Die Schülerfirma Nyendo (Handel mit Kenia)

Ein Beitrag einer Gruppe engagierter Schüler der Rudolf-Steiner-Schule Ismaning, die dieses Projekt ehrenamtlich und mit viel Motivation in ihrer Freizeit betreuen.

VORGESCHICHTE

Firmengründerin und Projektbetreuerin Irmgard Wutte hat selbst über ein Jahrzehnt in Kenia gelebt und gearbeitet. Unter anderem ist sie Mitbegründerin der ersten Waldorfschule Nairobis.

Als nach der Gründung der Mbagathi Steiner School in Nairobi, der ersten Waldorfschule Kenais, finanzielle Unterstützung für die Weiterentwicklung des Projekts benötigt wurde, baute Frau Wutte zusammen mit Freunden und Bekannten aus Frankfurt einen Stützkreis auf.

Jährlich kaufte sie auf den Märkten Nairobis eine Fülle an kenianischer Kleinkunst ein, die dann per Fracht nach Deutschland gelangte. Der Stützkreis tat im Prinzip das Gleiche was heute auch geschieht.

Er verkaufte die Ware in Deutschland und schickte den Erlös zurück an die Schule in Kenia. So entstand ein anfänglich Fairer Handel mit doppelt gutem Zweck.

Nach einigen Jahren drohte das Ganze allerdings zu kippen und es musste ein Weg der Weitererhaltung gefunden werden.

ZURÜCK IN DEUTSCHLAND

Irmgard Wutte, die zu diesem Zeitpunkt wieder zurück nach Deutschland kam, ließ sich in München nieder und wurde an der Waldorfschule in Ismaning wieder als Lehrerin tätig.

Nach kurzer Zeit brachte sie diese Idee des Fairen Handels, kombiniert mit ihrem eigenen Traum, das noch unvollständige Projekt, Klassen übergreifend mit Schülern zu Managen, in das Schulleben ein.

 

DIE SCHÜLERFIRMA

Im Jahr 2003 fanden sich nach einiger Zeit sieben hoch begeistert und engagierte 9. Klässler der Waldorfschule, die das Projekt zu stemmen versuchten. Nun entstand auch ein Name für das vorher unbenannte Projekt. NYENDO, das bedeutet auf Kisuaheli, einer der Landessprachen Kenias, „Bewegung“, was sehr passend schien.

Niemand brachte eine besondere Ausbildung mit. Frau Wutte setzte viele Erfahrungen aus ihrer Zeit in Kenia ein und die Schüler trugen ihren Teil dazu bei. Wenige Zeit später stand sie da, die Schülerfirma, wenn auch noch nicht ganz windfest, NYENDO war geboren.

 

WIE ARBEITEN WIR?

Das Team besteht derzeit aus insgesamt 12 Schülern aus der 9., 10. und 11. Klasse. Dazu kommen zwei feste Projektbetreuerinnen. Dem Projekt wurde durch die Gründung des eingetragenen Vereins „Schüler als Unternehmer“ an der Waldorfschule Ismaning eine Rechtliche Grundlage gegeben. Die Firma bildet einen Teil dieses Vereins. Die Arbeit in dem Projekt ist komplett ehrenamtlich. Irmgard Wutte hat als Betreuerin einen Unkostenbeitrag von der Evidenzstiftung (Arlesheim) erhalten. Kosten fallen für niemanden an, jeder leistet seinen Beitrag in Form von Zeit und Arbeit. Von dem gemachten Verkaufsumsatz wird jeweils ein Teil zurückbehalten, der für den Neueinkauf, Steuern und das Porto verwendet wird. Interne Firmenkosten, zu denen Werbemittel, Verwaltungsartikel und sonstige Unkosten zählen werden ausschließlich durch zielgerichtete Spenden und Sponsoren gedeckt. Aufgefordert zur Mitgliedschaft sind immer die jeweiligen neunten, zehnten und elften Klassen. Die Elftklässler sind dann schon ein oder zwei Jahre dabei. Sie arbeiten die Neunt- und Zehntklässler ein, um am Ende des Schuljahres, vor ihrem Ausstieg in die zwölfte Klasse, es diesen zu übergeben.

Jedes Jahr können wir etwa 10.000 € nach Kenia überweisen.

 

AUFGABENBEREICHE – ABTEILUNGSZUSTÄNDIGE

Innerhalb des Projektes gibt es mehrere Aufgabenbereiche: „Geschäftsführung“, „Öffentlichkeitsarbeit/ Marketing/ Redaktion“, „Buchhaltung/ EDV“ und „Einkauf/ Vertrieb“.

Bis jetzt hatte jede Abteilung einen Abteilungszuständigen, der den Überblick sowie die Verantwortung hat. Auf der letzten Klausurtagung wurden die verschiedenen Arbeitsabläufe und Aufgaben bestimmten Rollen zugeteilt. So gibt es jetzt z.B. für den Einkauf/Vertrieb:

E = Einkäufer vor Ort
L = Logistik
M = Marketing
VK = Verkäuferkontakt
VO = Verkaufsorganisator
V = Verkäufer

Weitere Rollen wurden für die anderen Abteilungen definiert. Alle Nyendo Mitarbeiter treffen sich einmal die Woche und zwar parallel zur Lehrerkonferenz am Donnerstag, wöchentlichen Nyendokonferenz, in der neben dem laufenden Geschäft die Lage der Firma, Erfolge, Ziele und die persönlichen Interessen der Schüler besprochen werden. Unser Ziel ist vor allem eine dauerhafte Integration des Projektes in die Schule und den Schulalltag. Die praktischen Erfahrungen mit den großen sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen Aspekten des Projektes führen einen großen Lernfaktor mit sich. Zusammen, im Team, werden die Bedürfnisse und Arbeiten einer Firma kennengelernt, Probleme analysiert und gelöst. Hinzu kommt der soziale Teil, der in Kenia seine Ergebnisse präsentiert.

 

BUCHFÜHRUNG

Die Buchführung wird von den Schülern in Zusammenarbeit mit dem Verein geleistet. Eine Kollegin hat nun auch begonnen in der 7.Klasse den Schülern die Grundkenntnisse der Buchführung am Beispiel von Nyendo einzuführen. Dies führte zu einem großen Interesse der jüngeren Schüler an der Schülerfirma.

 

DIE WARE

In Deutschland angekommen wird die Ware überprüft, gezählt und an der Rudolf-Steiner-Schule in Ismaning, an der alle Projektmitglieder tätig sind, zwischengelagert. Im November beginnt unsere Hauptverkaufszeit. Nun werden Pakete verpackt und an ca. 25 ehrenamtlich Verkäufer in ganz Deutschland verschickt. Diese verkaufen die Artikel besonders auf Weihnachtsmärkten und senden uns sowohl den Erlös, als auch die Restwaren zurück. Wir selbst verkaufen auch auf dem einen oder anderen Basar, bei unterschiedlichsten Aktionen und bei Veranstaltungen in und um München.

Da unsere meisten ehrenamtlichen Verkäufer seit Jahren an denselben Waldorfbasaren verkaufen, suchen wir neue Verkaufsmöglichkeiten an Waldorfschulen.

 

SOZIALPRAKTIKUM KENIA

Vor dem Ausstieg aus der Schülerfirma gibt es die Möglichkeit, im Rahmen des Sozialpraktikums eine Reise nach Kenia zu machen, um den Erfahrungsgewinn noch zu erweitern und die Situation vor Ort kennen zu lernen. Außerdem wird der jährliche Wareneinkauf vor Ort getätigt. Eine Kenianerin, zu der ein persönlicher Kontakt besteht, tätigt den Einkauf bei Bedarf auch während des laufenden Jahres.

 

EXPANSION

Natürlich arbeiten wir aber auch an der Vergrößerung des Projektes: Wir suchen stets neue Verkäufer, belieferten so z.B. sogar für kurze Zeit einen kleinen Laden in München. Außerdem möchten wir zunehmend mehr Aufklärungsarbeit leisten, an Wettbewerben teilnehmen, um für das Projekt zu werben, Aufmerksamkeit zu erregen, sowie Spenden und Sponsoren, zur weiteren Erhaltung der Firma zu gewinnen. Wir bemühen uns um eine Zusammenarbeit und freuen uns über jede Vernetzung mit anderen Projekten. Unser Projekt ließe sich wunderbar auf andere Schulen bzw. Regionen übertragen. Dafür zu werben ist ein langfristiges Ziel unserer Bemühungen.

 

STIMMEN DER MITARBEITER

Ich engagiere mich in der Schülerfirma Nyendo weil...

  • "...es Spaß macht bei Nyendo mitzuarbeiten und weil ich hier die Möglichkeit habe zu helfen."
  • "...diese Arbeit mich davon überzeugt, dass es der Menschheit nicht egal ist, was mit ihren Mitmenschen passiert, dass es immer noch mitfühlende und helfende Herzen gibt! Außerdem bereitet sie mich auf das spätere Arbeitsleben vor und ich lerne die Organisation einer Firma kennen und ausführen."
  • "...ich sehen möchte, wie man sich in einem Unternehmen organisiert und sich in das Unternehmen einbringen kann."
  • "...ich selber, ganz persönlich, etwas gegen die Armut in Afrika tun will - und durch Nyendo auch tun kann."
  • "...mich das Thema ziemlich interessiert, in die Vorgehensweise einer Geschäftsführung eingewiesen zu werden, Erfahrungen zu sammeln und das auch noch für einen guten Zweck.
  • "...ich in erster Linie den Kindern in Afrika, welche unser alltägliches, komfortables Leben nicht wahrnehmen können, eine gute Bildung ermöglichen will.
  • "Meine Motivation bei Nyendo mitzumachen, war das Wissen, in was für Lebensbedingungen viele, viele Menschen leben müssen, da ihnen keine andere Möglichkeit bleibt. Kurz: ich wollte helfen, wollte mich sozial engagieren. Dieses Engagement führte darauf hinaus, dass ich zwei lange Jahre mit ganzem Herzen in diesem Projekt tätig war und mit ihm durch Höhen und Tiefen ging."
  • "...das Gefühl zu helfen gut ist."

 

„LAND DER IDEEN“

2006 hat die Bundesregierung eine Imagekampagne gestartet, die das Bild von Deutschland als Land der Ideen festigen sollte. Dieses Jahr wurden aus 1500 Anträgen 365+1 Orte ausgewählt die zeigen, dass Deutschland das Land der Ideen ist. Unsere Schülerfirma zählte zu den Ausgewählten.

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