Integrative WS Emmendingen

 

„Es ist normal verschieden zu sein!"

Das Wagnis der Integration - im tiefen Süden

Die Integrative Waldorfschule Emmendingen - steht für Gemeinsames Lernen in der Schule von Klasse eins bis zwölf, basierend auf der Waldorfpädagogik und der anthroposophischen Heilpädagogik. Im Mittelpunkt der Bildungsarbeit steht die Frage: "Was bringt jedes einzelne Kind mit und was braucht es, um sich seinen Fähigkeiten entsprechend zu entwickeln?"

 

Das Emmendinger Modell - Konzept

In einer Klasse sind bis zu 28 Schüler, darunter 4 Schüler mit einer so genannt „geistigen Behinderung". Ein Lehrerteam gestaltet den Unterricht und führt eine Klasse durch Unter- und Mittelstufe. Dieses Team besteht aus einer/m Waldorfklassenlehrer/in und einem Heilpädagogen/in oder Sonderpädagogen.

Daneben gibt es Fachlehrer für Fremdsprachen, Sport, Religion, Musik, Handarbeit, Werken, Eurythmie, Gartenbau usw. Zusätzlich arbeitet in jeder Klasse ein junger Mann/Frau im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und unterstützt als Klassenhelfer. Der Tagesablauf und die Unterrichtswechsel sind möglichst harmonisch gestaltet. Dem entgegen kommt der epochale Unterricht in Deutsch, Rechnen, Geographie, Geschichte u. a. Ein umfassend ausgebautes Angebot an künstlerisch- und handwerklich-praktischen Fächern unterstützt die unterschiedlichsten Begabungen.

Zum Konzept der IWS gehört die Zieldifferenzierung. Diese beinhaltet u.a. individuelle Förderpläne für die Schüler mit Behinderung. Die Tatsache, dass es kein „Sitzenbleiben" gibt, kommt dem Thema der Inklusion sehr zugute und ist anders gar nicht denkbar. Die ausführlichen Entwicklungsberichte am Ende des Schuljahres bieten eine hervorragende Gelegenheit der differenzierten Betrachtung der Entwicklungsschritte des Schülers.

Der Unterricht ist so aufgebaut, dass in der Regel eine Binnendifferenzierung möglich ist. Neben einem Klassenraum, steht jeder Klasse ein kleinerer Extra-Raum zur Verfügung, in dem Gruppenarbeit, Förderunterricht und räumliche Differenzierung möglich sind.

Während des 8. und des 12. Schuljahres, in vielen Klassen aber auch zwischendurch, finden große Theaterprojekte statt, an denen alle Schüler ihren Begabungen entsprechend mitwirken. Zahlreiche Kooperationen bestehen z. B. mit Handwerkerbetrieben (Schmied, Bäcker, Weberin etc.) und "Experten", die zu unterschiedlichen Themen eingeladen werden: z.B. Geologie, Medizin, Literatur. Im Rahmen der Berufsfindung gibt es viele außerschulische Partner. In der Oberstufe finden obligatorische, 3-4 Wochen dauernde Praktika mit landwirtschaftlicher, mit betrieblich-handwerklicher und mit sozialer Auslegung für die Schüler statt.

Während des 12. Schuljahres absolvieren alle Schüler ihren Waldorfabschluss. dieser setzt sich zusammen aus einem künstlerischen Teil (Eurythmie, Plastizieren, Steinhauen, Malen und Musik oder Gesang), einem großen Theaterprojekt und einer Jahresarbeit zu einem selbstgewählten Thema.

Außerdem wird neben der Anerkennung des Hauptschulabschlusses, der Abschluss der Mittleren Reife und die Vorbereitung auf das Abiturjahr (13.Klasse) angeboten.

Für die Jugendlichen mit Behinderung liegt während der Oberstufenjahre ein großes Gewicht auf dem Mobilitätstraining, der Selbständigkeit und vor allem der Berufswegeplanung mit der Möglichkeit die Praktikumszeiten und Hospitationen auszuweiten.

 

„Pädagogik vom Kinde aus"

Die Schüler mit Behinderung erfahren grundsätzlich die gleichen Inhalte wie alle anderen Kinder. Diese werden jedoch ihrer individuellen Entwicklung gemäß bearbeitet und in ihrer therapeutischen Dimension erschlossen. Jedes Kind soll im Unterricht seinen Anknüpfungspunkt finden können, von dem aus es seinen Bildungsweg gehen kann. Bewegung, Sprache, Bilder und Gedächtnisübung helfen, den Zugang zum eigenen Leib, zur Welt und zu anderen Menschen zu erschließen.

Ein wichtiges Ziel des Unterrichts besteht darin, dass das Kind/der Jugendliche sich initiativ und nicht reaktiv in Bezug auf die unterschiedlichsten Ereignisse und Anforderungen des Lebens erleben lernt, wozu dessen Handlungsorientierung und die Einbeziehung künstlerischer Fächer einen wichtigen Beitrag leisten. Klassen- und Gruppenübergreifende Unterrichte in der Mittelund Oberstufe ermöglichen Kontakt und Raum für Begegnung und Freundschaften, neben der Chance der Differenzierung im Angebot des Lernniveaus.

 

Pädagogische Teamarbeit

Auch durch das Zwei-Lehrer-Prinzip findet eine differenzierte Arbeit in pädagogischen Lerngruppen statt, damit wird den individuellen Bedürfnissen Rechnung getragen. Um allen Schülern der Lerngruppe individuelle Lernfortschritte zu ermöglichen, ist der Unterricht lernzieldifferent angelegt. Auch das gemeinsame Erleben der Klasse am gleichen Unterrichtsgegenstand ist ein wichtiges Anliegen. Bei einem binnendifferenzierten Unterricht werden bei gleichen thematischen altersgemäßen Inhalten für einzelne Schüler unterschiedliche Lernziele mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen angeboten. In der Mittelstufe - und vor allem in der Oberstufe - ermöglichen Portfolioarbeiten und Referate mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden differenzierte Leistungsanforderungen.

 

Schulleben

Zahlreiche Veranstaltungen und Jahresfeste geben dem Schuljahr Gestalt und Rhythmus. Auf öffentlichen Schulfeiern zeigen die Schüler zweimal jährlich Ausschnitte aus ihren Unterrichten vor einem großen Publikum. Hierbei und bei weiteren Vorstellungen und Präsentationen von Praktika-Berichten und Jahresarbeiten lernen die Schüler vorzutragen und sich darzustellen. Die gegenseitige Wahrnehmung und Respektierung der Unterschiede ist ein willkommenes Übfeld und stärkt das Selbstwertgefühl und die Selbstsicherheit. Klassenfahrten sind ab der 4. Klasse jährlich obligatorisch und sehr beliebt!

 

(Kurz-)Geschichte der Schule

Die Integrative Waldorfschule Emmendingen wurde 1995 nach langjährigen und intensiven Vorbereitungen als „Waldorfschule in freier Trägerschaft" von Eltern und Lehren gegründet. Die „Gründungseltern" wollten damals in den 90ern „eine Schule für alle", hatten mit ihrem Vorhaben und ihrer Vision aber mit Wiederständen in der Schulverwaltung zu kämpfen. Schließlich wurde genehmigt, dass die Schule in Emmendingen Schüler mit einer so genannt „geistigen Behinderung" aufnehmen darf. Zunächst als Außenklassenmodell des Haus Tobias, einer anthroposophischen Heimsonderschule in Freiburg geführt, wurde die IWS aber dann wenige Jahre später in das ISEP (IntegrativesSchulEntwicklungsProjekt in Baden Württemberg) aufgenommen und bezuschusst.

Zum Ende der regulären Projektzeit (Sommer 2008) hat die Schule einen Rechtsstreit um ihre Anerkennung als integrative Schule in freier Trägerschaft vor dem Verwaltungsgericht Freiburg geführt und gewonnen.

(Mai 2009 Verwaltungsgericht Freiburg).

 

Hintergrund der Klage war unter anderem der Wunsch, dass alle Schüler an der IWS eingeschult bleiben. Es bestand die große Besorgnis, dass ein „Schulverbund"(Vorschlag vom Schulamt/Regierungspräsidium), also die formale Trennung der beiden Schultypen, auf den Schulalltag (segregierende) Auswirkung haben würde. Heute ist die IWS in Baden Württemberg anerkannt als erste „integrative Schule in freier Trägerschaft".

 

Silke Engesser/Februar 2012

Kontakt:  engesser.integrative-waldorfschule-em@web.de

Integrative Waldorfschule Emmendingen, Öffentlichkeitsarbeit

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