Stimmungen sichtbar machen

Ein Beitrag von Rita Pätzold (Waldorfkindergarten Heilbronn)


Wir holen das Jahreszeitengeschehen zu uns in den Kindergarten herein durch die Lieder, Fingerspiele, Geschichten, aber auch durch die Gestaltung des Raumes und des Jahreszeitentisches.

Der Jahreszeitentisch spiegelt die jeweilige Jahreszeit wieder durch die Farben der Stoffe und Tücher, durch den Blumenschmuck, die Kunstdrucke, besondere Kerzen und andere Gegenstände. Auch bringen die Kinder kleine Dinge mit, die dann unseren Jahreszeitentisch bereichern dürfen.

In der Erntezeit haben wir einen goldgelben Untergrund und eine Kornähre als Mittelpunkt. Bilder von der Ernte und ein kleiner Erntewagen mit Bauer und Pferd schmücken den Tisch.

Zu Michaeli liegt das goldene Schwert auf dem Tisch, der Helm und ein Bild vom Erzengel Michael ist zu sehen. Auf dem goldgelben Tuch liegt jetzt noch ein rotes Tuch. In der Laternenzeit, jetzt herrscht die Farbe Lila oder Braun vor, ist hier ein Bild von St. Martin zu sehen, daneben stehen die Laternen. Hinterher kommen die Zwerge in ihren Höhlen und trockenes, raschelndes Laub.

Am Anfang der Adventzeit steht das Adventsgärtlein. Eine Spirale aus Tannen und Moos liegt auf der Erde. Geschmückt mit Edelsteinen, goldenen Sternen und Rosen. Am Berg in der Mitte steht eine einzelne Lilie. Hier leuchtet zum ersten Mal die Lichterfülle der Weihnachtszeit auf.

Den ganzen Dezember steht die Hirtenkrippe auf dem Jahreszeitentisch. Das ist ein bewegliches Bild. Im Moos und zwischen den Tannenbäumchen tut sich immer etwas Geheimnisvolles, und Maria, Joseph und das Eselchen ziehen zur Krippe. Gleichzeitig steigt das Christkind die Himmelsleiter immer ein Stückchen weiter hinunter. Am Schluss sind alle im Stall angekommen und eine Rose liegt in der Krippe. Es ist ja noch nicht Weihnachten! Die Farbgestaltung im Raum ist dunkles Blau. Das ist die Farbe des Winterhimmels und der Nacht. Auch der Mantel der Maria ist dunkelblau.

Zur Weihnachtsfeier ist die Festtagstafel weiß und golden geschmückt. Ein wenig feiern wir schon das Weihnachtsfest mit seiner großen Lichterfülle vorweg.

Im Januar bringen dann noch die Heiligen Drei Könige dem Christkind ihre Gaben und ziehen wieder weiter. Die Grundfarbe der Dreikönigskrippe ist hellblau und weiß. Den Tisch schmücken Kristalle. Es ist Winterszeit.

Dann kommt die fröhliche und bunte Faschingszeit. Jetzt steht auf dem Jahreszeitentisch ein Strauß mit Weidenkätzchen und ein winterhellblaues Tuch liegt auf dem Tisch. Bevor ein zartes Hellgrün für die Frühlingszeit auf dem Jahreszeitentisch zu sehen ist, kommt oft noch das dunkle Braun - so wie die wartende Erde sich zeigt, bevor alles zu wachsen anfängt.

Dann begrüßen wir den Frühling mit den ersten Frühlingsblumen und erwarten Ostern. Auf das grüne Tuch kommt ein rotes Tuch. Grün für die erwachende Natur und Rot für die Farbe der Liebe und des Blutes. Das sind auch die Farben des Osterschälchens - das rote Ei in dem sprossenden Grün. Häschen und Schnecke haben auch ihren Platz in dieser Zeit. Als Blu-menschmuck läuten die Osterglocken den Frühling ein.

Pfingsten ist lieblich von der Farbgebung, zum Grün kommt Rosa hinzu. Eine Fülle von Blumen schmückt nun wieder unseren Gruppenraum und den Jahreszeitentisch. Als Symbol taucht die Taube auf und am Fest selbst ist auch noch die Farbe Weiß vertreten.

Zu Johanni gehört ein leuchtendes Sonnengelb und Rot und Orange für das Feuer darf auch dabei sein. Die Johannikerze ist eine Bienenwachskerze. Blumen sind wie beim Weihnachtsfest die Lilie und die Rose. Johanni steht dem Weihnachtsfest im Jahreslauf genau gegenüber.

Abgeschlossen wird das Kindergartenjahr durch die Verabschiedung der ausscheidenden Kinder. Das ist wieder farbenprächtig und bunt. Jedes Kind hat eine Kerze beklebt, bekommt eine goldene Krone und ein geheimnisvolles Geschenk. Ich bringe meine alte Fibel mit, mit der ich als Kind das Lesen gelernt habe. Die schmückt auch unseren Jahreszeitentisch und ist Symbol für das Kommende.

Jede Jahreszeit hat eine eigene Gestaltung und der Raum verändert sich sehr. Am beeindruckendsten ist das immer zum Anfang der Adventszeit, wenn überall das Dunkelblau auftaucht, meist verbunden mit dem Duft frischer Tannen! Das löst ganz starke Gefühle aus. Für mich fängt dann immer die Weihnachtszeit an und ich kann gar nicht glauben, dass es schon wieder soweit ist! Das dunkle Blau gibt eine ganz starke Hülle.

Im Januar ist es so wunderbar, wenn alles wieder hell ist. So etwas von Kristallklarheit liegt dann in der Luft. Es ist immer wieder beeindruckend, wie stark die Farbgebung im Raum auf uns alle wirkt.

Dieses intensive Erleben der Jahreszeiten ist hilfreich sich mit „Mutter Erde" zu verbinden. Jedes Jahr können wir wieder erleben, dass die Erde uns trägt und der Jahreslauf ihr buntes Kleid ist. Als Kinderreim klingt das dann vielleicht so (von einem unbekannten Verfasser):

 

DAS JAHR

Es kommt das Jahr mit festem Tritt
und bringt uns etwas Gutes mit.
In jedem Monat, das bedenk'
Hat's für uns alle ein Geschenk.
Im ersten zarte Schneeflöckchen,
im zweiten weiße Schneeglöckchen.
Im dritten sprießende Gräschen,
im vierten hüpfende Häschen.
Im fünften fleißige Lieschen,
im sechsten rote Radieschen.
Im siebten blühende Rosen,
im achten gelbe Mimosen.
Im neunten bläuliche Beeren,
im zehnten reifende Ähren.
Im elften nussbraune Kerne,
im zwölften goldene Sterne.

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