Bohnengläser

Ein Beitrag von Kerstin Decker (Klassenlehrerin an der FWS Bremen Touler Straße)

Mit der Maske auf den Acker? Aber wie hält man beim Eggen und Pflügen den Abstand? Helmut Stahlenbrecher hatte die zündende Idee: „die Ackerbauepoche im Glas". Statt Getreide gibt es Boh­nen. Gesagt, getan ... jedes Kind sammelte und säu­berte zuerst große Einmachgläser, dann wurde Erde, Sand und vieles mehr mitgebracht und gemeinsam in der Klasse die Bohnen „gepflanzt". Dabei wurde genaustens festgehalten, in welchem Boden die Bohne gepflanzt wurde (Sand, Erde, nass, trocken) und wo ihr Standort sein würde (dunkel, hell, kalt, warm - eine Bohne stand sogar unter dem Bett).
 

Und wie Kinder so sind - die Beziehung zu den Boh­nen wurde direkt ganz eng und fast jede Bohne bekam einen Namen: So gab es „Hans-Dieter", „Covid" und „Frau Decker" oder einfach nur „Bohne 1 und 2". Dann wurden die Bohnen mit nach Hause genommen und fanden einen festen Platz für die Dauer der Epoche.

Die große Herausforderung war nun das Führen des „Bohnentagebuches" und die Geduld - denn einige Bohnen ließen sich viel Zeit, bis endlich einmal etwas geschah ... manche Kinder warteten auch die gesam­te Epoche und am Ende konnte nur notiert werden „es ist aus".

Jeden Tag dokumentierten die Schülerinnen eifrig, ob sie gegossen hatten oder nicht, wo die Bohne stand (draußen, Sonne, Regen, Kühlschrank) und was „passiert" war. Daneben wurden viele Zeichnungen der Bohnen in verschiedenen Stadien angefertigt. So entstand im Laufe der Epoche - und oft noch weiter darüber hinaus - eine wunderbare Dokumentation vom Wachstum und Vergehen bis hin zur Blüte und Ernte „unserer" Bohnen.

Auch die Beteiligung der Eltern wurde ausführlich dokumentiert und besprochen: So mussten viele Boh­nen auf Dauer aus den Gläsern in große Töpfe oder in den Garten umziehen. Wollte die Bohne einmal nicht \ sogleich aus ihrem Glas kommen, so bediente sich eine Mutter auch schon mal der Methode, das Glas zu zertrümmern, was zu großer Bewunderung und Erhei­terung bei den Kindern führte.

Wenn wir auch nicht das gemeinsame Erlebnis auf dem Acker haben konnten, schmutzig geworden sind und einen Pflug gezogen haben, so haben wir doch eine Epoche gehabt, in der wir durch die genaue Beob­achtung und das „Ausprobieren" und Dokumentieren das gemeinsame Erlebnis hatten, was alles zusam­menkommen muss, damit aus einem Samen eine Pflanze entsteht, die blühen und wiederum „Früchte" tragen kann.

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