The Kids-Bakehouse (4. Klasse)

Jeden Mittwoch backen meine 37 Schülerinnen und Schüler in diesem 4. Schuljahr 17 Dinkel-Vollkornbrote. Von 8.00 - 9.00 Uhr wird im Hauptunterricht der Teig zweimal geknetet. Dazwischen liegt unser Rhythmischer Teil - in dieser Zeit kann der Hefeteig gehen. Anschließend verläuft der Hauptunterricht normal weiter. Bis 10.00 Uhr backen die Brote in den vier Backöfen unserer Lehrküche knusprig braun. Der köstliche Brotduft zieht derweilen durch das ganze Schulhaus und in der zweiten großen Pause wird das vorbestellte Brot von stolzen Viertklässlern verkauft.

 

 

 

 

Ein Kurzvideo gibt Ihnen hier einen kleinen Einblick in die verschiedenen Stationen unserer Bäckerarbeit:

Grundgedanken zur Kinder-Bäckerei

In der 3. Klasse fand die Ackerbauepoche statt, in welcher die Kinder das Pflügen, Eggen und Säen tatkräftig erlebten. Das Korn wuchs, es wurde mit Sicheln geerntet, dann mit Dreschflegeln ausgedroschen und schließlich in Handmühlen gemahlen. Am Ende wurden aus dem Mehl in einem Römischen Lehmofen Brötchen gebacken.

 

Ein Kreislauf rundet sich

Somit durchliefen die Kinder alle Schritte vom Pflügen bis zum Backen des Brotes. Diese Erlebnisse sind ausgesprochen elementar und weil der „Sinn" dabei nahezu greifbar ist, wird er auch begreifbar.

In unserer modernen Welt, die für die Kinder oftmals undurchschaubar und paradox erscheint, bedarf das Erleben von Sinnhaftigkeit einer besonderen pädagogischen Aufmerksamkeit. Wollen wir möglichen Sinnkrisen des Lebens gegenüber später gut gewappnet sein, so ist es wichtig, in der Kindheit „Sinn" häufig auch sinnlich erfahren zu können.

 

Notwendigkeit und Beliebigkeit

Je mehr wir unser Lebensumfeld der Natur und ihren Rhythmen entfremden, desto weniger wird sinnstiftende Notwendigkeit für das Kind erlebbar. Das ist kein Grund zur Klage, da sich daraus für unser Leben auch wiederum viele Vorteile ergeben. Aber an die Stelle von Notwendigkeit tritt heute vielfach Beliebigkeit: Ob ich zum Beispiel mein Zimmer aufräume oder nicht, ist nicht wirklich folgenreich. Auch die Notwendigkeit von Schulaufgaben erlebt das Kind nur selten direkt aus der Aufgabenstellung. Hat das Kind allerdings die Verantwortung für ein Tier übernommen, so muss es gefüttert werden - auch wenn die Lust fehlt.

 

Einmaligkeit - Regelmäßigkeit

In welcher Weise wird das Erleben einer Tätigkeit anders, wenn man sie mehrmals ausführt? Neben der Stärkung des Willens und der damit einsetzenden Fähigkeitsbildung, verbindet sich der Mensch erst in der Regelmäßigkeit ganz mit seiner Tätigkeit. Dies kann eine einmalige Veranstaltung niemals leisten.

 

Kreisläufe bilden - Notwendigkeiten schaffen - regelmäßig tätig sein

 

Der Beginn

Begeistert von der Idee einer Kinderbäckerei schrieben die Kinder zwei Briefe. Der erste ging an Frau Björkamo, die für die Lehrküche an unserer Schule verantwortlich ist. Darin fragten wir, ob es möglich sei, die 4 Backöfen für die Kinderbäckerei zu nutzen. Wir erhielten eine Zusage. Dann formulierten die Kinder Briefe an den Alnatura-Chef Prof. Götz Rehn mit der Frage, ob uns Alnatura ein ganzes Jahr lang alle Zutaten spenden würde. Wir erhielten zu unserer großen Freude ganz schnell eine positive Antwort.

Nun legten wir den Preis für ein 300 g Vollkorndinkelbrot auf 3 € fest. Immerhin handelte es sich ja um ein durch Kinderfleiß veredeltes reines Vollkornbrot.

Uns war von Anfang an klar, dass wir das eingenommene Geld nicht für uns behalten wollten. Am Ende des Jahres wollten wir es für Kinder spenden, die in armen Ländern nicht so selbstverständlich jeden Tag Brot essen können. Daher werden wir eine Patenschaft für ein Kind in Südafrika übernehmen und hoffen, dass sich ein Briefkontakt und ein Austausch ergeben wird. Ein Kreislauf rundet sich.

 

Buchführung

Zuerst mussten wir investieren und Geld verauslagen. 17 Backformen und 17 Schüsseln mussten gekauft werden. Dadurch begannen wir unsere Kinderbäckerei mit 141,00 € Investitionskosten. Alle Ausgaben und alle Einnahmen wurden säuberlich in eine Liste eingetragen, sodass wir zu jeder Zeit wussten, wie hoch unser Ergebnis lag. Jede Woche ergänzten wir unsere Buchführung in unserem Backhefter. Insgesamt werden wir Einnahmen von rund 1.000 Euro haben!!!

 

Käufer

Wir wollten, wie dies auch in einer richtigen Bäckerei der Fall ist, nicht nur für uns selbst backen. Daher wendeten wir uns über die Ranzenpost an die ganze Schulgemeinschaft. Mit einem Bestellzettel konnte man 6, bzw. 3 Wochen lang jeweils ein Brot vorbestellen. Damit war Notwenigkeit geschaffen. Die Brote waren vorbestellt - also musste auch ordentlich gebacken werden.

 

Jeden Mittwochmorgen

Der Mittwoch begann für mich als Lehrer eine Viertelstunde früher als normal. Es galt die Teigschüsseln vorzubereiten. Damit ein mühsames Abwiegen des Mehls entfiel, hatte ich mir einen Becher besorgt, der - oben glatt gestrichen - die richtige Mehlmenge fasste. So ging das Verteilen in die 17 Schüsseln zügig. Hinzu kam ein Löffel Salz, ein halber Löffel Brotgewürz und etwas Honig, der sich sauber und unkompliziert aus einer Druckflasche hinzugeben ließ. Die frischen Hefewürfel wurden halbiert und lauwarmes Wasser wurde wiederum mit einem Becher entsprechender Größe randvoll gefüllt und in 17 Becher verteilt.

Kinder, die früher kamen, konnten helfen. Die 17 vorbereiteten Becher und Schüssel wurden auf die Tische gestellt, hinzukam der halbe Hefewürfel und ein Geschirrtuch zum Abdecken.

Nach dem Morgenspruch und den Zeugnissprüchen begann sofort der erste Knetvorgang. An jedem Tisch knetete ein Kind, das andere gab langsam das Wasser hinzu. Die Kinder lernten immer besser mit dem Verhältnis von Mehl und Wasser umzugehen. Nach etwa 15 Minuten wurde der Teig abgedeckt, nun durfte er gehen. Die eine Hälfte der Kinder wusch sich die Hände. Dann hatten wir Zeit für den Rhythmischen Teil: Es wurde etwas 20 - 25 Minuten gesungen und geflötet. Jetzt war der Teig aufgegangen. Es war immer wieder ein Aha-Erlebnis, wenn das Geschirrtuch gelüftet wurde. Fast ein wenig wie Zauberei. Nun knetete das andere Kind. Die Formen wurden eingemehlt und ausgeteilt und am Ende standen alle gefüllten Brotformen vorne auf dem ersten Tisch. Frau Böpple (eine Mutter), die immer half, ging nun mit drei Kindern in die Lehrküche und tat das Brot in die Öfen. Noch einmal mussten die Hände gewaschen werden und um 9.00 Uhr konnten wir mit dem Thema der Epoche beginnen.

Ein Luxus war nun, dass Frau Böpple für uns die 17 Schüsseln und nachher auch die Brotformen wusch. Schon nach 55 Minuten waren die Brote fertig. Der Verkauf fand in der 2. großen Pause in unserem Klassenraum statt. Zum Einpacken hatten wir sogar Alnatura-Papiertüten bekommen. Jeweils drei Kinder durften die Käufer auf der Liste abhaken, kassieren und die Brote eintüten.

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