Himmelfahrt im im Waldorfkindergarten Krefeld Fichtenhain
Ein Beitrag von Christiane Schneider
In Vorbereitung auf das Himmelfahrtsfest lesen wir Erwachsenen uns selbst noch einmal in die Bedeutung des Festes ein und stimmen uns innerlich darauf ein. Das ist wichtig, denn Kinder verstehen Jahresfeste nicht verstandesmäßig, sie erleben sie in Bildern, Rhythmen und Stimmungen und nehmen die Atmosphäre über uns Erwachsene tief in sich auf. Unsere Aufgabe ist es, den Kindern Sinnbilder anzubieten, ein Fest erfahrbar machen. Für unser Himmelfahrtsfest standen dabei drei Bilder im Mittelpunkt: der Löwenzahn, der Schmetterling und die Seifenblasen.
Unabhängig davon, ob man dieses Fest im christlichen Sinne greift oder eher als Jahreszeitenfest erlebt, kann Himmelfahrt uns mit einer besonderen Qualität verbinden: Alles wächst und strebt nach oben. Die Natur grünt und blüht, Licht und Wärme nehmen zu und auch im Inneren des Menschen kann sich etwas öffnen und aufrichten
Der Vormittag beginnt zunächst mit dem freien Spiel. Auf dem Frühstückstisch liegt bereits ein weißes Tuch mit frischen Blumen als stiller Hinweis auf die besondere Feststimmung. Auch die Tage zuvor ist bereits Teil der Festvorbereitung gewesen. In den Wochen vor Himmelfahrt hat uns im Morgenkreis das Puppenspiel „Raupe Blau“ begleitet. Passend dazu gestalten die Kinder jetzt kleine Schmetterlinge aus Wolle und Pfeifenputzern sowie eine kleine Raupe aus blauen Holzperlen und Lederband.
Im Morgenkreis wird eine Kerze entzündet. Auf dem Öltröpfchen-Tablett liegen etwas Moos, kleine Äste, und einige feine Federn. Außerdem habe ich einen Korb vorbereitet, der mit einem Tuch abgedeckt ist und viele kleine Seifenblasendöschen enthält. Wir beginnen den Morgenkreis mit dem Spruch:
„Sei willkommen, lieber Tag,
vor dir die Nacht nicht bleiben mag.
Leucht uns mit deinem hellen Schein
in jedes Fensterlein hinein.“
Danach folgt der Himmelfahrtsspruch, den wir mit Gesten und Bewegungen begleiten:
„Vogel im Baum, was singst du mir?
Himmelfahrtstraum kündig ich dir.
Flieg übers Feld, über den Tann,
weit in die Welt, höher hinan.
Schwinge mich fern, seliges Glück,
aber so gern kehr ich zurück.
Nieder zur Au, tief im Geäst,
heimelig bau ich mir ein Nest.“
Daraufhin bewegen wir gemeinsam den Spruch:
„Wer hat die Sonne denn gemacht,
den Mond und auch die Sterne?
Wer hat den Baum hervorgebracht,
die Tiere nah und ferne?
Wer schuf die Steine groß und klein,
wer gab auch mir das Leben?
Das tat der liebe Gott allein,
drum will ich Dank ihm geben.“
Auf dem Öltröpfchen-Tablett liegen außerdem zwei kleine Schmetterlinge aus Wolle. Zwei Kinder dürfen sie in die Hände nehmen und gemeinsam spielen wir das kleine Schmetterlingsspiel:
„Durch den ersten Sonnenbogen kommt ein Schmetterling geflogen.
Durch den zweiten Sonnenbogen kommt sein Brüderlein geflogen.
Munter flattern sie im Garten, wo die Blumen sie erwarten.
Ei, willkommen, guten Morgen, kommt, bei uns seid ihr geborgen.
Holt euch Honig, flattert weiter, durch den Garten froh und heiter.
Auf die Wiese zu den Buchen, kommt bald wieder uns besuchen.“
Daran anschließend singen wir:
„In der Hecke auf dem Ästchen baut ein Vogel sich ein Nestchen,
legt hinein zwei Eierlein, brütet aus zwei Vögelein.
Und sie singen piep, piep, piep, Mütterchen ich hab‘ dich lieb.“
Danach erzähle ich den Kindern, dass Himmelfahrt wie ein kleines Frühlingsfest des Himmels sei. Viele Menschen schauen an diesem Tag besonders bewusst nach oben, in die Weite des Himmels, zu den Wolken, zum Licht und zum Wind. Gemeinsam überlegen wir, was alles leicht ist und vom Wind getragen werden kann. Die Kinder entdecken sofort die Federn auf dem Tablett. Wir nehmen sie in die Hand, pusten sie vorsichtig in die Luft und beobachten, wie sie langsam wieder zur Erde schweben. Ich hole den Korb hervor und zeige den Kindern die kleinen Seifenblasenfläschchen. Auch sie tragen etwas Luftiges und Schimmerndes in sich. Die zerbrechlichen Seifenblasen zeichnen ein Bild von Leichtigkeit und Bewegung zwischen Erde und Himmel. Wir beschließen, sie später gemeinsam draußen steigen zu lassen, um zu beobachten, wohin der Wind sie trägt. Nach dem Morgenkreis ziehen wir singend mit dem Lied „Kommt ein Vogel geflogen“ in den Gruppenraum zum Frühstück. Anschließend beginnt das Freispiel im Garten. Dort pusten wir Seifenblasen und beobachten die schillernden Kugeln am Himmel. Die Kinder bestaunen außerdem die Pusteblumen des Löwenzahns und lassen ihre Samen in den Wind fliegen. Schmetterlinge können entdeckt und beobachtet werden und wir beginnen bereits, kleine Vögelchen als Bild für die kommende Pfingstzeit auszuschneiden.
Ein besonders schöner Moment entstand, als ich mich mit einer Decke hinten auf die Wiese legte und gemeinsam mit den Kindern in den Himmel schaute. Schnell kamen sie neugierig dazu und wir betrachten gemeinsam die Wolkenbilder und entdecken allerlei Formen und Gestalten darin. So wurde Himmelfahrt für die Kinder zu einem Erlebnis voller Bilder von Wandlung, Leichtigkeit, Natur und Aufwärtsstreben. Bei Abholung darf sich jedes Kind noch eine Feder vom Öltröpfchentablett mit nach Hause nehmen, als kleine Erinnerung an unser Himmelfahrtsfest.
