Gruppenpuzzle Gesteine in der Geologie-Epoche 9. Klasse

Ein Beitrag von Meinrad Schneider (Freie Waldorfschule Freiburg St. Georgen)

Wenn man Schüler der 9. Klasse nach Vorkenntnissen über das Wissenschaftsgebiet der Geologie fragt, denken sie zunächst oft an eine Art Gesteinskunde und assoziieren dabei vielleicht einzelne Steine, die in verstaubten Vitrinen von Museen herumliegen, was nicht unbedingt motivierend wirkt. Das ist aber gerade nicht das Zentrum eines Unterrichtes, der die 9. Klässler ansprechen soll. Diese suchen - ihrem eigenen Entwicklungszustand entsprechend - vielmehr nach Dramatik, Umbrüchen und Veränderung. Gerade dazu hat die Geologie viel zu bieten: Zunächst denkt man an Vulkane und Erdbeben. Aber nicht nur da bewegt sich die Erde. Bei der Besprechung von Gebirgsauffaltungen, Tiefseegräben, Grabenbrüchen, Kontinentalverschiebung, Gesteinskreislauf etc. wird deutlich, dass die Erdkruste nur scheinbar fest und unveränderlich ist. Vielmehr ist alles im Prozess der ständigen Verwandlung und Umgestaltung.

Diese Prozesse sind meist so langsam, dass man sie nicht unmittelbar beobachten kann, sondern nur gedanklich erschließen. Die Waldorfschule Freiburg Sankt Georgen liegt unmittelbar an der Bruchzone des Oberrheingrabens, die auch heute noch aktiv ist. Auf einer Exkursion kann man durch genaues Betrachten der Gesteine und ihrer Lage zueinander Rückschlüsse ziehen auf die Prozesse, die sich im Tertiär und im Quartär abgespielt haben. Um diese Beobachtungen beurteilen zu können, ist es dann doch notwendig, dass man gewisse Grundkenntnisse über wichtige Gesteinstypen hat.

 

Gruppenpuzzle

Methode und Organisation

Dieses Thema eignet sich ganz gut, dass sich Schüler die Grundlagen dazu selbst erarbeiten und sich gegenseitig unterrichten. Es werden z.B. fünf gleich große Gruppen gebildet, die sich jeweils mit einer Gesteinssorte beschäftigen. Dazu haben sie ca. einen Hauptunterricht Zeit, in dem sie sich mit Hilfe eines Infoblattes die nötigen Wissensgrundlagen verschaffen. Auf einem dazu gelieferten Blatt mit „Praktischen Hinweisen" gibt es Hilfestellungen für die Gestaltung der Gruppenarbeit, genauere Hinweise, wie die Gruppenarbeit gestaltet werden soll. Arbeitsfragen dienen zur Klärung von Verständnisfragen und zur fachlichen Sicherheit. Danach soll ein kleiner Unterricht vorbereitet werden, der aus Vortrag, Gespräch und Ergebnissicherung durch ein Tafelschema dient. Vor allem Letzteres ist für 9. Klässler eine anspruchsvolle Aufgabe, weshalb ihnen dazu genaue Hinweise gegeben werden. Der Lehrer besucht die einzelnen Gruppen mehrfach zur Beratung, ggf. auch zur Korrektur von Fehlern bei dem Entwurf des Tafelbildes. Am nächsten Tag kombinieren sich dann die Gruppen neu in Fünfergruppen, in denen jeweils ein einziger „Experte" für eine Gesteinsgruppe sitzt. Diese unterrichten nun jeweils die anderen vier über ihr Thema und entwickeln dabei das Tafelschema.

Diese Methode wird in der didaktischen Literatur Gruppenpuzzle genannt. Sie hat gegenüber Referaten vor allem den Vorteil, dass in einer kurzen Zeit von nur zwei bis drei Hauptunterrichten jeder einzelne Schüler einer Klasse die Chance zur Übernahme einer Unterrichtsverantwortung hat. Diese Methode lässt sich auch bei zahlreichen anderen Themen anwenden. Allerdings sollten diese Themen nicht unmittelbar aufeinander aufbauen. Denn die Gruppe, die das „fünfte" Thema bearbeitet, hat ja normalerweise nicht das Grundlagenwissen, das die „erste" Gruppe liefern würde.

Natürlich werden nie alle Kurzvorträge der Schüler von der gleichen Qualität sein. Dies kann aber durch zwei Maßnahmen einigermaßen kompensiert werden:

  1. Da die Tafelschemata am Tag davor gemeinsam entwickelt und vom Lehrer „genehmigt" wurden, haben letztlich alle Schüler zu allen fünf Gesteinsgruppen die gleichen Schemata im Heft - egal von wem sie konkret unterrichtet worden waren.
  2. An den folgenden Tagen kann man begleitend zum Unterricht, der sich schon wieder anderen Themen zuwendet, als Hausaufgaben Übungsaufgaben zu den verschiedenen Gesteinen geben, die dazu helfen, die Themen zu wiederholen, vertiefen und sicherer zu verstehen.

Die Erfahrungen in mehreren Klassen haben gezeigt, dass die Schüler diese Arbeitsform gerne annehmen und dabei eine erfreuliche Aktivität entwickeln.

 

Hier die einzelnen Arbeitsmaterialien:

 

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