Nikolaus im Waldorfkindergarten Krefeld Fichtenhain
Ein Beitrag von Christiane Schneider
Der Nikolaus erscheint bei uns nicht leibhaftig im Kindergarten. Er kommt in der Nacht, wenn niemand da ist und hinterlässt seine Spuren, seine Gaben und einen Brief. So bleibt Raum für Ehrfurcht, Staunen und innere Bilder. Der Nikolaus straft nicht, aber er mahnt liebevoll. Er ruft ins Bewusstsein, dass nichts verloren geht, von dem, was auf Erden geschieht.
In Vorbereitung auf unser Fest wird der Nikolausbrief geschrieben. Darin findet der Nikolaus warme, wertschätzende Worte für die Kinder. Er benennt das Gute, das er gesehen hat, verschweigt aber auch nicht, dass es so manches Mal Streit oder Schwierigkeiten gab. Der Nikolaus führt nämlich ein goldenes Buch, das sogenannte Weltenbuch, in dem alles festgehalten wird, was auf Erden geschieht. Die Säckchen für die Kinder werden vorbereitet, Sterne ausgestanzt, mit den Namen der Kinder und Erzieher beschriftet und an die Säckchen gehangen. Die Nusskette wird vorbereitet. Dafür werden Nüsse vorsichtig geknackt, dass die Hälften ganz bleiben. Sie werden mit Goldspray angesprüht und zum Trocknen beiseite gelegt. Eine Nusshälfte wird mit einer kleinen Überraschung (kleines Wollschäfchen, Muschel, Edelsten, kleiner Engel, Holzpilz, Glöckchen…) befüllt, in die andere kommt etwas Wolle. Die Nusshälften werden auf das rote Band geklebt, von jeder Seite eine Hälfte, sodass der Eindruck entsteht, das rote Byand sei durch die goldenen Nüsse gefädelt. Am Tag vor dem Nikolausfest werden im Flur bis in die Gruppe hinein Glitzer und Sterne verstreut. Aus Glitzer entstehen Fußspuren, die den Weg des Nikolaus andeuten. Etwas Engelshaar bleibt an der Tür oder am Sack hängen, wie Barthaar vom Nikolaus. Der Nikolaussack wird in die Gruppe auf ein blaues Tuch gestellt. Um den Sack herum liegen Mandarinen und Nüsse. Der Nikolausbrief wird gut sichtbar an den Sack gehängt.
Wenn die Kinder am Nikolaustag in den Kindergarten kommen, entdecken sie sofort die Spuren vom Nikolaus. In der Gruppe staunen sie, betrachten ehrfürchtig den Sack und erzählen aufgeregt von ihren eigenen Nikolauserlebnissen zu Hause. Einige fangen an, Sterne zu sammeln.
Nach dem Freispiel räumen wir auf, waschen uns die Hände und treffen uns im Nebenraum zum Morgenkreis. Der Tag wird eingeläutet und wir spielen ein Nikolaus-Bewegungsspiel aus dem wunderbaren Buch von Wilma Ellersiek. Darin zieht der Nikolaus mit seinem Sack von Haus zu Haus und kommt schließlich auch zu uns in den Kindergarten. Der Nikolaus öffnet den Sack und holt daraus verschiedene Spiele hervor. In diesem Jahr waren es Pöm und Pam, Knulle und Knolle und das Spiel von Klimperklein dem Zwerg, der Edelsteine klopft im Berg. Nach dem Spielen bindet der Nikolaus in Ruh, den Gabensack dann wieder zu und zieht weiter. Damit endet das Nikolausspiel. Dann ziehen wir gemeinsam in die Gruppe und setzen uns in den Stuhlkreis. Unsere Kerze auf dem Jahreszeitentisch entzünde ich mit den Worten:
Es brennt eine Kerze, ein helles Licht.
Es dunkelt der Tag und verdichtet sich.
Es kommt nun die stille, die heilige Zeit.
Wir machen das Herz für das Kindlein bereit.
Die Kerzen vom Adventskranz werden angezündet. Bei der ersten Strophe von „Wir sagen euch an den lieben Advent“ die erste Kerze, bei der zweiten Strophe die zweite Kerze. Nun beginnt der Sternenweg. Ich lasse Maria und Josef mit ihrem Esel auf dem Jahreszeitentisch wandern. Dazu singe ich:
Wandern, wandern, nah und fern,
leuchtet uns ein heller Stern.
Durch das Dunkel, durch die Nacht,
Gott hält über alle Wacht.
Wandern, wandern, nah und fern.
Sie wandern auf einem Weg aus goldenen Sternen. Es liegen so viele Sterne aus, wie es noch Tage zu den Weihnachtsferien sind. Es wird immer ein Stern weiter gezogen. Der zurückgelegte Stern wird weggenommen und an den Sternenhimmel geklebt mit den Worten:
In der dunklen Nacht ist ein Stern erwacht.
Leuchtet hell am Himmelszelt,
schenkt sein Licht der ganzen Welt.
Ich nehme den Brief vom Nikolaus vom Sack und lese ihn vor. Die Kinder hören still zu und staunen darüber, was der Nikolaus so alles weiß. Dann öffne ich den Sack, schaue hinein, staune. Jedes Kind darf einzeln zu mir kommen und etwas aus dem Sack nehmen. Die Kinder behalten ihr persönliches Säckchen zunächst auf dem Schoß. Sie dürfen mal reinlünkern, aber so richtig geöffnet und genascht wird erst zu Hause. In den Säckchen befinden sich die Gaben des Herbstes: Äpfel und Nüsse, auch eine Mandarine und etwas Gebäck, jedoch noch nicht das echte Weihnachtsgebäck. Auch holen wir kleine blaue Säckchen aus dem Nikolaussack. Wir schütteln vorsichtig, hören genau hin und überlegen gemeinsam, was wohl darin sein könnte. Sie werden noch nicht geöffnet, sondern auf den Jahreszeitentisch gelegt (ein Säckchen mit Edelsteinen, ein Säckchen mit Muscheln, ein Säckchen mit Strohblumen). Ein weiteres Säckchen enthält eine wunderbar duftende Bienenwachskerze. Auch die Nusskette befindet sich im Sack. Wir hängen sie direkt an einen kleinen Haken neben dem Jahreszeitentisch. Ab dem nächsten Tag darf dann jeden Tag ein Kind eine Nuss abschneiden, als täglicher Weg bis Weihnachten. Ist der Sack leer, stellen die Kinder ihre Säckchen an den Hocker beim Adventskranz. Der Stuhlkreis wird mit dem Lied: „Rinke, ranke, Rosenschein“ aufgelöst. Zum Frühstück gibt es Milchreis, sowie die Honigkuchen aus dem Nikolaussack. Der Milchreis wird in kleiner Menge gekocht, sodass Kinder, die keinen Honigkuchen mögen, beim Vertrauten bleiben können. Bei Abholung erhält jedes Kind sein Säckchen mit nach Hause.
