit den Kindern formulierten Text, als Laufdiktat ins Heft zu schreiben. Der Text wird kurz gehalten, damit alle Kinder die Chance haben, ihn bis zum Ende der Stunde ins Heft zu übertragen. Die ganz schnellen Kinder dürfen den Text auch noch mit eigenen Sätzen ergänzen.

Dieser Text könnte zum Beispiel folgenden Wortlaut haben:

Die Vorbereitung des Säens

Wenn der Herbst gekommen ist, bereitet der Bauer den Acker für die Aussaat des Korns vor. Der Pflug bricht den Ackerboden in große Schollen auf. Die Schollen werden durch die nachfolgende Walze in kleinere Stücke geteilt. Nun ist der Boden luftig und die Egge darf kommen. Ist das Saatbeet so bereitet, geht der Sämann mit gleichmäßigen Schritten über den Acker und wirft die Samenkörner aus.

Ergebnisse: Alle Kinder machen sich eifrig ans Werk, von der an der Tafel und im Klassenraum verteilt aufgehängten Textkopien, durch wiederholtes Laufen jeweils einen kleinen Teil des Textes zu lesen, sich zu merken und ihn dann ins eigene Heft zu übertragen. Manche Kinder sind sehr schnell fertig und ergänzen den Text durch eigene Sätze.

Heute wird Wert auf ein richtiges Schreiben gelegt, es kommt auf die Rechtschreibung an. Die Verbesserung erfolgt in einem ersten Schritt durch den Nachbarn, im zweiten Schritt durch die Eltern zu Hause. (Die schwachen Kinder bekommen eine Textkontrolle als Kopie.)

 

 

3. Tag - Thema:

Pflügen, Walzen, Eggen und Säen auf dem Hof

Unterrichtsziel: Das am gestrigen Tag kennengelernte Thema wird heute in die Praxis umgesetzt. Die Schüler erleben unbewusst, dass die am Vortag stattgefundene Auseinandersetzung mit dem Thema einen realen Lebensbezug hat und dies auch ein Schreibanlass ist, der außerhalb der schulischen Lernsituation einen Sinn hat.

Durchführung: Nachdem die Klasse in Begleitung einiger Eltern und Lehrer auf dem Hof angekommen ist, wird das Feld besichtigt, auf dem gearbeitet werden soll. Am Rand des Feldes stehen ein Pflug, eine Walze und eine Egge bereit. Der Bauer und der Gartenbaulehrer erklären den Kindern die einzelnen Arbeitsschritte, die nötig sind, um die Erde für die Aufnahme der Saat vorzubereiten.Etwa 20 Kinder werden nun als Zugkraft vor den Pflug gespannt, d.h. sie fassen an einem langen, doppelten Seil an und ziehen den Pflug über den Acker. Der Bauer führt den Pflug und achtet darauf, dass er nur so tief in die Erde geht, wie es dem Boden gut tut. Nach jeder gepflügten Reihe wechselt die Besatzung der Zugkraft, damit sich die „Pferdchen" dazwischen wieder erholen können. Es werden etwa 8 Reihen gepflügt. Die Pferdchen sind meist sehr wild und haben viel Kraft, so dass sie der Bauer immer wieder bremsen muss. Danach werden die Erdschollen mit der Walze zerdrückt. Nun ist die Erde bereit, durch die Egge die Furchen für die Aussaat zu erhalten. Ist die Arbeit getan, haben sich die Pferdchen müde gearbeitet.

Nach einer kleinen Frühstückspause sprechen alle Kinder zusammen noch einmal den Spruch, der für die Aussaat benötigt wird:

Bemesst den Schritt, bemesst den Schwung,
die Erde bleibt noch lange jung ...

Danach wird das Feld in zwei Abschnitte geteilt. In der einen Hälfte wird nun mit Schwung die Saat auf den Boden gestreut, während dazu alle im Chor laut den Säerspruch sprechen und durch die Furchen stapfen. Auf der anderen Hälfte des Feldes legen die Kinder die Körnlein in feinen Rillen in den Boden und decken das Saatgut danach mit Erde zu. Jetzt ist die Arbeit getan und der Heimweg kann beginnen.

Arbeitsauftrag: Es gibt keine schriftliche Hausaufgabe. Das Bild, dass der Mensch der Erde die Körner schenkt, aus denen jetzt etwas Neues wachsen kann, soll durch die freie Zeit am Nachmittag und durch die Nacht nachwirken. Wer die Gelegenheit hat, kann beim gemeinsamen Abendessen seinen Eltern von den Erlebnissen auf dem Bauernhof berichten.

Ergebnis: Alle kehren mit neuen Eindrücken nach Hause zurück. Die meisten Kinder sind von der körperlichen Anstrengung müde geworden. Dennoch berichten die Eltern später, dass die Kinder viel von den Eindrücken auf dem Feld erzählt haben und sehr zufrieden waren.

 

 

4. Tag - Thema:

Rückblick

auf den gestrigen Tag auf dem Feld, Vorblick auf die „Helfer des Korns", die dem in der Erde liegenden Korn zum Wachsen verhelfen.

Unterrichtsziel: Schriftliche Vertiefung der Erlebnisse des Vortags, Kenntnis der Faktoren, die zum Wachsen des Korns nötig sind.

Durchführung: Der Lehrer blickt auf den gestrigen Tag mit der Klasse zurück. Dabei beschreibt er noch einmal den groben Ablauf der Arbeit und spricht von dem Geschenk, das der Erde gemacht wurde, indem die Kinder ihr die Samenkörner eingepflanzt haben. Nachdem dieses Bild noch einmal entstanden ist, tragen die Kinder nun auch zum Thema bei und erzählen von ihren gestrigen Erlebnissen. Was war besonders schön? Was hat viel Kraft gekostet? An welcher Stelle fühlte man sich der Erde ganz nah?

Es entsteht ein lebhaftes Gespräch und hin und wieder auch etwas Besinnlichkeit, wenn der Lehrer das Unterrichtsgespräch durch eine erneute Frage lenkt. Am Ende des Austauschs ist jedem Kind bewusst geworden, welch besondere Gabe das Versenken des Kornes im Boden für die Erde, die Tiere und die Menschen bedeutet.

Arbeitsauftrag: Nun ist das Thema gut vorbereitet und die Kinder machen sich voller Eifer an die Arbeit, ihr persönliches Erlebnis aufzuschreiben. Es wird dabei freigestellt, alleine oder zu zweit den kleinen Text zu schreiben.
Mit den wenigen Kindern, die noch keinen eigenen Text schreiben können und die keinen „schreibenden" Partner haben, setzt sich der Lehrer zusammen und schreibt den gemeinsam überlegten Text vor. So kann jedes Kind als Hausaufgabe seinen Text in das Epochenbuch übertragen.

Ergebnis: Der mit den Kindern erstellte Text könnte folgendermaßen lauten:

Gestern auf dem Bauernhof hatten wir alle viel Spaß.
Mit großen Schritten stapften wir über das Feld und zogen den Pflug, die Walze und die Egge über den schweren Boden. Manche von uns strengten sich so sehr an, dass sie einen roten Kopf bekamen und sehr schwitzten.
Besonders gemütlich war die Pause am Feldrand. Wir aßen unser Brot und spielten miteinander. Das Säen war schwieriger als wir gedacht hatten, denn die Körner mussten sehr gleichmäßig geworfen oder verteilt werden. Als wir wieder zu Hause waren, freuten wir uns alle auf ein leckeres Mittagessen, denn wir hatten riesigen Hunger.

Sind alle Kinder mit dem Schreiben fertig, erzählt der Lehrer nun von den Helfern des Korns. Sonne, Mond, Regen, Schnee, Frost, Wärme, Wind und Luft, die beim Wachsen und Gedeihen helfen. Dabei spricht er in einer respektvollen Haltung der Natur gegenüber. Auch kann dabei Bezug genommen werden auf die Schöpfungsgeschichte, die die Kinder bereits zu Beginn des Schuljahres gehört haben.

 

 

5. Tag - Thema:

Die Helfer des kleinen Pflänzchens

Unterrichtsziel: Starke Erlebnisse vermitteln über die Kräfte der Natur. Wie wirken Naturgewalten hilfreich und zerstörend?

Durchführung: Der Lehrer knüpft an seine Erzählung von gestern an und stellt die Naturkräfte in einem aussagekräftigen Bild vor die Kinder hin. Dabei können durchaus auch die zerstörerischen Naturgewalten besprochen werden und im Hinblick auf Umwelterziehung und Ökologie geschaut werden. Was kann z. B. ein Sturm anrichten, wenn es sehr große, leicht zu bewirtschaftende Felder gibt und keine Hecken und Haine, die die Luftbewegung bremsen können? Auch begradigte Flussläufe in Bezug auf Überschwemmungsgefahr können angesprochen werden. Immer ist es wichtig, nicht über die Köpfe der Kinder hinweg zu erzählen, sondern abzuspüren, was das Kinderbedürfnis ist und was die Kinder selbst zum Unterrichtsgespräch beitragen können und wollen. Der zu vermittelnde Stoff sollte immer am Leben einer Person deutlich werden. Das Stärken der empathischen Fähigkeiten steht dabei genauso im Vordergrund wie die Vermittlung der Stoffes und das Schaffen von Schreibanlässen aus dem täglichen Leben heraus.
Die Naturkräfte werden zum Abschluss noch einmal benannt und gemeinsam an der Tafel zusammengetragen.

Arbeitsauftrag: Die Tafel wird nun in Kästchen eingeteilt, so wie dies die Kinder in ihrem Heft auch machen sollen und anschließend die einzelnen Helfer des Korns mit kleinen Zeichnungen in die Kästchen gemalt. Danach schreiben die Kinder auf der gegenüberliegenden Seite bei gleicher Aufteilung in die nun noch leeren Kästchen einen Satz zu dem entsprechenden Helfer.

Ergebnis: Die selbst erstellten Texte könnten etwa folgendermaßen lauten:

Sonne ............lässt die Pflanzen viel Licht trinken
Mond..............sendet sein sanftes Licht zum Schlaf und ist die Uhr am Himmel
Regen ............hilft den Pflänzchen zu wachsen
Schnee............deckt den Boden und die Pflänzchen zu, damit sie es im Winter warm haben
Frost................hilft der Natur, gut zu schlafen
Wärme.......... macht die Erde warm, damit die kleinen Pflänzchen wachsen können
Erde.................schützt und trägt das Korn, Wohnung der Wurzeln
Luft..................hilft bei der Bildung der Blätter, Blüten und Früchte

 

Diese Liste kann je nach Phantasie und Leistungsfähigkeit einer Klasse noch ergänzt werden.
Hausaufgabe ist es, diese beiden Seiten fertig zu stellen und sich zu überlegen, welche Tiere dem Korn nun noch helfen, damit es stark und gut wachsen kann.
Gibt es sonst noch eine Kraft, die zum Gelingen des Wachstums beiträgt?

 

 

6. Tag - Thema:

Tierische Helfer des Ackerbaus, Aufgabe des Menschen

Unterrichtsziel: Herstellung eines Bilder-Text-Memorys

Durchführung: In einem weiteren Schritt werden nun mit den Kindern die Tiere besprochen, die dabei helfen können, den Ackerboden für das Korn zu bereiten. Das Pferd, das einst durch seine Zugkraft dem Bauern half den Pflug und die Egge zu bewegen und heute zumeist durch Maschinen, in unserem Falle durch die Zugkraft der Kinder ersetzt wurde, wird besprochen. Danach geht es um die Kühe, die die Kinder bei der Besichtigung des Hofes im Stall und auf der Weide bereits gesehen haben. Diese tragen durch ihren Mist zu einem fruchtbaren Ackerboden bei. Danach wird auch auf den Regenwurm eingegangen, der dabei hilft, den Boden locker und luftig zu machen.
Zuletzt wird auf den Menschen gesehen. Was ist die besondere Aufgabe des Menschen, die nur er leisten kann? Mit seinem Fleiß und seinem Wissen um die Zusammenhänge der Natur kann nur der Mensch zum Gelingen des Ackerbaus beitragen. Die Arbeit auf dem Feld half den Menschen früherer Zeiten sesshaft zu werden und machte ihn friedvoll und stark.

Arbeitsauftrag: Nachdem die sich gegenüberstehenden Bilder und Begriffe durch die besprochenen Tiere und den Menschen an der Tafel noch ergänzt wurden,

Pferd das................hilft durch seine Kraft, den Pflug zu ziehen
Kuh die.................Kuh gibt fruchtbaren Mist für den Boden
Regenwurm der................macht den Boden luftig und locker
Mensch der................hilft durch seinen Fleiß und seine Mühe

sucht sich jedes Kind fünf Helfer des Korns aus. Der Lehrer hat pro Kind 10 Kärtchen aus stärkerer Pappe vorbereitet und teilt diese nun aus. Die Kinder gestalten jeweils zwei Kärtchen mit dem gleichen Motiv, einmal als Bild und einmal als Text.

z.B. Sonne (malen) - .........lässt die Pflanzen viel Licht trinken (schreiben)
Mensch (malen) - .........hilft durch seinen Fleiß und sein Wissen (schreiben)

Ergebnis: Jedes Kind gestaltet insgesamt 10 Kärtchen. Manche Motive kommen häufiger vor als andere. Das macht aber nichts. Die Kärtchen, die in der Schule nicht geschafft wurden, werden zu Hause fertig gemalt oder geschrieben. Es sollen die Kärtchen möglichst schön geschrieben, bzw. gemalt werden.

 

 

7. Tag - Thema:

Memory-Spieltag

Unterrichtsziel: Dieser Tag ist ein reiner Spieltag. Es kommen nun die selbst hergestellten Kärtchen zum Einsatz.

Durchführung: Die Kinder organisieren sich in 6er-Gruppen und bringen ihre eigenen Karten mit an den Tisch. Jedes Kind zeigt an seinem Gruppentisch den anderen seine Kärtchen und liest den entsprechenden Text vor. Danach wird in mehreren Spielvarianten Memory gespielt.

Arbeitsauftrag:
1. Alle Karten liegen verdeckt auf dem Tisch und die Kinder decken abwechselnd auf, bis die Pärchen alle gefunden sind. Wer die meisten Pärchen gefunden hat, hat das Spiel gewonnen.
2. Es werden nur die Bilderkarten verdeckt hingelegt. Hat man ein Bild aufgedeckt, muss man sich erinnern, welchen Text das andere Kind oder man selbst dazu geschrieben hat. Weiß man es, bekommt man das Pärchen. Wer die meisten Pärchen gewusst hat, hat das Spiel gewonnen.
3. Die Kinder tauschen nun die Gruppentische ohne ihre Karten mitzunehmen. Nun spielen sie das Memory mit den vorher nicht angesehenen Karten einer anderen Gruppe. Findet man trotzdem die Pärchen?
4. Die Memorykarten werden nun so sortiert, dass man jeweils zwei gleiche Motive in einer Gruppe hat. Nun werden alle Bildkarten entfernt und nur mit den Textkarten gespielt. Es gilt nun, trotz unterschiedlicher Texte den gleichen beschriebenen Begriff unter den Kärtchen zu finden und wieder zu Pärchen zu sortieren. Dies ist die schwierigste Variante, da nun immer gelesen werden muss.

Ergebnis: Die Kinder kommen auf weitere Ideen, wie man mit den Karten spielen kann. Eine Erfahrung zeigt, dass im Verlauf der Stunde einige Kinder gerne auch mit den Karten bauen.
Durch das Memory-Spiel gibt es für die Kinder einen spielerischen Leseanreiz.
Die Spielkarten verbleiben für weitere Einsätze im Klassenraum und werden dort gelagert.

 

8. Tag - Thema:

Der Jahreszeitenlauf

Die Sonne im Jahreslauf

Unterrichtsziel: Kennenlernen des Jahreslaufes in Bezug auf die Arbeiten auf dem Feld und das Leben auf dem Bauernhof

Durchführung: Der Lehrer berichtet vom Sonnenlauf und wie sich dieser im Laufe des Jahres verändert. Daraus entsteht das Bild der Jahreszeiten.
Folgendes Gedicht kann mit den Kindern gesprochen und gelernt werden:

 

Januar Eismann - Schnee bis zum Dach hinan.
Februar helle - kommt an die Schwelle.
Über Land, über Auen - März geht mit Tauen.
April hat gemolken - die Kuh in den Wolken.
Mai da schallt - Kuckuck im Wald.
Juni flicht Kränze - bereit für die Tänze.
Juli, da locken - auf Almen die Glocken.
August bringt die Ähren - die uns ernähren.
September reift Obst - Pfarrer und Probst.
Jetzt im Oktober - greif in deinen Schober.
November kehr aus - Wind um das Haus.
Dezember - Advent: Lichtlein brennt.

Nun beschreibt man am Beispiel einer Bauersfamilie, welche Aufgaben in den verschiedenen Zeiten des Jahres erledigt werden müssen. Wann ist die Zeit, die Schafe zu scheren, wann werden die Kälbchen geboren, wann kocht man das Obst ein? Alles hat gute Gründe. Es geht vor allen Dingen darum, die Kinder fühlen zu lassen, dass die Abläufe in einem durch die Natur vorgegebenen und einen durch sich selbst sinnvollen Zusammenhang stehen und nicht die menschliche Willkür dies alles „bestimmt". Es werden die Jahreszeitenfeste, wie Weihnachten, Ostern, Johanni, Erntedank geschildert und wie man diese auf dem Bauernhof feiert. Als Erzählhilfe kann man sich bei Astrid Lindgren anregen lassen, sicherlich gepaart man etwas zeitgenössischem Couleur, damit man auch alle Kinder in ihrem Vorstellungsmöglichkeiten anspricht.

Arbeitsauftrag:
Der Lehrer gestaltet in einem großen Tafelbild die Jahreszeiten. Es wird eine 4er-Einteilung vorgenommen, z.B. Kreis oder Quadrat, den/das man dem Jahreszeitenlauf entsprechend gestaltet. Außen am Rand bleibt noch genügend Raum, so dass man die wichtigsten Ereignisse des Bauernhoflebens dort ergänzen kann.
Die Kinder zeichnen dieses Bild ebenfalls in ihr Heft und im zweiten Teil der Stunde überlegen noch einmal alle gemeinsam, welche Begriffe dort am Rand stehen könnten:

Frühling: Felder bereiten, Ostern, säen..........
Sommer: Früchte und Gemüse ernten, Johannifest..........
Herbst: Felder pflügen, Erntedankfest...................
Winter: Arbeiten im Haus und in der Scheune, Weihnachten...................

Ergebnis: Im Heft ist nun ein großes Jahreszeitenbild entstanden, das von Begriffen rund um das Leben auf dem Bauernhof eingerahmt wird. Die Begriffe werden als Hausaufgabe dort eingetragen. Das Jahreszeitengedicht wird die Kinder auch die nächsten Tage begleiten, bis sie es ganz auswendig können.

 

 

9. Tag - Thema:

Unkrautzupfen, Löwenzahnernte, Präparate anrühren

Unterrichtsziel: Pflegerische Arbeiten auf dem Feld kennenlernen, durch das Herstellen von Präparaten erfahren, wie man Böden nachhaltig beleben kann.

Durchführung: Nachdem die Klasse in Begleitung einiger Eltern und der Lehrer auf dem Hof angekommen ist, wird das Feld besichtigt, auf dem das Getreide vor einigen Wochen gesät wurde. (Diese Düngerzusatzpräparate werden punktuell in den normalen Bodendung eingebracht. Die stärkere Belebung der Böden durch präparierten Dünger wird an einigen Merkmalen messbar, z.B. gibt es durch die Präparate geringere Lagerungsverluste, reduzierte Nitratgehalte sowie höhere Zucker- und Vitamingehalte.)

Arbeitsauftrag: Unkrautzupfen im Kartoffelbeet, Löwenzahnernte und Präparate rühren, außerdem wird das eigene Getreidefeld besichtigt.

Ergebnis: Die Kinder haben pflegerische Arbeiten auf dem Feld und die Herstellung von einem Düngerzusatz kennen gelernt.

 

 

10.Tag - Thema:

Ein Gedicht für die Werkzeuge, die auf dem Feld zum Einsatz kamen

Unterrichtsziel: Festigung der bisherigen Erlebnisse durch eine weitere Vertiefung des Unterrichtsstoffes in einer poetischen Sprache

Durchführung: Nach einer Wiederholung des gestrigen Tages, in der das Erlebte und neu Erfahrene in einem gemeinsamen Gespräch zusammengefasst wurde, stellen sich alle Kinder in einem Kreis zusammen und lernen nachahmend, möglichst auch von sinnhaften Bewegungen begleitet, nun Sprüche rund um die Arbeit auf dem Feld. Jeder Spruch wird mehrfach gesprochen und ausgeführt, bis die Kinder beim Sprechen schon recht sicher geworden sind.
Beispiel eines Gedichtes, weitere sind leicht selbst zu finden:

 

Werkzeuge

Hacke, Schaufel, Rechen, Spaten
lasst euch rufen zu den Taten!
An der Erde froh zu werken,
Menschenkräfte zu verstärken.

Starker Spaten greif ins Volle
- eine Eisenhand -
wendet Stück für Stück die Scholle,
glänzend liegt das Land.

Fest wie Fäuste hauen Hacken,
Brocken zu zerkleinern,
denn die Klumpen, festgebacken,
müssen sich verfeinern.

Mit den vielen Fingerspitzen,
Rechen, mein Gerät,
sollst Du braune Erde ritzen,
locker wird mein Beet.

Wird zum Bettchen, wird zur Wiege -
Sag, für wen, mein Kind?
„Dass das Samenkörnchen liege
weich und warm und lind!"

 

Arbeitsauftrag: Die Kinder erhalten das „bewegte" Gedicht nun als Textkopie, die sie in ihr Heft einkleben sollen. Neben jedem Vers ist so viel Platz, dass dazu etwas gemalt werden kann. Im Arbeitsteil illustrieren die Kinder nun das Gedicht, der Rest wird zu Hause gestaltet. Außerdem üben sie in kleinen Gruppen, das Gedicht zu lesen. Am morgigen Tag sollen dann alle Kinder einen Teil des Textes oder auch den ganzen Text flüssig vorlesen können.

Ergebnis: Durch das laute, nachahmende Sprechen der Gedichte und die begleitenden Bewegungen konnten die Kinder Sprache noch einmal durch den Bewegungspol sehr physisch erfahren. Das hilft gerade konzentrationsschwachen Kindern. Außerdem trägt die künstlerische Beschäftigung mit den Texten dazu bei, diese schnell zu lernen und im Körpergedächtnis abzuspeichern. Der Leseanreiz, der auch für schwache Kinder nicht zu hoch gegriffen ist, senkt die Schwelle, sich selbständig mit dem Lesen beschäftigen zu können und zu wollen.

 

 

11. Tag - Thema:

Die vier wichtigsten Getreidesorten im Zusammenhang mit den Temperamenten

 

Unterrichtsziel: Kennenlernen der Getreidearten, wichtige Charakteristiken und Unterschiede auch in Bezug auf die Temperamentslehre

Durchführung: Nachdem die Kinder nun aus den geübten Gedichtstexten des Vortags vorgelesen haben, geht die Stunde mit einem neuen Thema weiter. In einer Geschichte „Von einem Bauern und seinen vier Knechten" charakterisiert der Lehrer möglichst unterschiedliche Eigenschaften der Knechte nach der klassischen Temperamentslehre, die dem Wesen der einzelnen Getreidearten entsprechen sollen. Dies könnte so geschehen:

 

1. Knecht: Hanserl -Hafer (Sanguiniker) - Bild 4
Lustiger Geselle, gerne draußen an der frischen Luft und der Sonne, Sommersprossen, rote Haare, tut alle Arbeit gerne, wenn sie nicht zu lange dauert, nie kann man ihn finden, er weiß aber von allem ein wenig, springt gerne, klettert gerne, mit ihm wird es nie langweilig.
In der erzählten Geschichte bringt der Knecht die Arbeitsaufträge nicht zu Ende, so auch den vom Bauern erhaltenen Auftrag, auf dem Feld nachzusehen, ob der Hafer erntereif ist. Als der Bauer ihn nach längerem Suchen findet, sagt er zu ihm: „Hanserl, dich hat wohl der Hafer gestochen. Du bist gerade solch ein Gesell wie der Hafer!" (Nun wird der Hafer mit seinen lustig schaukelnden Körnchen charakterisiert, die an langen Rispen sitzen und gerade einen solchen Eindruck machen wie Hanserl, der von den Eindrücken um ihn herum hin und her getrieben wird.)

 

2. Knecht: Werner - Weizen (Choleriker) - Bild 1
Roter Kopf, liebt die Sonne, kleine, gedrungene Gestalt, tritt fest auf, man hört, wenn er kommt, er hackt gerne Holz und macht Arbeiten, die Kraft benötigen, denn er ist stark und aufbrausend.
In der erzählten Geschichte hat Werner Streit mit dem Bauern, dieser stellt ihn zum Stallausmisten ab. Als am Mittag alle anderen vom Feld kommen, hat Werner den Stall ausgemistet, den Hof gefegt, das Holz gehackt und das Stroh neu gestapelt. Der Bauer sagt: „ Werner, du bist gerade so stark wie er Weizen, auch liebst du wie der Weizen die Sonne, hast kräftig rote Backen........... Du sollst heute dein Lieblingsgericht haben - Weizengrütze!"

 

3. Knecht: Roger - Roggen (Melancholiker) - Bild 2
Eine ebensolche Geschichte denkt man sich für den langen, dünnen, oftmals traurigen Roger aus, dem immer so schreckliche Dinge passieren, wie z.B. dass er auf dem Feld seinen Schlüssel verliert....etc.
Er mag besonders gerne Roggenbrot

 

4. Knecht: Georg - Gerste (Phlegmatiker) - Bild 3
Auch für den 4. Knecht und die 4. Getreideart, die Gerste, entsteht eine solch charakteristische Geschichte, z.B. könnte er auf dem Heuboden einen ganzen Tag verschlafen.

 

Arbeitsauftrag: Jedes Kind sucht sich nun einen der Knechte aus und schreibt eine kleine Geschichte, entweder nacherzählend nach der Anregung des Lehrers oder es denkt sich aus, wie ein anderer Tag im Leben des gewählten Knechtes verlaufen sein könnte. Dabei wird der Schwerpunkt heute auf das lebendige Schreiben gelegt, die Rechtschreibung wird durch den Lehrer verbessert. Es entsteht eine muntere, angeregte Arbeitsstimmung. Viele Kinder haben eigene, originelle und lustige Ideen, die sie zu Papier bringen.

Ergebnis: Es sind längere oder kürzere eigene Texte entstanden, die die Kinder dem Lehrer zur Korrektur abgeben. Als Hausaufgabe malen sie ein Bild der vier Knechte, auf dem die charakteristischen Unterschiede der Gesellen deutlich zu sehen sein sollen.

In einer späteren Übstunde an diesem Tag, trägt jedes Kind seinen nun durch den Lehrer korrigierten Text in sein Epochenbuch ein.

 

 

12. Tag - Thema:

Die Pflänzchen wachsen

Unterrichtsziel: Kennenlernen des Wachstumsprozesses von Wintergetreide, Erlernen eines Gedichtes zum Thema „Es wächst".

Durchführung: Heute beginnen wir mit dem Erlernen eines Gedichtes. Dabei versucht man möglichst poetische Bewegungen zu finden, die den Prozess des Wachsens auch durch die Geste den Kindern schon deutlich machen. Welches Wunder geschieht, wenn die Erde nach dem langen Winterschlaf erwacht und die neuen Halme und Blätter daraus hervorsprießen.

 

Nun beginnt`s zu wachsen
niemand kann es seh`n.
Jeden Morgen spring ich,
Neues zu erspäh´n.

Viele Blätter, Hälmlein
schlüpfen aus den Wiegen,
wo noch tief im Schlafe
Knospenköpfchen liegen.

Und der helle Morgen
schenkt ein Silbertröpfchen
in die blanken Hände
für die Knospenköpfchen.

Mutter Sonne streichelt
jedes Blättchen mild.
und auf allen Feldern
wächst es sprosst und quillt.

 

Wenn das Gedicht mehrmals gesprochen und mit begleitenden Bewegungen dargestellt wurde, folgt das Unterrichtsgespräch über den Wachstumsprozess des Wintergetreides.

Text:

Die Pflänzchen wachsen

Im Spätherbst wurde das Wintergetreide gesät und ist aufgegangen, anschließend wurde es von den Winterkräften gebremst. Frost und Eis setzten den Keimlingen zu und nur die stärksten davon überlebten.
Kommt nun der Frühling und die Sonne hat wieder größere Kraft, wachsen die stärksten Halme weiter. Wenn das Korn geblüht hat, hilft die Sonne mit ganzer Kraft, die Ähren langsam reifen zu lassen. Nun sind die Felder eine große Vorratskammer für Mensch und Tier.

Dieser Inhalt kann vom Lehrer erzählt oder auch in einem gemeinsamen Unterrichtsgespräch erarbeitet werden.

 

Arbeitsauftrag: Der Lehrer schreibt den Text: „Die Pflänzchen wachsen" an die Tafel.
Die Kinder bekommen nun den Auftrag, jeweils nur einen Satz an einem festen Sitzplatz abzuschreiben, sich dann einen neuen Platz zu suchen und den Text fortzuführen. Aufgabe für die ganze Klasse ist es, dabei absolut leise zubleiben und sich gegenseitig bei der Sitzplatzsuche zu unterstützen. Die Aufgabe gilt erst als erledigt, wenn alle Kinder den Text in ihrem Heft stehen haben. Es wird heute Wert darauf gelegt, mehrmals die Perspektive zu wechseln und sich neu zu orientieren. Das fällt nicht allen Kindern leicht und bedeutet für die Klasse einen anspruchsvollen sozialen Übungsfaktor. Den langsamen Kindern helfen die schnelleren beim Abschreiben des restlichen Textes.

Ergebnis: Bald haben alle Kinder den Text in ihrem Heft stehen und da es durch das mehrmalige Umsetzten lebhaft geworden ist, wird zum Schluss noch einmal das Gedicht gesprochen und bewegt. Fröhlich entlässt man die Kinder in die Pause und fordert sie auf, am Nachmittag in der Natur Blüten und Früchte zu suchen. Wie unterschiedlich können diese aussehen und schmecken!

Mit diesem Epochentag endet die laufende Epoche. Alle weiteren Unterrichtseinheiten müssen sich nach dem Wachstum und Reifen des Korns richten.

 

 

13. Tag - Thema:

Die Ernte auf dem Hof

Unterrichtsziel: Kennenlernen einer Kornernte nach alter, traditioneller Methode

Durchführung: Nachdem alle Kinder und die begleitenden Erwachsenen auf dem Hof angekommen sind, wird das Feld besichtigt, auf dem das Korn nun goldgelb steht. Das Unkrautzupfen hat sich gelohnt, denn das Getreide hatte genug Freiraum zum Wachsen. Die umliegenden Äcker sind bereits abgeerntet, nur das Feld der Kinder wartet noch darauf, da man mit der Arbeit das Ende der Sommerferien abwarten musste. Nun ist der lang erwartete Tag der Ernte gekommen.

Arbeitsauftrag: Den Kindern wird vom Bauern der Umgang mit den Sicheln und Sensen erklärt und praktisch gezeigt. Danach dürfen immer 5 Kinder mit den Werkzeugen das Korn abschneiden. Anschließend werden die Ähren von allen Kindern in kleinen Bündeln zusammengebunden und vorsichtig auf einen bereit gestellten Handkarren gelegt. Das ist eine schwierige Aufgabe, da das Grasmaterial zum Binden nicht sehr lang ist und man sehr geschickt die Gräser verflechten muss. Nun dürfen 5 weitere Kinder das Korn ernten. Wieder werden die Ähren gebunden und aufgeladen. Dies geschieht so lange, bis sich alles Getreide auf dem Wagen befindet.

Ergebnis: Die wartenden Kinder untersuchen die Ähren genauer und schauen sich an, wie die Körner in den Hüllen sitzen. Auch eine Geschmacksprobe wird gemacht. Die Körner schmecken mehlig und süß. Ist die Arbeit beendet und alles aufgeladen, zieht das mittlerweile bereit stehende Pferd den Anhänger zum Hof zurück. Die Ähren werden vorsichtig in große Säcke geladen und mit zur Schule genommen. Dort werden sie zum Trocknen aufgestellt.

Als Hausaufgabe malen die Kinder ein Bild vom heutigen Erntetag.

 

 

14. Tag - Thema:

Die Ernte

Unterrichtsziel: Schriftliche Nachbereitung des am gestrigen Tag Erlebten, Reflexion des Naturkreislaufes von der Aussaat bis zur Ernte.

Durchführung: Gemeinsam wiederholt der Lehrer mit den Kindern, wie der Kreislauf des Getreides von der Aussaat bis zur Ernte bisher erlebt wurde und anschließend, was gestern auf dem Feld geschehen ist. Die Schüler sollen ganz genau beschreiben, wie die Abläufe waren. Was ist ihnen leicht oder schwer gefallen? Welche Aufgaben haben besonders viel Freude bereitet? In welcher Reihenfolge mussten die Arbeiten durchgeführt werden? Warum so und nicht anders? Den Kindern sollen wiederum die in der Natur selbst begründeten Notwendigkeiten deutlich werden.

Der Lehrer schreibt nun untereinander an die Tafel einige Stichpunkte, anhand derer sich die Kinder an die Arbeit machen sollen, um einen kleinen eigenen Text zu schreiben. Diese Stichpunkte könnten z. B. sein:

 

Fahrt zum Hof
Blick auf das Feld - Wie sehen die Ähren aus?
Sommer - stille Zeit des Reifens
Schnitt mit Sichel und Sense
Garben binden
Transport der gebundenen Ähren

 

Arbeitsauftrag: In 4 er-Gruppen schreiben die Kinder nun ihre kleinen Texte, die sie nach etwa 15 Minuten beendet haben. Es wird darauf geachtet, dass die Gruppen so zusammengesetzt sind, dass diese jeweils eine gute Mischung der Fähigkeiten der Kinder besitzen. Jeweils ein Kind aus jeder Gruppe präsentiert das Geschriebene anschließend vor der Klasse.

Ergebnis: Jedes Kind erhält eine korrigierte Kopie des Textes, an dem es mitgearbeitet hat. Diesen trägt es zu Hause in sein Epochenbuch ein. Die Überschrift dafür wird selbst gefunden. Er soll unmittelbar nach dem Erntebild stehen. So entsteht eine eigene kleine Erinnerung an diesen schönen Tag.
Zum Schluss werden die gebundenen Ähren zum Trockenen aufgestellt und es muss nun einige Tage gewartet werden, bis sie so trocken sind, dass man sie dreschen und die Körner dann mahlen kann.

 

 

15. Tag - Thema:

Das Dreschen und Mahlen des Korns

Unterrichtsziel: Kennenlernen des Dreschens und des Mahlens als Schritte der Weiterverarbeitung des Korns

Durchführung: Es wird mit den Kindern die Frage erörtert, was mit dem geernteten Getreide nun weiter geschehen soll. Seit der Ernte sind etwa 2 Wochen vergangen, in denen die gebundenen Ähren Zeit zum Trocknen hatten. Nun müssen die Körner vom Halm und den Spelzen befreit werden. Dies geschieht durch das Dreschen.
Gemeinsam wird ein rhythmisches Gedicht zum Dreschen gesprochen, das auch von schlagenden Armbewegungen, die später beim Dreschen ausgeführt werden, begleitet wird:

 

Schlag gut, triff treu,
trenn Korn und Spreu.
Schlag fest, Gott gefällt´s,
fort Hülse und Spelz!

 

Arbeitsauftrag: Sind alle gut im Rhythmus und haben kräftig mitgesprochen, gehen die Kinder in kleinen Gruppen zum Dreschen. Der Gartenbaulehrer leitet dies an. Jedes Kind erhält einen Dreschflegel, mit dem nun abwechselnd auf die am Boden ausgebreiteten Ähren geschlagen wird. Wichtig dabei ist die genaue Einhaltung des Rhythmus und der Reihenfolge der Drescher. Das Schlagen geschieht so lange, bis sich die Körner von den Spelzen getrennt haben und durch ein untergelegtes Tuch aufgefangen werden. Danach werden beim langsamen Herunterrieseln des Getreides vorsichtig die Spelzen aus dem Korn geblasen. Ist eine Gruppe fertig, geht die nächste los und drischt ebenfalls einen Teil des Getreides.

Die restlichen Kinder arbeiten jeweils in ihrem Heft in individuellem Tempo und schreiben das zuvor gesprochene Gedicht zum Dreschen als Laufdiktat ab. Danach wird die ganze Seite farbig gestaltet. Haben alle Kinder gedroschen und das Gedicht schön eingetragen, bringt der Gartenbaulehrer das geerntete Korn in einem Sack in die Klasse. Nun ist es Zeit, die mitgebrachten Handmühlen hervorzuholen und jeweils zu zweit mit dem Mahlen des Korns zu beginnen. Ist ein Kind müde, übernimmt jeweils das Partnerkind die Mühle und umgekehrt. Es wird mindestens so viel Mehl gemahlen, dass die Kinder einen Eindruck davon bekommen, welch mühevolle Aufgabe es ist, dies durch die eigene Muskelkraft zu tun. Das restliche Mehl wird im Anschluss an den Unterricht mit einer elektrischen Mühle gemahlen und am nächsten Tag zum Backen verwendet.

Ergebnis: Die Kinder haben den Vorgang des Dreschens und des Mahlens des Korns erlebt und sich auch körperlich betätigt. Das Aufschreiben des „Dreschgedichtes" hat den Kindern keine Mühe bereitet, wollten sie doch gerne in ihrem Buch festhalten, mit welchen Worten sie das Dreschen durchgeführt haben. Durch das Laufdiktat war zudem ein individuelles Arbeitstempo möglich.

 

 

16. Tag - Thema:

Brotbacken

Unterrichtsziel: Herstellung von Broten aus dem selbstangebauten Korn, Kennenlernen eines Brotrezeptes

Durchführung: Das am gestrigen Tag gemahlene Mehl ist in Schüsseln verteilt und steht auf den Tischen im Speiseraum der Schulküche. Jedes Kind erhält nun eine Schüssel und holt sich die weiteren Zutaten, die mit dem Mehl gemischt werden. Dazu gehören: Wasser, Salz, Zucker, Hefe, Öl. Alle Zutaten werden selbständig abgewogen oder abgemessen. Dies wurde den Kindern im Vorfelde gezeigt.

Arbeitsauftrag: Hat jeder seine Zutaten vollständig erhalten, kann das eigentliche Backen beginnen. Dazu werden zuerst die Hände gewaschen.
Die Hefe wird nun in lauwarmem Wasser aufgelöst und anschließend mit Mehl, Salz, Zucker und Öl zu einem glatten Teig verknetet. Dies ist sehr lustig, da der Teig an den Händen und der Schüssel kleben bleibt. Hat sich der Teig gelöst, stellt man die Schüssel 20 min. abgedeckt an einen warmen Ort. Nun wird der Backofen auf 2500C vorgeheizt. Den Teig knetet man anschließend nochmals kurz durch und formt ihn zu einem Laib, manche formen auch kleiner Brötchen oder Stangen. Der Teig soll nun solange ruhen, bis der Teig sein Volumen verdoppelt hat.
In dieser Zeit führt der Lehrer mit der Klasse ein Gespräch über das Brotbacken und die Kinder tragen das Brotrezept in ihr Epochenbuch ein.

 

Brotrezept:

500 g Mehl
350 ml Wasser
1 EL Zucker
1 TL Salz
1 Päckchen Trockenhefe

Der „aufgegangene" Laib wird nun in den vorgeheizten Backofen, bzw. in unserem Falle in den in einer anderen Epoche selbst gebauten Lehmbackofen, geschoben. Je nach gewünschtem Bräunungsgrad bleibt das Brot 40 bis 60 Minuten darinnen. Wer keinen Lehmbackofen hat, kann natürlich auch einen Elektroofen zum Brotbacken benutzen. Das Brot ist fertig, wenn es beim Klopfen auf die Unterseite hohl klingt. Da sehr viele Brote zu backen sind, werden einige freiwillige Helfer den ganzen Vormittag mit dem Brotbacken beschäftigt sein. Jedes Brot trägt die Initialen seines „Bäckers" und kann am Nachmittag mit nach Hause genommen werden. Einen Teil des Mehls wird bis zum Erntefest aufbewahrt, um dann noch einmal ein paar Brote zu backen.

Guten Appetit !

Ergebnis: Es ist ein sehr einprägsames Erlebnis, den „Weg vom Korn zum Brot" nun erlebt zu haben. Die Kinder schreiben am Nachmittag das Grundrezept für das Brot noch einmal schön ab und dürfen es einem anderen gemeinsam mit einer kleinen Geschmacksprobe des eigenen Brotes schenken. Brot gehört nach wie vor zu den täglichen Grundnahrungsmitteln des Menschen.

Gerade durch ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung, ist die Nachfrage nach traditionell gebackenem Brot und gesunden Getreidesorten in den letzten Jahren gestiegen. So stehen die Kinder mit dieser neuen Erfahrung ganz im gegenwärtigen Zeitstrom darinnen.

 

 

17. Tag - Thema:

Erntedankfest am 21. September

Zwischen der Backaktion nach der Ernte und dem Erntefest geht noch einmal etwas Zeit ins Land. Ende September ist es dann so weit:

An einem Samstag Nachmittag treffen sich Schüler, Eltern und Lehrer auf dem Bauernhof. Alle Familien haben für das Fest etwas gebacken, gekocht oder vorbereitet, was mit der herbstlichen Ernte zu tun hat. In der Schule wurde am Tag zuvor von den inzwischen versierten Bäckern noch einmal ein paar Laibe Brot gebacken. In einer Scheune werden die mitgebrachten Speisen als Buffet aufgebaut. Dann gibt es eine kleine Hofführung vom Bauern und anschließend sprechen und singen die Kinder die Gedichte und Lieder, die sie im Zusammenhang mit dem Ackerbau kennengelernt haben. Diese wurden in den Tagen vor dem Fest noch einmal tüchtig geübt. Ein kleiner Erntetanz, bei dem jeder, der möchte, mitmachen kann, rundet die Aktivitäten ab und ist gleichzeitig ein kleines Dankeschön an den Bauern.
Jetzt wird das Buffet eröffnet. Es entstehen fröhliche Gespräche, die Eltern lernen sich besser kennen und die Kinder beginnen sofort mit dem Spielen. Jedem ist freigestellt, wann er die Heimfahrt antritt.

Resüme: Auf dem nächsten Elternabend werden die Epochenbücher der Kinder ausgestellt und die Arbeitsergebnisse präsentiert. Mit den Eltern wird besprochen, inwieweit es für das einzelne Kind gelungen ist, dessen Fähigkeiten bezüglich des Lesens und Schreibens durch diese Art der Epoche zu steigern.

Insgesamt ergab die Rückmeldung des Lehrers und der Eltern, dass das Projekt „Ackerbau" ein gelungenes Konzept war, das Kopf, Herz und Hand der Kinder angesprochen hat und das mit vielen außerschulischen Schreibanlässen zur Lese- und Schreibmotivation der Schüler einen effektiven Beitrag leisten konnte.

Andrea Schlesinger

 

WRITER PROJECT
WRITING READING INCLUSION:
TOWARDS EUROPEAN REINASSANCE
517930-LLP-1-2011-1-IT-GRUNDTVIG-GMP
Rudolf-Steiner School, Hambourg

WP6:
Pilot Course: Creative Reading and Writing
in Primary School

am Beispiel der Ackerbauepoche 3. Klasse

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