Forstpraktikum der Klasse 7

Gioia, Clara, Katharina und einige andere 7.Klässler, B. Schaper (Klassenlehrerin an der Freien Waldorfschule Hannover-Bothfeld)

Reise und Ankunft:

Als sich das 7. Schuljahr dem Ende zuneigte, ging unsere Klassenfahrt gerade erst richtig los. Die Zugfahrt musste gebucht, das Haus reserviert und die Zimmereinteilung geplant sowie die Koffer und Rucksäcke gepackt werden. Nachdem alles bedacht war, saßen schließlich alle Schülerinnen und Schüler im Zug und die Klassenfahrt konnte beginnen. Nach einer zweistündigen Fahrt, mit Umsteigen in Göttingen, kamen wir am Bahnhof der kleinen Stadt Hannoversch Münden an. Nachdem sich einige von uns mit zusätzlichen Snacks und Getränken versorgt hatten, mussten wir, zum Leidwesen mancher, die zweistündige Wanderung zum Haus Steinberg antreten. Aus zwei Stunden wurden gefühlte 10 Stunden, da der direkte Weg leider nicht gleich gefunden wurde, aber nach kurzer Neuorientierung und der Mithilfe eines Wanderers, konnten wir das Haus Steinberg nach 3,5 Stunden endlich erreichen. Natur- und körperliche Selbsterfahrung von der ersten Minute an! Wie gut, dass die Rücksäcke und Koffer mit dem Anhänger transportiert worden waren! Mit Fuß- und Beinschmerzen kamen einige oben an, andere hingegen kamen erst richtig in Fahrt und belagerten schon kurze Zeit später den Fuß- und Basketballplatz. Das Gerangel um die schönsten Zimmer war bald vorüber und jeder hatte eine Bleibe gefunden, sodass die ereignisreiche Woche weitergehen konnte.

 

Das Waldpädagogikzentrum:

Mit Frau Sechtling als Försterin und Leiterin des Waldpädagogikzentrums hatten wir das große Los gezogen. Sie begrüßte uns nicht nur ausgesprochen herzlich, sondern erklärte uns vom ersten bis zum letzten Tag alle Regeln, Arbeitsabläufe und viele interessante Themen über den Wald, die Tier- und Pflanzenwelt sowie das Klimaschutzprogramm des Hauses mit unglaublicher Ruhe, Freundlichkeit und Klarheit. Eine Försterin, die nicht nur ihren Beruf liebt, sondern auch die Gabe besitzt, ihr Wissen und die Notwendigkeit des Umwelt- und Klimaschutzes mit Begeisterung weiterzugeben! Großartig und hoffentlich noch von vielen anderen Klassen zu erleben, auch wenn wir sicherlich nicht den ersten Preis beim Sammeln von Klimaschutzpunkten gemacht haben!

 

Wecken am Morgen:

Bereits um 4.00 Uhr früh weckte der Hahn mit seinem Krähen viele 7.Klässler! Eine ungewohnte und noch nie erlebte Situation für viele Städter, die den Hahn lieber im Kochtopf gesehen hätten, als ihn täglich so früh zu hören. Wer das Glück hatte, noch einmal einzuschlafen, wurde allerdings um 5.45 Uhr endgültig geweckt. Am ersten Tag schleppten sich einige Schülerinnen und Schüler nur mühsam zum Waschraum, aber schon ab dem 2.Tag war der morgendliche Ablauf klar und um 7.00 Uhr standen alle in Arbeitskleidung und mit Proviant vor den wartenden Waldarbeitern und dem Haus- und Küchenteam.

 

Wald- und Hausarbeit:

Die täglich wechselnden Arbeitsgruppen begaben sich von 7.00 - 12.30 Uhr an in die unterschiedlichen Aufgabenbereiche und es galt nicht nur den Arbeitsalltag der Waldarbeiter kennenzulernen, sondern auch geschickt und tatkräftig mitzuarbeiten.

 

Bäume fällen und Holz hacken:

Diese Gruppe machte sich stets zu Fuß auf den Weg in die umliegenden Waldbereiche, ausgestattet mit Motorsäge, Sägen, Hacken und Beilen. Frau Sechtling hatte kranke oder nicht gut gewachsene Bäume sowie Bäume, die zu dicht standen, markiert und diese galt es zu fällen. Einige besonders große und hohe Bäume wurden zuvor mit der Motorsäge gefällt und in Hackklötze geschnitten, so dass die Gruppe sich erst anschließend mit der Spaltaxt an das Hacken von Brennholz begeben konnte. Hierbei konnten einige 7.Klässler nicht nur ihre Kräfte voll ausleben, sondern auch ungeahnte Fähigkeiten im Umgang mit der Spaltaxt erwerben. Um das Erlebnis des Baumfällens selbst zu erfahren, wurden kleinere Bäume mit der (Hand-)Säge gefällt und es war schon erstaunlich, wie lang es dauerte, bis ein kleiner Baum mit der eigenen Muskelkraft umgelegt war. Da galt es die Säge sowie die Axt immer abwechselnd in der Gruppe zu bedienen, bis der Baum endlich fiel! Mit voll bepackten Schubkarren kam diese Gruppe täglich zurück zum Haus und füllte die Brennholzvorräte, die wir selber am Abend für das tägliche Feuer in der Köhlerhütte auch nutzten, wieder auf!

 

Hochsitzbau:

In der nahe am Haus gelegenen Werkhalle wurden täglich mehrere neue Hochsitze gebaut. Das Holz musste(n) vermessen und gesägt und die verschiedenen Bauteile gut zusammengestellt werden. Das exakte Zusammenbauen des Hochsitzes war nicht ganz leicht. Jedes Brett musste genau sitzen und festgenagelt werden, damit Leiter, Sitzfläche und Dach auch tatsächlich einen stabilen Hochsitz ausmachten. Einige waren bei dieser Arbeit sehr geschickt und ausdauernd, andere mussten sich von der Waldarbeiterin immer mal wieder in Schwung bringen lassen. Hier entstanden die Hochsitze, die von zwei weiteren Gruppen an den folgenden Tagen bereits in den Wäldern der Forstregion Hannoversch Münden aufgestellt wurden. Dazu kamen das Freischneiden von Schneisen und Sitzplätzen sowie das Abbauen und Zerlegen der alten Hochsitze. Auch hierbei konnte man seine Kräfte oder auch schon lang angestaute Aggressionen gut ausleben und sinnvoll einsetzen. Interessante und zuweilen recht schnelle Fahrten in den VW-Bussen plus Anhänger führten diese Gruppen über weite Waldwege und durch wunderschöne Wälder!

 

Haus und Garten:

Wer noch nicht wusste, was ein gründlicher Arbeits- und Putzeinsatz in einem Jugendgästehaus umfasst, der konnte hier alle Details ge-nauestens kennenlernen: Fegen, saugen, wischen, Staub wischen in allen Zimmern und Fluren, natürlich das Reinigen der Wasch-, Dusch- und Toilettenräume, Müll sortieren. Küchen- und Gartendienst gehörten auch dazu, damit das Morgen-, Mittag- und Abendessen stets für alle auf dem Tisch stand! Zwischendurch durfte man sich auf den Betten ausruhen oder die umfassenden Süßigkeitsbestände mancher Mitschülerinnen und Mitschüler verringern. Wie gut, dass es auch einen Kiosk im Haus gab, sodass niemand an Unterzuckerung leiden musste! Am Ende wurden noch die unzähligen nassen Handtücher und weitere Kleidungsstücke auf die Wäscheleinen gehängt, sodass das Haus-Team mittags zufrieden mit allen anderen am Tisch sitzen konnte.

 

Freie Zeit:

Wenn die Waldarbeit getan war, hatten wir endlich Zeit für uns! Auf diese Stunden freute sich immer jeder, da man eine große Auswahl an Aktivitäten hatte: Ich persönlich liebte es mit meinen Freundinnen Billard zu spielen, auch wenn wir die Regeln nicht ganz verstanden haben. Einige andere ließen sich von Herrn Meier-Limberg, der ein echter Boule-Profi ist, das Spiel erklären; danach versuchten sie ihn mit großem Enthusiasmus zu schlagen. Viele andere testeten den Seerosenteich aus und man sah täglich kleine Grüppchen dort hinunter wandern. Die Atmosphäre an diesen Teich war wirklich etwas Besonderes, da immer ein leichter Dunst über dem See hing. Dies verlieh dem Ort eine geheimnisvolle Stimmung! Auch Basketball und Fußball spielen war für einige die perfekte Freizeitbeschäftigung. Außerdem war es interessant zu sehen, dass auch die Lehrer, Frau Schaper und Herr Meier-Limberg, mal abschalten konnten, sich entspannten und in der Sonne auf der Bank saßen. An zwei Nachmittagen gab es noch einen Bo-genschießkurs und eine GPS-Tour durch den Wald. Beides wurde mit großer Begeisterung durchgeführt und niemand ging im Wald verloren!

 

Nachts unter freiem Himmel:

Mich persönlich haben Nachtwanderungen noch nie begeistert, doch dieses Mal sollte sich alles ändern. In der Dämmerung machten wir uns auf den Weg in den Wald, ausgerüstet mit einem mulmigen Gefühl. Dieses Gefühl verbesserte sich nicht gerade, als es immer dunkler wurde und wir immer tiefer in das Dickicht wanderten. Schon bald konnte man die ersten merkwürdigen Geräusche hören und kleine Fledermäuse schwirrten aus ihren Verstecken. Nachdem wir durch eine halbhohe Dornenhecke gegangen waren, fanden wir uns auf einer stern- und monderleuchtete Lichtung mit einem klaren See wieder. In seiner glatten Oberfläche spiegelte sich der Vollmond, der langsam hinter den Wolken auftauchte. Es war eine wunderschöne Stimmung und ist kaum zu beschreiben. Auf einmal hörten wir einen klagenden Schrei. Unsere Försterin erzählte uns, dass vor einigen Wochen zwei Luchs-Junge wegen einer ansteckenden Krankheit eingeschläfert werden mussten. Als Hinterbliebene schien die Mutter nun um ihre verlorenen Kinder zu weinen. Nach dieser aufwühlenden und zugleich berührenden Geschichte konnten wir noch mit einem speziellen Gerät, die Töne der Fledermäuse hören. Anschließend machten wir uns auf den Weg zurück zum Haus. Nach kleineren erschreckenden Erlebnissen in der Dunkelheit des Waldes, aber auch mit wunderschön hell aufleuchtenden Glühwürmchen, meisterten wir schließlich auch das letzte Wegstück, welches jeder allein ging. Diese Nachtwanderung war etwas ganz Besonderes. Nachts allein im Wald, das sollte jeder einmal erleben dürfen!

 

Abreise:

Die Zeit verlief wie im Fluge und obwohl viele sich ausschließlich vegetarisch ernährten, wurde am letzten Tag noch gegrillt. Herr Meier-Limberg und Joshua zauberten zu den vegetarischen Köstlichkeiten nicht nur „normale" Bratwürste und Steaks, sondern auch köstliche Wildspezialitäten aus der Region. Das Stockbrot in der Köhlerhütte durfte dabei genau so wenig fehlen wie das Krökeln und Basketballspielen.
Nach nur fünf Tagen in den Wäldern um Hannoversch Münden verließen wir diesen wunderbaren Ort wieder. Es waren zwar nur wenige Tage, um die Großstadt und den gewohnten Schulalltag zu verlassen, aber genügend Zeit, um gute und neue Erfahrungen in der Natur, bei der Waldarbeit und in der Gemeinschaft der Klasse zu sammeln.

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