Der Regenwurm

Der Regenwurm hat große Sorgen,
kein Regen mehr seit tausend Stund,
ein einz’ges Tröpflein Tau heut Morgen,
vor Durst ist er schon nimmer rund.

Mit seiner allerletzten Kraft
kriecht er zum Rhabarberstrauch
und saugt den schrecklich sauren Saft
in seinen leeren dünnen Bauch.

Dann schläft er vor Erschöpfung ein,
grad unter dem Rhabarberdach
und träumt von süßem Beerenwein,
bis er erwacht von Donnerkrach.

Es prasselt auf den Unterstand,
er badet in den Pfützen,
es regnet wohl im ganzen Land,
kein Wurm muss jetzt mehr schwitzen.


Marianne Martig-Kälin

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