Das Kind als großes Sinnesorgan

Rudolf Steiner, GA 304, 19. April 1922

[...] [Das Kind bis zum Zahnwechsel:] Es ist da ein großer Sinnesorganismus. Es nimmt die Eindrücke der Außenwelt nur so auf, wie die Sinne sie aufnehmen, die Eindrücke, die ausgehen von den Handlungen, aber auch von den Gedanken und Empfindungen der Erzieher. Das Kind ist, indem es hingegeben ist an die Umgebung, zu gleicher Zeit ein Wesen, das plastisch an seinem ganzen Menschen arbeitet. Es ist wunderbar zu sehen, dieses innere Geheimnis der menschlichen eigenen Plastik in den ersten sieben Lebensjahren - ich habe gesagt, allerdings nur approximativ - bis zum Zahnwechsel. Dadurch, dass das Kind das Gesehene und Gehörte plastisch umwächst, ist es ganz und gar ein nachahmendes Wesen; es ahmt alles nach, was getan wird. Alles Übrige, was wir sprechen, ist im Grunde genommen eine Illusion als Erziehungsprinzip. - Die Art und Weise, wie wir sprechen, ob wir es ermahnen oder nicht, dasjenige, was wir tun, geht plastisch in das Innere des Kindes hinein, das ist seine Erziehungskraft. Wir geben uns nur der Illusion hin, dass das Kind auch in diesen Jahren etwas hat von «Ermahnen», von «Gebote geben» und dergleichen. Das Kind muss ganz darauf gestimmt sein, dass man in seiner Gegenwart nur dasjenige denkt, wovon man will, dass das Kind es aufnimmt in diesen Jahren. […]

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