Eine Fadenspielgeschichte

Ein Beitrag von Ludger Helming-Jacoby

Fadenspiele –Spielhinweise und Literatur

Das Fadenspielen ist pädagogisch sehr wertvoll: Es fördert die Feinmotorik und damit auch die Denkfähigkeit, die Raumesvorstellung und das Gedächtnis. Man kann überall spielen (etwa auf langen Autofahrten!), ohne besondere Materialien zu benötigen – ein zwei Meter langer Faden findet sich leicht. Die Enden können verknotet werden, wobei allerdings der Knoten beim Spielen etwas störend ist. Gut geeignet ist eine Kunststoffschnur, 3mm Durchmesser; sie hat den Vorteil, dass die Enden, über einer Kerzen– oder Gasflamme erhitzt, verschmolzen werden können. Gut bewährt hat sich eine 3mm-Fliesenschnur, im Baumarkt als 30m-Rolle erhältlich. 3mm-Kunststoffschnur gibt’s im Baumarkt häufig auch als Meterware. Sowohl die Fliesenschnur als auch die Rollenware sollte aber daraufhin überprüft werden, ob sie flexibel genug ist; solche Kunststoffschnüre sind manchmal sehr steif und eignen sich dann nicht so gut fürs Fadenspielen. Fertige Schnüre in verschiedenen Farben gibt es bei www.aboinudi.de (Link s. weiter unten) zu kaufen.
 


Bei Youtube finden sich inzwischen zahlreiche Fadenspiel-Videos („Fadenspiel“, „String figure“).

Anleitungen für die bei der „Hexenhäuschen“-Geschichte gezeigten Figuren:

  • Das Hexenhäuschen: Eigentlich heißt die Figur „Sibirische Hütte“, wobei der letzte Teil, bei dem die zwei Hüttenbewohner vor dem Eisbären weglaufen, entfällt. Zwei englischsprachige Videos („String figure Siberian hut“): www.youtube.com/watch?v=O5XrhvwB-bw, www.youtube.com/watch?v=ipTsHjRJzXc&t=64s
  • Der Hexenbesen: Es gibt mehrere Anleitungen unter „Fadenspiel Hexenbesen“.

Im Internet gibt es für die Sibirische Hütte und den Hexenbesen (und natürlich auch für zahlreiche andere Figuren) auch Anleitungen mit Bild und Text, die man unter den entsprechenden Stichworten googeln kann.

Die Rückverwandlung, vom Auto zum Hund, habe ich mir selber zurechtgetüftelt; wenn man es geschafft hat, Hund und Auto zu machen, ist dieser Schritt nicht allzu schwierig, man muss nur die Schritte vom Hund zum Auto rückwärts machen.

Text der Geschichte
Ich lief durch den Wald, war schon müde, ganz lahm,
als ich zu einem Hexenhäuschen kam.(Sibirische Hütte)
Die Tür stand auf, ich ging hinein;
es war niemand zu sehen*, ich war allein. (*jetzt mit dem Hexenbesen anfangen)
Ich sah mich um*; doch wie sah es da aus, (* Zeigefinger der re. Hand drehen)
so staubig , voll Spinnweben, wirklich ein Graus!
Da nahm ich den Besen, der in der Ecke stand,
und fegte den Boden und dann auch die Wand. (Jetzt mit dem „Hund“ beginnen)
Doch mit einem Mal stand die Hexe vor mir:
„Wie wunderbar!“, sagte sie. „Ich danke Dir!
Sag mir Deinen größten Wunsch ins Ohr!“
Ich beugte mich zur Hexe vor
und sagte ihr, was ich gerne hätt‘.
Da schmunzelte sie: „Dein Wunsch ist ja nett
und zu erfüllen auch nicht so schwer.“
Und sie schwang ihren Besen dreimal hin und her (Hände 3x hin- und herbewegen)
und im nächsten Augenblick – ich sah’s mit off‘nem Mund –
stand da ein kleiner Hund,
Mit großen Ohren und weißbraunem Fell.
Er bellte freundlich und lief zu mir schnell. (Hund laufen lassen)
Ich streichelte ihn. „Ich nenne dich ... Zaus!“ (den Hund mit dem Zeigef. streicheln; kurz überlegen)
Doch dann dacht‘ ich: „Wie komm ich mit dem Hund bloß nach Haus?“ (jetzt mit dem Auto anfangen)
Die Hexe schien zu wissen, was ich gedacht;
sie lachte: „Das ist doch leicht gemacht!“
Sie schwang ihren Besen dreimal zurück und vor; (Hände 3x zurück und vor bewegen)
und draußen stand ein Auto mit laufendem Motor!
„Steig ein“, sagte sie, „es bringt dich vor deine Tür
und fährt dann von selbst zurück zu mir.“
Ich sagte noch: „Vielen Dank für den Hund!“ –
„Dir dank ich fürs Fegen! Bleibt munter und gesund!“
Ich stieg nun ein, nahm den Hund auf den Schoß;
da fuhr das Auto auch schon los.
Und in nichtmal ‘ner halben Stund‘
warn wir zuhaus, ich und mein kleiner Hund.
Tatsächlich fuhr das Auto von selber zurück;
und ich hatte einen Hund – was für ein Glück! (Auto →Hund)
Oft noch streift‘ ich mit ihm im Wald umher, (Hund läuft von rechts nach links)
Doch das Hexenhäuschen sah ich nie mehr!
„Komm jetzt, Zaus,wir gehn nach Haus!“ (Hund läuft von links nach rechts)
Und die Geschichte ist aus!
 


Weiteres Fadenspiel-Websites:

Hier noch einige Literaturhinweise.

  • Jost Elffers u.a., Das Hexenspiel – Finger-Fadenspiele neu entdeckt, DuMont-Verlag, vergriffen, übers Internet erhältlich; viele, durch Fotos erklärte Figuren von mittelschwer bis sehr schwer. Der völker­kundliche Hintergrund der Fadenspiele wird in diesem Buch in schöner Weise einbezogen. Empfehlenswert! Lohnend ist es, die broschierte Ausgabe zu kaufen; sie ist zwar teurer als die Taschenbuchausgabe, aber mit größeren Fotos versehen, und sie geht nicht so leicht aus dem Leim.
  • Christel Dhom, Fadenspiele – Mit Freude Hände und Gehirn trainieren, Verlag Freies Geistesleben; zumeist gut nachvollziehbare Erklärungen, großformatige Fotos von fadenspielenden Kindern.

Wenn man mit englischen Texten zurechtkommt, findet man bei Amazon unter „Bücher (Fremdsprachig)“, Stichwort „string games“ oder „string figures“, eine große Auswahl an teilweise sehr preiswerten Büchern. Um nur zwei zu nennen:

  • Steve und Megumi Biddle, Magical string, Taschenbuch
  • Joanmarie Kalter, The World’s Best String Games

Ludger Helming-Jacoby (hejac3@web.de)

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