Betriebspraktikum der Realschulklassen (12. Klasse)

Ein Beitrag von Markus Martin (Lehrer an der Freien Waldorfschule Engelberg)

Eintauchen in die Praxis

Vor vier Jahren wurde im Rahmen der Oberstufenreform hier in der Freien Waldorfschule Engelberg ein Betriebspraktikum installiert. Immer mittwochs verlassen die Schüler der 12er Realschulklassen komplett die Schule und sind in einem Betrieb praktisch tätig. Wie sind die Erfahrungen, wie kommt diese Maßnahme an, wie sehen sie die Schüler? Herr Handte, der die Realschulabschlussklassen seit drei Jahren regelmäßig als Klassenbetreuer betreut, erzählt über seine Arbeit und beantwortet unsere Fragen.

Lassen Sie mich zunächst zum Ablauf des Praktikums etwas sagen. Jeder Schüler hat die Aufgabe spätestens nach den Sommerferien mit der aktiven Suche nach einer Praktikumsstelle zu beginnen. Anfang Oktober muss die Suche dann abgeschlossen sein, denn dann beginnt während der Herbstferien der einwöchige Arbeits-Block und erst danach wird das Praktikum jeweils mittwochs, ganztägig fortgesetzt bis etwa zu den Osterferien. Insgesamt kommen so etwa 28 Arbeitstage zusammen, was dann knapp eineinhalb Arbeitsmonaten entspricht. Während des Praktikums führen die Schüler ein Berichtsheft und am Ende gibt es einen kleinen Vortrag bei dem in den letzten Jahren Schüler der elften Klasse zu Gast waren.

Und weshalb entstand überhaupt die Idee, die Schüler der 12 R in ein Betriebspraktikum zu schicken?

Lassen Sie mich zunächst zum Ablauf des Praktikums etwas sagen. Jeder Schüler hat die Aufgabe spätestens nach den Sommerferien mit der aktiven Suche nach einer Praktikumsstelle zu beginnen. Anfang Oktober muss die Suche dann abgeschlossen sein, denn dann beginnt während der Herbstferien der einwöchige Arbeits-Block und erst danach wird das Praktikum jeweils mittwochs, ganztägig fortgesetzt bis etwa zu den Osterferien. Insgesamt kommen so etwa 28 Arbeitstage zusammen, was dann knapp eineinhalb Arbeitsmonaten entspricht. Während des Praktikums führen die Schüler ein Berichtsheft und am Ende gibt es einen kleinen Vortrag bei dem in den letzten Jahren Schüler der elften Klasse zu Gast waren.

Wie sehen denn die Schüler ihr Praktikum von der strukturellen Anlage her, etwa was den Zeitpunkt, die Länge oder die Auswahlfreiheit des Betriebes angeht?

Anknüpfend an die Praktika, die wir seit langem an der Waldorfschule haben, zum Beispiel Landwirtschaftspraktikum und Sozialpraktikum in der zehnten und elften Klasse, wo das Praktikumsthema, die Berufsfelder bewusst vorgegeben sind, ist es ein Charakteristikum des Berufspraktikums in der zwölften Klasse, dass die Schüler sowohl den Beruf als auch die Betriebe nach ihren individuellen Wünschen selber aussuchen dürfen. Das finden die Schüler natürlich richtig gut. Aber eine objektive Beurteilung der Form des Praktikums kann von den Schülern, glaube ich, eher nicht erwartet werden, sie richtet sich in der Regel nach den konkreten Erlebnissen, die Ihnen in den Betrieben widerfahren und diese Erlebnisse können, wie aus dem Berufsleben allgemein bekannt, unterschiedlicher kaum sein.

Haben Sie Stimmen aus den Betrieben ? Welche Rückmeldungen gibt es von dort?

Ich musste am Anfang meiner Tätigkeit feststellen, dass die allermeisten Firmen und Organisationen regelmäßig mit Anfragen für Praktikumsplätzen für Schüler zu tun haben, manche sogar überhäuft werden und viele Betriebe darauf eingerichtet sind Praktika durchzuführen. Das Berufspraktikum, das die meisten Staatsschulen standardmäßig durchführen, ist in der Regel eine Woche lang und so haben sich viele Betriebe auf diesen Zeitraum eingestellt. 

Unsere Form des Praktikums über einen längeren Zeitraum mit in der Regel auch älteren Schülern ruft bei vielen Betrieben zunächst Erstaunen hervor.

Es gibt Betriebe, und das sind vor allem Großbetriebe und Konzerne, die diese Form des Praktikums in ihren Ablauf nicht integrieren können. Viele mittlere und kleine Betriebe sind aber auch begeistert und freuen sich über die langfristige Zusammenarbeit mit den Schülern und die Möglichkeit, den einzelnen besser kennen zu lernen. Dies spielt insbesondere dann eine Rolle, wenn die Betriebe das Praktikum nutzen, um zukünftige Mitarbeiter zu suchen. Es gibt Firmen, die schon drei Praktikanten unserer Schule hatten und sehr zufrieden sind. In einem Jahr hatte ich zwei Schüler in unterschiedlichen Arztpraxen gleicher Fachrichtung - aus der einen kam die Rückmeldung, dass man sich auf diese Form des Praktikums nicht mehr einlassen werde, weil es schwierig sei, den Schüler einmal in der Woche in den Ablauf zu integrieren - die andere Praxis war hochzufrieden: es sei ideal, wenn ein Praktikant nur einmal die Woche da sei, da könne man entsprechende Arbeiten vorbereiten, der Schüler sei jeden Mittwoch hoch motiviert im Betrieb erschienen und hätte seinen Arbeitstag wohl in Gedanken schon gründlich vorbereitet. So komme ich zu dem Schluss, dass die Beurteilung der Form des Praktikums seitens der Betriebe stark davon abhängt, wie die konkrete Zusammenarbeit mit dem Schüler gelingt.

Sie haben schon einige Ziele genannt, die mit dem Praktikum erreicht werden sollen. Gibt es konkret nennbare Erfolge?

Ich glaube, hier kommt es ganz stark auf den Blickwinkel an. Für manchen Schüler ist es ein Erfolg, wenn er zum ersten Mal von Mutters Rockzipfel weg kommt und mit der Berufswelt konfrontiert wird, ganz gleich, ob er dabei positive oder negative Erlebnis hat. Ein Erfolg kann auch sein, wenn eine Schülerin im Laufe des Praktikums leidvoll bemerken muss, dass das gewählte Berufsfeld so ganz und gar nicht zu ihr passt und dadurch angeregt wird, sich anders zu orientieren. Viele Schülerinnen und Schüler werden durch die positiven Erfahrungen im Praktikum in ihrer Berufswahl bestärkt. Natürlich kommt es Jahr für Jahr mehrfach vor, dass sich aus dem Praktikum ein Ausbildungsverhältnis ergibt. Und immer wieder gelingt es auch herauszufinden, ob die Mitarbeit im elterlichen Betrieb Zukunft hat. Manch zielstrebiger Schüler, der längst schon einen festen Ausbildungsplatz hat, der während der Ferien in vielerlei Betrieben gejobbt hat und mehrere selbst organisierte Praktika hinter sich hat, nutzt unser Berufspraktikum, um seine Erfahrungen, seine Menschenkenntnis zu erweitern.

Wie sieht es denn mit der Belastung des Klassenbetreuers aus. Viel Arbeit durch das Praktikum?

Meine Arbeit ist - wie kann es anders sein - eine typisch pädagogische: Ich bringe das Thema rechtzeitig an die Schüler heran, manchmal helfe ich eher vage Vorstellungen zu konkretisieren und kümmere mich darum, dass sich jeder rechtzeitig bewirbt, Bewerbungsgespräche wahrnimmt und so also rechtzeitig einen festen Praktikumsplatz hat. Natürlich helfen die Schüler und auch Eltern mit. Ich schreibe alle Betriebe an und informiere über die Rahmenbedingungen. Während des Praktikums besuche ich jeden Schüler mindestens einmal an seinem Arbeitsplatz und lasse mir, soweit möglich, das direkte Arbeitsumfeld zeigen, oft ergeben sich auch Gespräche mit den Betriebsleitern. Bei Konflikten bin ich Ansprechpartner für die Betriebe und für die Schüler, manchmal bin ich vor Ort, um bei Konflikten zu vermitteln. Zum Ende des Praktikums motiviere ich die Schüler, ihre Praktikumsberichte ordentlich zu schreiben und ihre Abschlussvorträge gut vorzubereiten. Am Ende gilt es, von allen Betrieben ein Arbeitszeugnis anzufordern und ein abschließendes Zeugnis für die Schüler zu formulieren. Ich kann Sie aber beruhigen, diese ganzen Arbeiten erledige ich nicht nebenher in meiner Funktion als Klassenbetreuer, sondern als „professioneller" Praktikumsorganisierer - und dazu macht das Ganze auch noch jede Menge Spaß.

Bleibt zunächst nun alles so oder gibt es Ideen, das Praktikum weiter zu modifizieren?

In der Regel kann man eine Sache immer auf verschiedene Weisen gut machen und jeder Weg, auf den man sich festlegt, bringt Vor- und Nachteile. Mit der guten Erfahrung von über 80 durchlebten Praktika in den letzten Jahren möchte ich sagen, dass der Engelberg eine gute Form für dieses wichtige Praktikum gefunden hat. Es wäre natürlich schön, wenn allen unseren Schülern in der 12. Klasse ein Berufspraktikum ermöglicht würde. Und da wäre noch eine Kleinigkeit, den Name „Betriebspraktikum" finde ich verbesserungswürdig. In den meisten Betrieben gibt es ja verschiedene Berufe und es geht den Schülern immer in erster Linie um die Berufe, die Berufsfindung, Berufserfahrung, das Berufsumfeld, ich nenne es deshalb seit einiger Zeit lieber „Berufspraktikum".

 

Herzlichen Dank, Herr Handte, für die Zeit, die Sie sich für die Beantwortung unserer Fragen genommen haben.

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