Das Märchen

Das Märchen von des Recken Hose, die rutschte bei den Heckenrosen

Auf Kissen dreier Lagen saß
ein Schwesternpaar, das Sagen las:

Als die Maid im Regen sang,
ihr Held – mit ihrem Segen – rang.

„Der Knopf!“, rief’s von der Rosenhecke,
„Gib Acht! Verlierst die Hose, Recke!“

Drauf warf sie ihm den Fingerring,
den der geschickte Ringer fing,

dass er darum den Faden winde,
die Hos’ nicht an den Waden finde.

Der Feind, damit – ob Ringers Schwäche –
er flugs die Wucht des Schwingers räche,

schlug zu und traf des Recken Hand,
den warf es an den Heckenrand.

Worauf er - ohne Zwecke – hickte
und Zweige von der Hecke zwickte.

Er sprach: „Glaub nicht, ich winke lange“,
und schlug dem Feind die linke Wange.

Der Gegner zeigt die leere Hand.
Er räumte flugs das hehre Land,

worauf er sich zum Trosse schlug.
Der Held die Maid zum Schlosse trug.

„Kredenz’ ich dir, mein Hagen, Saft!“
„Das wäre wirklich sagenhaft!“

Er sprach, sie beide seien frei,
doch schöner noch das Freien sei.

Sie wurde weich wie Watte gar
als Hagen dann ihr Gatte war.


Den Finger tief im Nasenloch
die Mädchen nächtens lasen noch.

Rosemai M. Schmidt

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