Die Bremer Stadtmusikanten

In Reimform gesetzt von Margarita Stölting

Ein Esel, der schon sehr betagt,
ward von dem Müller fortgejagt.
Das Leben wollt' er sich nicht nehmen -
drum machte er sich auf nach Bremen.

Und wie er so des Weges trapste,
traf er den Hund, der bellend japste:
„He, Freund, hat man dich auch vertrieben, 
weil du nicht jung und stark geblieben?"

Der Esel sprach: "So ist das eben,
ich trete in ein neues Leben.
Ich will, vielleicht auch noch mit andern,
als Musikant nach Bremen wandern."

Der Hund sprach: "Das ist fabelhaft! 
Dazu reicht auch noch meine Kraft. 
So will ich weiter gar nicht maulen; 
denn ich kann herzzerreißend jaulen."

Der Esel sprach: „Es müsste gehen. 
Wenn wir uns weiter gut verstehen, 
so könnten wir auch immer proben. 
In Bremen wird man uns dann loben."

So zogen sie zusammen weiter, 
der Esel und sein Wegbegleiter. 
Man hörte schreien sie und bellen, 
die beiden ungleichen Gesellen.

Da plötzlich sprang mit einem Satze 
auf ihren Weg die alte Katze. 
Die konnte nicht mehr Mäuse jagen, 
drum wollte man ihr an den Kragen.

Sie maunzte jämmerlich herum 
und fand die ganze Welt sehr dumm. 
Die zwei, der Esel und der Hund, 
luden sie ein in ihren Bund.

Die Katze war nun schon die dritte 
und lief zufrieden in der Mitte. 
Gar bald führte der Weg die drei 
an einem Bauernhof vorbei.

Und alle hörten sie und sah'n 
auf einem Zaunpfahl einen Hahn. 
Nicht etwa, dass er sich nur sonnte! 
Er krähte laut, wie er nur konnte.

Die Tiere, die verwundert waren, 
versuchten, Weit'res zu erfahren: 
„Hallo, du schöner bunter Gockel, 
was schreist du so auf deinem Sockel?"

„Oh je, mein Schicksal ist sehr schaurig, 
drum bin ich aufgebracht und traurig. 
Stets diente ich zum frühen Wecken, 
und jetzt heißt's: in den Kochtopf stecken!"

„Ach, Kamerad, das muss nicht sein. 
Als Mitglied stellen wir dich ein 
in unsre sonderbare Truppe. 
Wir bilden eine Music-Gruppe."

Das war dem Hahn gerade recht:
„Der Vorschlag, Leute, ist nicht schlecht,
und wenn ich mich noch etwas trimme,
so hab ich eine gute Stimme."

Erleichtert flog er voll Entzücken 
dem alten Esel auf den Rücken, 
und auf dem Platz, dem sehr bequemen, 
ging es dann weiter, Richtung Bremen.

Doch viel zu schnell verging die Zeit, 
und Bremen war noch furchtbar weit. 
Zum Ausruhn gingen sie alsbald 
in einen tiefen, dunklen Wald.

Der graue Esel und der Hund, 
sie legten sich auf weichen Grund. 
Für Gockel und die Miezekatz 
fand sich im nächsten Baum ein Platz.

Der Hahn sah oben aus der Linde 
in jede Richtung der vier Winde, 
bemerkte schließlich gar im Dunkeln 
ein mattes Licht von weitem funkeln.

Das hatten sie nun alle gern. 
Vielleicht war da ein Haus nicht fern? 
Und in der Küche könnt' es geben, 
was man so alles braucht zum Leben.

Da kam die Katz vom Baum herunter,
die Gruppe wurde wieder munter,
als hätten alle schon gerochen
den Duft von Körnern, Fleisch und Knochen.

Der Esel, als der Klügste, sprach: 
„Wir gehen unsrer Nase nach, 
und wenn wir erst vorm Hause stehn, 
dann werden wir schon weiter sehn."

Gesagt - getan. Dort angekommen, 
wurd' gleich Erkundung vorgenommen. 
Man sah, dass drinnen Räuber saßen, 
die tranken, grölten und viel aßen.

„Oh ja, das würd ' auch uns gut schmecken. 
Wir woll'n die Räuber so erschrecken, 
dass sie vor Angst die Flucht ergreifen 
und auf das gute Essen pfeifen."

Jetzt kam die große Premiere, 
und die verdiente alle Ehre: 
die Freunde bildeten solide 
die Musikanten-Pyramide.

Der Esel war der Untermann, 
der Hund, die Katze kamen dann, 
und obendrauf (man weiß schon, wie) 
thronte stolz das Federvieh.

Mit lautem Klirren, Poltern, Dröhnen, 
so ließen sie ihr Lied ertönen: 
„l- a, i-a, a-i, a-i, 
miau, wau-wau, kikeriki.'"

Was da hereinbrach durch das Fenster, 
erschien den Räubern wie Gespenster. 
Sie stürzten fort, Hals über Kopf, 
verließen Teller, Krug und Topf.

Nun gingen alle vier zu Tisch. 
Sie aßen Braten, Brot und Fisch. 
Zuerst verspeisten sie das Beste, 
das andre dann, zuletzt die Reste.

Sehr müde suchten sie ihr Plätzchen, 
im Stroh der Esel, warm das Kätzchen. 
Der Hund fand an der Tür sein Bett, 
der Gockel auf erhöhtem Brett.

Still lag das Haus und dunkel da, 
als etwas Seltsames geschah: 
ein Räuber, der zuvor entwichen, 
kam leise jetzt zurückgeschlichen.

Er dachte wohl, das Haus sei leer -
doch damit irrte er sich sehr. 
Die Überraschung war arg groß, 
denn wieder war der Teufel los.

Am Tor biss ihn der Hund ins Bein. 
Er stürzte aufgeregt hinein, 
da fauchte fürchterlich die Katze 
und drohte, dass sie ihn zerkratze.

Da er hier gar so ungebeten, 
wurd' er vom Esel bös getreten. 
Und als der Räuber ganz verdattert, 
wurde er noch vom Hahn umflattert.

Kaum könnt' er sich den Fluchtweg bahnen
er floh entsetzt zu den Kumpanen 
und schilderte, wobei's ihm grauste, 
dass dort ein Ungeheuer hauste!

Die Räuber kamen nie zurück.
Die Musikanten hatten Glück:
sie konnten jetzt im Haus logieren,
und wenn sie wollten - musizieren.

So lebten sie - wenn auch verschieden 
zusammen ruhig und zufrieden ... 
Die Sache ist noch nicht lang her, 
erst jüngst erzählte mir sie wer.

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