Leidensgenossen

Ein Skunk aus dem Indianerland
sich eines Tags im Zoo befand.
Fortan lebte das selt’ne Tier
in seinem Frankfurter Revier.
Bestaunt von allen, die da kamen,
doch hasste es den neuen Namen.
„Ein Stinktier, schau!“, so riefen alle,
das ging dem Armen an die Galle.
„Mein Duft stinkt vielen, das ist wahr,
doch lasst an mir ein gutes Haar.
Ich bin doch herrlich anzusehn,
mit Streifen schwarz-weiß, wunderschön.“
Das Tier fand es höchst ungerecht
und die Bezeichnung grottenschlecht.
Als Skunk, so wurde er geboren,
und war zum Stinktier nun erkoren?
Ein Vogel hörte dessen Klag’,
besuchte ihn am nächsten Tag.
„He, Skunk, ich kann dich gut verstehn,
mir soll es hier nicht anders gehn.
Von Cockatoo im fernen Land,
wurd’ Kakadu ich zwangsbenannt.“
„Ach Kakadu, du armer Tropf,
mit deinem strahlend gelben Schopf,
trägst du als stolze Vogeldame
dieses Kaka nun als Name?“
„Mir stinkt’s, pardon, ich hab es satt,
wir ziehn in eine andre Stadt.“
„Ein andres Land muss es schon sein“,
warf sogleich das Stinktier ein.
Man zog gen Westen übern Rhein
und traf alsbald in Frankreich ein.
Man nannt’ das Stinktier dort Moufette,
das klang doch wirklich äußerst nett.
Der Kakadu war ganz gespannt
auf die Bezeichnung hier im Land.
Dass Cacatois fortan er heiße,
das fand der Kakadu echt ...

Gabriele Brassard

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