Lerntagebuch

Michael Harslem (Entwicklungsbegleitung von Menschen und Organisationen)

In der Regel werden bei Vorträgen, Referaten, Übungen etc. inhaltliche Notizen gemacht, die dann häufig nie mehr angesehen oder gar weiterbearbeitet werden.

Wie kann das sinnvoller und fruchtbringender gestaltet werden?

Damit das Lernen an allen möglichen Situationen bewusster wird, sollte nach jeder Übung, Vortrag, Referat etc. die Gelegenheit bestehen bzw. genommen werden, das ge­rade Erfahrene selbständig zu verarbeiten. Dazu ist als erstes eine Besinnung auf mich selbst erforderlich, um die Wirkungen auf mich abzuspüren und zu erkennen. Dazu sind je nach Situation mindestens 5-15 Minuten Zeit zu geben, andernfalls sollte ich mir diese nehmen, sobald es mir möglich ist.

Damit das nicht flüchtig bleibt und gleich von den nächsten Erfahrungen wieder überdeckt wird und damit es später wieder zugänglich ist, ist es sinnvoll, dass ich meine Notizen dazu in einem eigenen Lerntagebuch/ Forschungstagebuch festhalte, am besten bevor ich mit jemandem darüber gesprochen habe.

Besonders für das Lernen von Erwachsenen ist dieses Bewusstwerden und Festhalten nicht nur der Inhalte, sondern auch der Wirkungen auf mich und vor allem meiner Art des Lernens, meiner Lernwege, meiner Lernstrategien, meiner Lernbarrieren... sehr wich­tig. Damit kann ich die Lernsituation ganzheitlich für mich erfassen und mit meinem Gefühl als Wahrnehmungsorgan durchdringen - und damit das Lernen für mich sehr viel fruchtbarer, nachhaltiger und damit letztlich effektiver gestalten.

Wie ich mein Lerntagebuch für mich am besten führe, muss ich individuell herausfinden. Ich kann mit Texten, mit Stichworten, mit Abkürzungen, mit Symbolen, mit Bildern, mit Skizzen u.a.m. so arbeiten, dass ich das für mich Wichtige kurz und prägnant festhal­ten kann. Wichtig ist, dass das Lerntagebuch nur für mich selbst bestimmt ist und nie­mandem Anderen zugänglich ist. Das Lerntagebuch ist meine persönliche Sammlung aller Gedanken, Gefühle, Impulse, Ideen, Pläne, Fragen, Widerstände, Probleme, etc., die ich zu einem Thema habe.

Das Lerntagebuch dient also dem Festhalten meiner Erfahrungen mit besonderem Focus auf meine Lernerfahrungen. Leitfragen dazu können sein:

  • Was habe ich gelernt? Was war für mich neu? Überraschend? Fremd? Vertraut? Schlüssig, warum? Nicht schlüssig, warum? Was stört mich? Warum? Was sagt mir das über mich? Wobei/ woran erlebe ich in mir Widerstände? Welche? Warum?
  • An welche Lernbarrieren bin ich gestoßen? Im Fühlen? Im Denken? Im Willen/Tun?
  • Wie habe ich gelernt? Welche Lernstrategie habe ich angewandt? Wo fühlte ich mich herausgefordert? Wo hatte ich Schlüsselerlebnisse? Aha-Erlebnisse? Krisen?
  • Welche Fragen entstehen für mich daraus?
  • Welche Konsequenzen hat das für mich?

Besonders - aber nicht nur - bei Bewegungsübungen oder künstlerischen Übungen:

  • Was hat das mit mir gemacht? äußerlich?, innerlich? im Verhältnis zu anderen?
  • Was hat das bei mir bewirkt? im Denken? Fühlen? Wollen?
  • Wie fühle ich mich in meinem Körper, in den einzelnen Körperregionen, Körperteilen?
  • An welche Grenzen bin ich gestoßen?
  • Wo hat sich für mich etwas erweitert?

© Michael Harslem

E-Mail: michael@harslem.de
Web: https://harslem.de/

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