Seifensieden im Kaltverfahren

Ein Beitrag von Marcus Kraneburg (Freie Waldorfschule Freiburg - St. Georgen)

Wenn man in der 7. Klasse in der Chemie zunächst das Feuer als einen der großen "Stoffumwandler" untersucht, so schlägt sich bei der Verbrennung von Holz das Laugenhafte in der Asche am Boden nieder und das Säurehafte steigt über das Kohlenstoffdioxid nach oben.

Diese Polarität von Säuren und Laugen, die bei der Holzverbrennung zutage tritt, kann man nun näher untersuchen, indem man z.B. aus der Asche Pottasche gewinnt. Diese Lauge ist zwar immer noch nicht sehr stark, aber sie wurde u.a. zur Herstellung von Schmierseife verwendet. Verfolgt man diesen Pfad weiter, so kann man mit einer starken Lauge nun richtige Seife herstellen. Damit hat man zugleich eine sehr anschauliche Nutzanwendung der Lauge.

Als Schülerversuch bietet sich das Seifensieden im Kaltverfahren an. Anstatt Öl und Ätznatron über heißer Flamme zu sieden, vermischt man beide Substanzen lediglich stark miteinander. Der Verseifungsprozess vollzieht sich dann über einen Zeitraum von ca. 6 Wochen. Die Seife muss also erst reifen, bevor man sie benutzen kann.

Hervorragend eignet sich eine reine Olivenölseife. Sie eignet sich für beinahe jeden Hauttyp und ist dabei besonders mild und verträglich. Reine Olivenölseife ist schön fest und bildet einen reichhaltigen, feinporigen Schaum. Nach dem Herstellen der Seife bleibt diese mindestens 24 Stunden in der Seifenform. Sie wird auch dann noch schmierig und weich sein. Es ist also Geduld gefragt.

Das Rezept

168 g destilliertes Wasser
62 g NaOH (Ätznatron)
500 g Olivenöl, (abzüglich ca. 2 g ätherische Öle)

 

Vorangehensweise

Zunächst haben wir mit einer Frischhaltefolie unsere Formen ausgelegt, die 2 Schüler im Werkunterricht zusammengeschraubt hatten. Genauso gut kann man jedoch auch Plastikformen verwenden, die man in fast jedem Lebensmittelgeschäft günstig kaufen kann. Dann bekäme man noch schönere Seifenränder.

Jede Gruppe (3-4 SchülerInnen) hatte zwei große Gurkengläser und ein kleines Marmeladenglas, eine Haushaltswaage und einen Pürierstab und Küchenhandschuhe dabei (am besten mit einem Edelstahlfuß, auf gar keinen Fall Aluminium - das reagiert auf Ätznatron).

Nun begannen wir zuerst in einem großen Gurkenglas 168 g Wasser abzuwiegen, anschließend im anderen Gurkenglas das Öl. Dann widmeten wir uns sehr vorsichtig dem Ätznatron. Schutzbrillen und Handschuhe wurden angezogen. Mit nur halbvollen Löffeln gaben wir das Ätznatron in das kleine Marmeladenglas.

Im nächsten Schritt gaben wir das Ätznatron unter ständigem Rühren ins Wasser. Zum Erstaunen der Schüler wird dadurch das Wasser sehr heiß. Man lässt dies einen Augenblick stehen, damit es sich ein wenig abkühlen kann. Nun kommt das Öl an die Reihe. Man gießt es vorsichtig in die Lauge. Mit dem bereitgelegten Mixer verquirlt man beides so lange, bis die Konsistenz dickflüssig geworden ist. Am Schluss kann man jetzt noch ein wenig ätherisches Duftöl hinzugeben.

Noch haben wir keine Seife - die entsteht erst im Verlauf der nächsten Wochen - insofern haben wir es immer noch mit einer ätzenden Lauge zu tun. Vorsichtig wird nun alles in die Form gegossen.

Jetzt können wir Handschuhe und Schutzbrille abnehmen. Die "Seife" verbleibt ca. 24 Stunden in der Form. Am nächsten Tag können wir sie also herausholen und auch gleich in entsprechend große Stücke schneiden.

 

Reifung und pH-Wert-Bestimmung

Nun muss die Seife reifen. Man könnte jede Woche eine pH-Wert-Bestimmung vornehmen, um zu sehen, wie er allmählich sinkt. Die einfachste (und billigste) Methode im kleinen Stil ist über von pH-Teststreifen. Hierfür muss die Seife zunächst angefeuchtet werden. Der Teststreifen wird mit der Seifenlösung befeuchtet (ca. eine Minute) und sollte beginnen, sich zu verfärben. Falls nötig kann man die Seife kurz vom Teststreifen abspülen. Mit Hilfe der beiliegenden Farbtafel wird nun abgeschätzt, welchen der aufgedruckten Farben der Teststreifen am meisten ähnelt. Jetzt heißt es Geduld haben. Die Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude.