Ganzjähriges Betriebspraktikum (10. Klasse)

Freie Waldorfschule auf der Alb

Das Praktikum beginnt in Klasse 10 (2. Halbjahr) mit 2 durchgehenden Arbeitswochen, die ein erstes intensives Kennenlernen des Praktikumsplatzes ermöglichen.

Es folgen: 2 Tage im Betrieb, 3 Tage Vollzeitschule, jede Woche, außer in den Schulferien und an schulfreien Tagen.

Die Jugendlichen bringen ein hohes Maß an Leistungsbereitschaft und Einsatz mit, um sich für die Berufswelt vorzubereiten und gleichzeitig einen Schulabschluss, der ihren Möglichkeiten entspricht, zu erreichen. Während der Praktikumszeit werden die Schüler und Schülerinnen von 2 Praktikumsbetreuern begleitet. Die Schüler und Schülerinnen treffen sich meist einmal wöchentlich mit ihrem Praktikumsbetreuer um anstehende Fragen und Probleme zu besprechen. Zusätzlich besuchen die Betreuer jeden Schüler mindestens einmal pro Halbjahr an seinem Praktikumsplatz. Im Praktikum wird von den Schülern wöchentlich ein Arbeitsbericht erstellt, in dem sich ihre Tätigkeit und ihre Erfahrungen in der Arbeitswelt widerspiegeln. In der Regel soll die Praktikumsstelle nach einem halben Jahr gewechselt werden. Dadurch können Erfahrungen aus der ersten Bewerbungsphase und Praktikumszeit in die zweite sinnvoll eingebracht und umgesetzt werden. So sind direkt am Leben Lernprozesse möglich.

 

Arbeitswelt und Waldorfpädagogik

Aus diesen und anderen Erkenntnissen heraus wurde für die Jugendlichen eine Möglichkeit geschaffen in "Echtsituation zu lernen": Es entstand das Betriebspraktikum!
In komplexen Arbeitssituationen können die Schülerinnen und Schüler Erlerntes aus allen Bereichen der Waldorfpädagogik und des Unterrichts einsetzen und ausprobieren. In einem noch geschützten Rahmen (der Schule) werden realistische Einblicke und Ausblicke in zukünftige Arbeitsgebiete möglich.

Wir bekamen in den letzten 3 Jahren die unterschiedlichsten Reaktionen auf das Betriebspraktikum. Auffallend war die große Bereitschaft von Institutionen, sozialen Einrichtungen und Unternehmen jeder Größenordnung sich für die Jugendlichen zu engagieren. Sehr häufig wurde ein großer materieller und persönlicher Aufwand betrieben, um sehr gute bis optimale Praktikumsvoraussetzungen zu schaffen.
Bemerkenswert war auch, dass unseren Jugendlichen, entgegen vieler Vorurteile, eine hohe Einsatzbereitschaft und meist schon sehr gut ausgebildete Schlüsselqualifikationen bescheinigt wurden.

 

Ziele

Ist Lebenserfahrung messbar? Welche Noten werden für ein Praktikum vergeben? Wieso machen wir ein Jahr lang Betriebspraktikum, das einen so großen Einsatz von Jugendlichen, Eltern und Lehrern verlangt?

Ein zentrales Anliegen des Praktikums ist die Vorbereitung der Jugendlichen auf ihr späteres Leben. Schule ist nicht für sich selbst da, sondern hat einen klaren Auftrag am Menschen und an der Gesellschaft. Das spätere Berufsleben nimmt einen Großteil der Lebenszeit in Anspruch und somit muss man sich die Frage stellen, welche Anforderungen stellt das Berufsleben nach der Schule an die Jugendlichen.
Sind es erstklassige Noten, der schnelle Weg zum Abitur oder andere messbare "Eigenschaften"? Unsere Fragen an die Berufswelt haben vor mehr als 5 Jahren, als das Oberstufenkonzept geplant wurde, erstaunliche Antworten ergeben:

Es wurde der junge Mensch gesucht mit:

  • Teamfähigkeit
  • Zuverlässigkeit
  • Kreativität
  • Durch haltevermögen
  • sozialer Kompetenz
  • Selbstständigkeit
  • Einfühlungsvermögen
  • Flexibilität
  • fundierter Allgemeinbildung

Wesentliche Qualitäten sind also Zuverlässigkeit, Durchhaltevermögen, Selbstständigkeit usw. Durch die Dauer unseres Praktikums von einem Jahr wird der Arbeitsalltag in den Lebensalltag des Jugendlichen integriert und er kann die oben genannten Qualifikationen entwickeln und stärken. Es hat sich auch gezeigt, dass die Schüler meist schon nach kurzer Zeit selbstständig Aufgaben übernehmen konnten - so entsteht Selbstbewusstsein im Jugendlichen.

Ein weiteres Ziel ist es, die in diesem Lebensalter zu beobachtende Schulmüdigkeit überwinden zu helfen, indem die Jugendlichen im "wirklichen" Leben, wenn es also "um etwas geht", wenn es sich um Ernstsituationen handelt, ganz persönlich gefordert werden. So entdecken sie neue Energien in sich und der Blick wird weg von sich, hin auf die Welt gerichtet.

 

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