Vom Hund, der nicht teilen wollte

Ein junger Hund, so stark und stolz,
mit einem Strick gebunden
an einen großen Pfahl aus Holz,
döst vor sich hin seit Stunden.

Sein Schönheitsschlaf ist prompt vorbei:
Ein Kater kommt zum Hunde.
Im Fressnapf sah er allerlei.
Das Wasser tropft im Munde.

Ganz höflich fragt der Kater nun,
ob Teilen möglich wäre,
genauso, wie es Freunde tun.
Es sei ihm eine Ehre.

Das sieht der Hund jedoch nicht ein.
Er hält nicht viel vom Teilen,
frisst lieber alles ganz allein
und muss sich nicht beeilen.

Der Hund knurrt laut; der Kater flieht
und springt hoch in die Äste,
von wo aus er den Hund gut sieht,
der meint, er sei der Beste.

Zufrieden legt der Hund sich hin.
Er glaubt, er sei der Sieger.
Es kommt ihm gar nicht in den Sinn,
der Kater käme wieder.

Der Kater kehrt jedoch zurück
und tanzt vor seiner Nase.
Er nähert sich ihm Stück für Stück,
das bringt den Hund in Rage.

Und schon beginnt der wilde Lauf
im Kreise um den Pfosten.
So wickelt sich der Strick schnell auf,
begrenzt des Hundes Posten.

Der Hund verfängt sich selbst im Seil,
er stürzt, kann nicht mehr weiter.
Doch Katerchen freut sich derweil:
Er ist nun los den Streiter.

Der Kater läuft zum Futter schnell
und lässt sich nichts entgehen.
Dem Hund nützt nun auch kein Gebell.
Jetzt wird er leer ausgehen.

Hätt er doch lieber gleich geteilt!
Gereicht hätt es für beide.
Doch Hündchen wollte lieber Streit.
Nun leide, Hündchen, leide!

Jana Lippmann


 

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