Bürstenbinden

Ein Beitrag von Andrea Stiens (Freie Waldorfschule Hamm )

Beim Bürstenbinden wird zunächst eine Papierschablone entworfen, um eine Form zu erstellen. In unserer Werkstatt wurden schon große Besen, Handfeger und alle möglichen Formen von Bürsten erstellt, Haarbürsten, Tischbürsten, Schuhbürsten und sogar Pferdebürsten zum Striegeln. Die Form wird dann auf Lindenholz übertragen, welches 10 mm stark ist. Die Faserrichtung des Holzes sollte immer längs ein. Danach dürfen die Schüler die Form mit einer Laubsäge aussägen, hierfür starke Sägeblätter benutzen.

Dann werden die Bahnen und die Bohrlöcher, im Abstand von ca. 6 mm kreisförmig aufgezeichnet und markiert, um anschließend an der Standbohrmaschine die Löcher für die Borsten, mit einem Löffelbohrer, zu bohren. Hierfür muss die Bohrmaschine genau eingestellt werden in der Höhe, damit auf der einen Seite des Holzes nur ein ganz kleines Loch bleibt und auf der anderen Seite ein größeres Loch bleibt für die Borsten. Ich behelfe mir dabei mit einem selbsterstellten Abstandhalter aus Hartholz, der direkt am Bohrer ist. Beim Bohren muss weiterhin auf die Faserrichtung des Holzes geachtet werden, damit das Holz nicht reißt, den Bohrer stets nur langsam ins Holz absenken.

Sind alle Löcher gebohrt, geht es dann an das Borsten einziehen. Hierfür benötigt man eine Spule mit Kupferdraht, Borsten, oder Haare, kleine Zangen und Seitenschneider und eine kleine Ablage für die Borsten. In unserer Schule kommen unterschiedliche Borstenmaterialien zum Einsatz: Pferdehaar in Weiß und Schwarz, Schweineborsten, oder Naturfasern, aus denen die Schüler auswählen dürfen. Die Form und die Borstenauswahl sollten auf die Funktion der Bürste abgestimmt sein.

Dann beginnen die Schüler ihre Borsten mit dem Kupferdraht einzuziehen. Hierfür wird die Spule in die Werkbank eingespannt und es werden kleine Päckchen aus den Borsten zurechtgelegt. Der Draht wird durch das kleine Loch der Holzplatte in Form einer Schlaufe gefädelt, um dann auf der Rückseite des Holzes zu einer großen Schlaufe geöffnet zu werden, in die die Borsten nun mittig eingelegt werden. Nun legt man beide Daumen auf die Borsten und zieht die Holzplatte auf sich zu, bis sie sich schließlich zu einem Büschel aufstellen. Diesen Vorgang wiederholt man so oft, bis alle Löcher mit Borsten gefüllt sind. Zum Schluss wird der Kupferdraht vernäht und der Deckel der Bürste wird erstellt, ebenfalls Lindenholz 10 mm stark, oder mehr.

Die Bürste wird auf das Deckelholz gelegt und drumherum aufgezeichnet, danach wird ein Rand eingezeichnet, welcher identisch sein sollte mit dem äußeren Rand der Bürstenbasis, meistens ca. 7 mm dick. Der innere Rand wird mit einem Stecheisen ringsum abgestochen, bevor man dann mit einem Schnitzhohleisen die Mitte des Deckels ca. 2 mm aushebt, damit dort die Drähte Platz finden. Stets zur Mitte hin schnitzen und auf die Faserrichtung achten, damit nichts ausbricht. Der Rand darf beim Schnitzen nicht beschädigt werden. So viel ausheben, bis beide Teile gut aufeinanderpassen und der gesamte Draht in der Aushöhlung verschwindet. Hierfür zur Kontrolle immer wieder beide Teile ausspannen und aufeinanderpressen, um zu schauen, wo noch Holz weggeschnitzt werden muss. Wenn beides gut sitzt, wird der Deckel ausgesägt. Ich übernehme diesen Part für die Schüler, weil die Erfahrung gezeigt hat, dass die Schüler zu oft die fertigen Deckel kaputtgesägt haben und dann wieder von vorne anfangen mussten.

Dann wird Leim auf den Rand aufgetragen und die Bürstenbasis mit dem Bürstendeckel zusammengeleimt. Hierfür verwenden wir spezielle Schraubzwingen, die man gut auf den schmalen Rand aufsetzen kann. Nach der Trocknungszeit wird die Bürste geschliffen, bis das Holz des Deckels und der Bürstenbasis auf einem Niveau sind.

Einige Schüler denken sich eine aufwändige Gestaltung aus, die mit dem Brennpeter und manchmal sogar mit Aquarellfarbe ausgestaltet wird. Zum Schluss wird noch geölt. Unsere Schüler arbeiten an einer Bürste ein halbes Schuljahr lang in der 7ten Klasse.

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