Der geschichtliche Hintergrund des RUBIKON

Um das 9. / 10. Lebensjahr des Kindes findet ein Entwicklungsschritt statt, der in der Waldorfpädagogik mit dem „Rubikon“ bezeichnet wird. Der folgende Text soll einerseits den geschichtlichen Hintergrund dieses Begriffes aufzeigen, andererseits aber auch die innere Haltung beleuchten, die für Caesar mit dem überschreiten dieses Flusses verbunden war.

 

GAIUS IULIUS CAESAR

Die Iulier gehörten zu den ältesten Familien Roms: Sie führten ihren Stammbaum zurück auf Iulus, den Sohn des Aeneas, also in direkter Linie zu den trojanischen Vorfahren Roms und zur Göttin Aphrodite. Dennoch mischte diese Familie eher selten in der hohen Politik mit. Das änderte sich erst mit dem um 100 v.Chr. geborenen Gaius Iulius Caesar.

Sechzehn Jahre war Caesar beim Tod seines Vaters. Im nächsten Jahre wurde er zum Priester des Jupiter ernannt; gleichzeitig ließ er sich von seiner Frau Cossutia scheiden. Darauf vermählte er sich mit Cornelia, einer Tochter Cinnas, der viermal Konsul gewesen war. Sie schenkte ihm sehr bald eine Tochter namens Julia. Durch kein Mittel ließ sich Caesar vom Diktator Sulla zur Scheidung von ihr zwingen. Zur Strafe dafür verlor er sein Priesteramt, die Mitgift seiner Frau, seine Ansprüche auf alle Familienerbschaften und wurde ferner als Anhänger der Gegenpartei Sullas betrachtet.

Doch Freunde Caesars konnten Sulla schließlich überreden, Caesar zu begnadigen. Sulla war der erste Römer, der 82 v.Chr. mit seinen Legionen gegen Rom marschierte und mit Gewalt die Herrschaft der Anhänger des Marius und des Cinna beendete, um die alte Adelsherrschaft wiederherzustellen. Er soll vor Caesar gewarnt haben:

»… dass der Mann, dessen Rettung Ihr so dringend wünscht, einst die von uns gemeinsam verteidigte Adelspartei vernichten wird. Denn in Caesar steckt mehr als ein Marius.«

Dennoch verbrachte Caesar die Zeit der Herrschaft Sullas lieber außerhalb Roms. Erst nach dem Tod Sullas (78 v.Chr.) kehrte er nach Rom zurück. Als Soldat diente er in den östlichen Provinzen, studierte Rhetorik und versuchte als Gerichtsredner in Rom Bekanntheit zu erlangen.

 

VOM TRIBUN ZUM KONSUL (73–59 v.Chr.)

Seine Ämterlaufbahn begann Caesar als Kriegstribun. Er macht von Anfang an keinen Hehl aus seiner Gegnerschaft zur Adelspartei (den Optimaten). Nach dem Tod seiner Frau Cornelia heiratete er Pompeia, von der er sich aber nach dem Skandal (62 v.Chr.) mit Clodius Pulcher wieder scheiden ließ. Als Quaestor (um 70 v.Chr.) war Caesar in Spanien tätig und wurde danach in den Senat aufgenommen. Als Aedil (65) gewann er zwar dank seiner aufwändigen Spiele und Ausschmückungen hohe Popularität beim Volk, häufte damit aber gewaltige Schulden. Diese wuchsen durch die enormen Bestechungsgelder bei seiner Kandidatur (63 v.Chr.) für das höchst angesehene Amt des Pontifex Maximus: der krasse Außenseiter gewann überlegen.

62 v.Chr. war Caesar Praetor und es gelang ihm, sich als Propraetor die Statthalterschaft über Spanien zu sichern. Seine Statthalterschaft nutzte Caesar nicht nur für militärische Erfolge, sondern vor allem auch zur Sanierung seiner Finanzen.

Nach seiner Rückkehr aus Spanien kandidierte Caesar für das Konsulat und ging dafür mit Crassus und Pompeius ein politisches Bündnis ein, das später als das 1. Triumvirat (Dreimännerherrschaft) bekannt wurde. Es wurde festgelegt, dass keiner der Bündnispartner gegen die Interessen der anderen handeln sollte. Damit schlossen sich mitten in Rom der Mächtigste (Pompeius), der Reichste (Crassus) und der politisch Klügste (Caesar) gegen den Senat zusammen, um ihre Ziele durchzusetzen. Zur Festigung der Bindung heiratete Pompeius Caesar´s Tochter Julia.

Caesar nutzte sein Konsulat (59 v.Chr.) optimal zur Durchsetzung der politischen Ziele des Triumvirats wie auch seiner eigenen. Am Ende war der politische Gegner, die Optimaten, dauerhaft geschwächt. Anschließend ging Caesar für fünf Jahre als Prokonsuls nach Gallien

 

DER GALLISCHE KRIEG (58–51 v.Chr.)

Der Versuch eines Einfalls der Helvetier in Gallien, lieferte Iulius Caesar den ersten Grund militärisch einzugreifen. Danach konstruierte Caesar eine Bedrohung durch den von Rom anerkannten Ariovist. Nach dem Sieg über Ariovist zog sich Caesar aber nicht auf römisches Gebiet zurück, sondern bliebt mit seinen Legionen im "freien" Gallien. Die aufgebrachte Stimmung der keltischen Stämme deutete Caesar als weitere Bedrohung und begann seine Kriegszüge, an deren Ende die völlige Unterwerfung Galliens stand.

 

DER BÜRGERKRIEG (49–45 v.Chr.)

56 v.Chr. traf sich das Triumvirat in Lusa. Zwar waren Crassus und Pompeius zerstritten, doch man einigte sich darauf, dass Caesar weiter 5 Jahre in Gallien bleiben solle. Pompeius und Crassus wollten sich 55 v.Chr. zu Konsuln wählen lassen und anschließend zu Prokonsuln werden. Caesar ging es darum, dass er nach der abgelaufenen Zehn-Jahres Frist direkt in sein zweites Konsulat übergehen konnte, womit er immun gegen die etlichen Anklagen wäre, die die Optimaten gegen ihn in der Schublade hatten.

Die Ereignisse machten die Pläne zunichte. Beim Partherfeldzug des Crassus wird dieser getötet. Damit zerbricht das Triumvirat. Pompeius hatte sich nach dem Tod seiner Frau Julia, der Tochter Caesars, von seinem Schwiegervater immer weiter entfernt: eifersüchtig auf dessen militärischen Erfolge fürchtete er nun Caesars Macht und versuchte sich durch Annäherung an die wieder erstarkte Optimatenpartei selbst an die Spitze Roms zu bringen. Tatsächlich wird Pompeius vom Senat als einziger Konsul eingesetzt.

Als Caesars Prokonsulat ablief, pochte er auf die einstige Zusage, sich 49 v.Chr. auch in Abwesenheit von Rom für das Konsulat (für das Jahr 48 v.Chr.) bewerben zu dürfen. Doch mittlerweile hatten sich die innenpolitischen Verhältnisse deutlich zu Ungunsten Caesars entwickelt. Die uneingeschränkte Allmacht Caesar in Gallien ist dem Senat ein Dorn im Auge. Der Senat forderte von Caesar, dass dieser seine insgesamt zehn Legionen auflösen solle. Caesar weigerte sich, dies zu tun, wenn nicht auch gleichzeitig Pompeius seine Legionen auflösen würde. Der Senat lehnte dies strikt ab. Am Ende der Verhandlungen und seines Prokonsulats hatte Caesar keine politische Basis in Rom mehr und musste fürchten, vom Senat zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Caesar wird vom Senat aus Gallien abberufen, man befiehlt ihm, seine Soldaten zu entlassen. Nun trifft er eine folgenschwere Entscheidung: Caesar, der in Ungnade gefallene Sohn und Schwertarm Roms, wendet sich gegen seine Stadt. Caesar bricht alle Regeln der Diplomatie und vor allen Dingen alle Gesetze, die Rom groß gemacht haben. Seine ihm ergebenen Legionen, es sind die mächtigsten und am besten ausgebildeten Legionen des Reiches, stehen hinter ihm. Ein Wort von Caesar und sie werden für ihn sterben. Eine geschlossene Armee, gewillt, jeden Widerstand gegen ihren Feldherren zu brechen, steht bereit.

 

ÜBERSCHREITEN DES RUBIKONS

Caesar hat sich entschieden. Er überschreitet am 10. Jänner 49 v.Chr. den Rubikon, einen Fluss, welcher seinen Einflussbereich markiert, und marschiert auf Rom! Gaius Julius Caesar, der begnadete und gelobte Sohn des römischen Volkes, marschiert auf seine eigene Stadt zu. Er bricht alle Regeln und reißt alle Brücken hinter sich nieder und ein. Es gibt kein Zurück mehr. Der Beginn des Bürgerkriegs.

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern (wie z.B.: Sulla) und vielen Nachfolgern (z.B.: Augustus) begegnete Caesar vom Beginn des Bürgerkriegs an seinen politischen und militärischen Gegnern nicht mit rücksichtslosem Vernichtungswillen und Hinrichtungen. Caesar hielt es für seiner würdiger und psychologisch klüger, dem besiegten Feind – Römer! – mit Milde (clementia) zu begegnen, eine öffentliche Begnadigung für effektiver als die physische Vernichtung des Gegners.

Unter der Führung des Pompeius sammelten die Optimaten in Illyrien ein gewaltiges Heer, während Caesar Italien, Sizilien und Sardinien übernahmen und im Handstreich die in Spanien stehenden Legionen ausschalteten. Erst danach wandte sich Caesar dem Hauptheer seiner Gegner zu. Nach einer Niederlage bei Dyrrachium – die Pompeius nicht ausnutzte – siegte Caesar in der Schlacht bei Pharsalos (48 v.Chr.).

Dem fliehenden Pompeius folgte Caesar nach Ägypten. In Alexandria wird ihm – in der irrigen Annahme Caesar damit zu erfreuen – der Kopf des getöteten Pompeius überreicht. Caesars Versuch, die geschwisterlichen Thronstreitigkeiten zu regeln, mündeten in einen Aufstand und schließlich in den bellum alexandrinum, der mit dem Tod Ptolemaeus (XII.) und der Einsetzung von Cleopatra als Alleinherrscherin endet.

Über die östlichen Provinzen kehrte Caesar 47 v.Chr. nach Rom zurück, um 46 v.Chr. nach Africa überzusetzen, wo sich inzwischen seine Gegner neuformiert hatten. Nach der Schlacht bei Thapsus ist die republikanische Opposition militärisch bezwungen. Cato beging in Utica Selbstmord, um sich so einer Begnadigung durch Caesar zu entziehen, dem er dieses Recht, ein Herrenrecht, absprach.

 

CAESARS HERRSCHAFT (48–44)

Ab dem Sieg von Pharsalos (48 v.Chr.) wurde der (in Abwesenheit seiner Gegner) gewählte Konsul Caesar mit immer größeren Ehrungen und Privilegien ausgestattet, die bald monarchistische Züge annahmen: mehrjähriges Konsulat, Entscheidungsgewalt über Krieg und Frieden, am Ende Diktatur auf Lebenszeit, … An den Iden des März 44 v.Chr. (15. März) wird Caesar von etwa 60 Verschwörern im Senatsgebäude ermordet.

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