Hans Harress - Mittelstufe

Du kannst nicht in die Glut fassen,
ohne dich zu verbrennen.
Tust du es trotzdem,
nennt man deine Blasen - Erfahrungen.
 
 
 

Als Menschen leben wir auf Erden,
begegnen uns an manchem Ort,
wir sind verknüpft durch Schicksalsfäden,
verbinden uns durch Tat und Wort.

Gemeinsam meistern wir das Leben, -
geh'n wir doch aufeinander zu!
Was du willst, will auch ich erstreben:
Du und ich - und ich und Du.



So steil hier der Felsen
und senkrecht die Wand!
Kann ich es wohl wagen?
Mir zittert die Hand.

Besinn' dich nicht lange,
hinauf steig' mit Mut,
was tapfer begonnen
kann werden nur gut!

Wenn du dann den Felsen,
den Gipfel erklommen,
so hast du dir
doppelt' Belohnung gewonnen:

Zum ersten - den Sieg
über Zagen und Angst,
zum zweiten, - dass du
freien Blick dir gewannst.
 
 
 
 
bung macht den Meister!",
so das Sprichwort sagt,
das ist alte Weisheit
und ein guter Rat.
 
Erst nach vielem Üben
kann das Kleinkind steh’n,
übt es tüchtig weiter,
wird es bald auch geh’n.
 
Vieles ist erreichbar,
für den, der es will. -
"Übung macht den Meister!"
rät das Sprichwort still.
 
 
 
Unendlich groß ist die Zahl 
der Sandkörner in der Wüste, 
unendlich groß ist die Zahl 
der Tropfen im Meer, 
unendlich groß ist die Zahl 
der Sterne am Himmel, 
unendlich groß ist auch 
die Liebe und Güte Gottes, 
der alles erschuf, - 
für uns Menschen.
 
 
 
Die bescheidene einfache Pflanze 
vermag das Licht der Sonne aufzunehmen, 
umzuwandeln und festzuhalten; - 
sie verwandelt es in irdische Substanz 
von der wir uns ernähren. 
Das mögen die Menschen 
voll Dankbarkeit und Achtung 
stets bedenken.
 
 
 
Sicher fühlen sich die Vögel 
flügelschwingend in der Luft, 
ohn' Bedenken klettern Gämsen 
hoch auf Felsen, durch die Kluft. 
In den Meeren schwimmen Fische, 
Wasser ist ihr Element; 
sicher lebt in seinem Reiche 
jedes Tier, wie's Gott bestimmt. 
 
Auch der Mensch kann Gott vertrauen, 
frei zu leben in der Welt, 
darf hier lernen und gestalten, 
helfen auch, wie's ihm gefällt.
 
 
 
Will der Biber sich geschickt
seine große Burg erbau'n,
und mit einem breiten Damm
einen Bach zum See aufstau'n,
muss zuerst er mit den Zähnen
nagend fällen Baum um Baum.
So schafft er durch großen Fleiß sich
seinen eignen Lebensraum.
Sind dann Damm und Burg vollendet,
kann der Biber sicher sein,
dass in seine mächt'ge Festung
niemals dringen Feinde ein.
 
 
 
Schau dir die schönen Blumen an,
die jede uns erfreuen kann
mit ihrer bunten Blüte.
Gott ließ sie wachsen, uns zum Segen,
sie wollen uns viel Freude geben;
wir danken ihm für seine Güte.
 
 
 
Hoch über das Firmament
steigt empor die Sonne.
Ihr lebenspendendes Licht
erleuchtet den Raum
und erhellt die Welt
bis in die fernste Ferne,
bis in die tiefste Tiefe,
bis in die höchste Höhe.
 
Nur in die Seele des Menschen
kann ihr reines, klares Licht
nicht leuchten,
es sei denn,
er öffnet ihr sein Herz
in Liebe.
 
 
 
Wenn der Meister das Dach deckt,
so braucht er dazu unzählige Ziegel.
Jeder einzelne ist so wichtig
wie der andere
und trägt dazu bei, das Werk
zu vollenden.
Nicht ein einziger darf fehlen,
damit der Sturm für sein
zerstörerisches Werk
keinen Angriffspunkt findet.
 
 
 
Aus einem winzig kleinen Ei,
das unter einem Blatte klebt,
schlüpft eine Raupe, zierlich, klein,
die hungrig fressend sich bewegt.
Als sie genug gewachsen war,
spinnt sie sehr sorgfältig sich ein
und wandelt nochmals die Gestalt,
schläft im Kokon als Puppe ein.
 
Und als die Zeit gekommen war,
war Unerwartetes gescheh’n,
es kroch aus dem Kokon heraus
ein bunter Falter - wunderschön.
 
Wer hätte wohl an ihn gedacht,
als Puppe, Raupe, Ei er sah,
an diesen hübschen Schmetterling? -
Ein großes Wunder hier geschah!
 
Der Wunder viel lässt Gott gescheh'n,
wir können überall sie sehn.
 
 
 
Elegant, zerbrechlich, zart
schwimmt die Qualle in dem Meere,
und sie treibt nach ihrer Art
mit dem Wasser, ohne Schwere.
 
Doch nicht wehrlos ist dies Tier,
das so zart und ohne Zähne,
Nesseln brennen, glaube mir,
jeden, der zu nah ihr käme!
 
 
 
Niemand vermochte
den Gordischen Knoten zu entwirren
und das Reich der Perser zu erobern,
wie es das Orakel verhieß.
 
Alexander zerhieb ihn kurz entschlossen
mit dem Schwerte in Stücke.
Ebenso entschlossen und mutig
eroberte er dann ein Riesenreich.
 
 
 

Grünes Gras wächst unbeachtet
auf der Wiese, an dem Feld,
unscheinbar und kaum beachtet,
es gilt wenig auf der Welt.

Dieser Pflanze auf der Weide
dankt der Mensch sein täglich Brot,
denn aus Gras entstand Getreide,
ohne Korn gäb's Hungersnot.

Gott wirkt still in seinem Werke,
er weiß um Vergänglichkeit,
wahre Größe, wahre Werte
blüh'n in der Verborgenheit.



So wie zur hell leuchtenden Flamme
die Glut den brausenden Wind braucht,
so braucht des Menschen Geist,
soll er strahlen und leuchten,
wache Gedanken, schöpferische Ideen
und kraftvolle Taten.

 

 

Der Inder, in uralten Zeiten,
versenkte still zur Andacht sich,
er schaute in sich Himmelsweiten,
erfuhr so, was Gott zu ihm spricht.

Wie können heute wir erfahren,
in unsrer ruhelosen Welt,
was Gott den Menschen möchte sagen,
was er sich wünscht? Was ihm gefällt?

Er schenkte uns in seiner Güte
sein göttlich klares Himmelslicht;
bringst du es in dir zum Erstrahlen,
erfährst du, was Gott zu dir spricht.



Wie findet nur der Kapitän
auf hoher See das ferne Ziel,
da ihn umgibt, soweit er sieht,
unendlich Meer und Wellenspiel?  

Er kennt genau die Himmelsordnung,
vertraut auf Gottes Weltenplan,
er weiß den Stand der fernen Sterne,
der Sonne und des Mondes Bahn.

So findet er durch Gottvertrau'n
und durch Berechnung seine Bahn,
und alle Häfen dieser Welt -
jenseits des großen Ozeans.



Ein einziger Sonnenstrahl -
wie schwach er ist!
Doch sammelst du viele
durch des Brennglases Rund,
dann wirst du sehen,
was sie vermögen:
Vereint und gesammelt
entzünden sie die lichte Flamme.



Ein flüchtiger Gedanke -‚
er bewirkt nichts.
Sammle dich und konzentriere
all deine guten Gedanken
und wende sie einer Frage zu:
Nun vermagst du sie zu lösen,
nun findest du die Antwort.



Geheimnisvoll und rätselhaft
können Gottes Absichten sein.
Doch was auch immer kommen mag,
sie sind zum Wohle des Menschen ersonnen;
er muss sie nur unermüdlich
ergründen und erforschen,
erkennen und bejahen.
Dazu gehören Mut, Kraft und Vertrauen -
und ein lebendiger Sinn.
Das ist die Aufgabe des Menschen.
 
 
 
Wer eine Niederlage erlitten hat,
der schimpfe nicht gleich auf die anderen.
Er suche den Fehler - zuerst - bei sich.
Er kann dann doch noch Sieger werden:
Den Sieg erringen über sich selbst.
 
 
 
Nichts auf der Welt kommt ganz unvorbereitet!
Selbst der Gewittersturm kündigt sich an
durch manch' untrügliche sichere Zeichen,
wenn man sie wahrnimmt und deuten kann.
 
So hat man Zeit, sich in Ruhe zu schützen
vor des Gewitters zerstörender Macht.
Bricht dann der Sturm los mit Heulen und Toben,
sitzt man im sicheren Hause und lacht.
 
Drum ist es gut, auf die Zeichen zu achten,
die uns das Leben so vielfältig zeigt,
blicken wir ihnen mit Mut wach entgegen!
Zum rechten Handeln verbleibet dann Zeit.
 
 
 
Selbsterkenntnis - höchste Gabe, 
die als Keim ich in mir trage 
und als Mensch entwickeln muss, 
schafft mir das auch oft Verdruss. 
Doch sie öffnet mir mein Wesen, 
darin kann ich manches lesen 
über mich und meine Erde, 
über Gottes Weltenwerde.
 
 
 
Der Mensch wird die Früchte des Lebens
nicht am Beginne seines Weges ernten; -
sie erwarten ihn - vielleicht -
erst an dessen Ende,
hat er sich redlich und ehrlich bemüht.
Es liegt an ihm selbst,
ob die Ernte dann reichlich oder dürftig ausfällt,
ob die Früchte gefüllt oder hohl sein werden.
 
 
 
Die Welt ist voller Schönheit,
sie gilt es zu entdecken.
Die Welt ist voller Wunder,
sie gilt es zu enträtseln.
Die Welt ist gegründet auf Hoffnung,
sie gilt es zu erfüllen.
Die Welt beruht auf Wahrheit,
sie gilt es zu erkennen.
Die Welt erwuchs aus Liebe,
sie gilt es zu erwidern.
 
Schönheit und Wunder,
Hoffnung, Wahrheit und Liebe
lernen wir verstehen,
wenn wir bedenken,
dass Schönheit erfreuen -
aber auch täuschen kann,
dass Wunder erstaunen -
aber auch enttäuschen können,
dass Hoffnung beleben -
aber auch qualvoll sein kann,
dass Wahrheit befreien -
aber auch bitter sein kann,
dass Liebe verbinden -
aber auch trennen kann.
 
 
 
Je nach Laune des Windes
sind die Wellen des Meeres
klein oder groß,
schwach oder mächtig.
Sie haben keinen eigenen Willen,
sie werden kreuz und quer umher getrieben.
Zuletzt zerschellen sie am Ufer.
Ein Mensch ohne Willenskraft und Ziel
kann leicht das gleiche Schicksal erleiden.
Daher besinne er sich und werde
im Leben sein eigener Führer und Bestimmer.
 
 
 
Die wahre Größe eines Berges erkennt der,
der an seinem Fuße steht. 
 
 
 
Hat der Mensch Ideen, Tatkraft und Mut,
so wird er manches in der Welt
verändern und umgestalten können,
zum Wohle der Menschen;
das nennen wir Fortschritt.
 
Ist der Mensch willen- und gedankenlos,
so muss er sich nicht wundern,
wenn alles beim alten bleibt;
das aber nennen wir Rückschritt!
 
 
 
Wer meint,
seine Mitmenschen tadeln zu müssen
ihrer Fehler wegen,
prüfe zuvor,
ob er selbst fehlerfrei ist.
 
Erkennt er aber, 
dass er nicht von Fehlern frei ist, 
so versuche er, 
ob er nicht besser 
ENTSCHULDIGEN  kann.
 
 
 
Es gibt Verhältnisse in der Welt, 
die man nicht ändern kann. 
Ich will versuchen, 
das offenen Auges zu verstehen. 
 
Es gibt Verhältnisse in der Welt, 
die man ändern sollte. 
Ich hoffe, immer genügend Mut 
und Kraft zu haben, 
es auch zu tun. 
 
Es gibt Verhältnisse in der Welt, 
die man ändern muss! 
Ich will mir fest vornehmen, 
damit zuerst bei mir selbst zu beginnen.
 
 
 
Wer ohne liebendes Herz 
die Flammen der Welt durchschreitet, 
dem bleiben ihre Geheimnisse verborgen. 
Wagst du es mutig trotzdem 
und scheust nicht Kampf, 
Enttäuschungen und Verzweiflung, 
nennt man die Erfahrungen, 
die du dabei machst, 
schmerzgeborene Erkenntnis.
 
 
 
Geduld ist schwer?
Sieh dort, die Katze,
wie lange sie regungslos
vor dem Mauseloch verharrt!
Ihre Geduld führt schließlich zum Ziel, -
sie fängt die Maus.
Wäre sie ungeduldig,
müsste sie verhungern.
 
 
 
Wenn in finstrer Wintersnacht
Frost und Eiseskälte klirren,
Pflanzen, Tiere, Menschen leiden,
Schneeflocken vom Himmel schwirren;
Tiere - halbverhungert - suchen
Futter überall im Schnee,
hartgefroren Feld und Wiesen,
eiserstarrt sind Teich und See.
Wenn Verzweiflung und wenn Schmerzen
fest umschließen unsre Herzen, -
dann zeigt sich in tiefster Nacht
Hoffnung, die im Innern wacht:
Denn nun keimet in der Erde
neues Leben, neues Werde!
Auferweckt von Himmelsmächten
in den zwölf Heiligen Nächten. 
 
Schwimmst du im warmen Meer,
dann fühlst du,
wie sanft und weich das Wasser ist.
Stürzt du auf den Stein,
so spürst du,
wie hart und fest er ist.
 
Und doch löst das sanfte,
weiche Wasser
langsam den härtesten Felsen auf.
 
Das Wasser fragt nicht
nach Zeit oder raschem Erfolg.
 
Dieses Beispiel zeigt,
dass Geduld und Ausdauer
auch Schwierigstes bezwingen können.
 
 
 
Der Berggipfel morgendliches Glühen
kündet uns vom nahen Aufgang der Sonne.
Des Abends leuchtendes Himmelsrot
verspricht uns des kommenden Tages
strahlender Sonnenglanz.
Der finsteren Wolken aufquellende Türme
sind Zeichen des nahenden Gewitters.
 
So gibt es zahlreiche Zeichen
und Hinweise im Leben
auf Kommendes, Zukünftiges;
lernst du sie erkennen und richtig deuten,
bist du vor manchen Überraschungen sicher.
 
 
 
Unverzagt sprießet und sprosset die Natur,
Jahr um Jahr;
sie fragt nicht nach dem Warum und Wofür.
Sie dient dem Menschen,
still und bescheiden,
und verlangt keinen Dank.
 
Bedenken wir dies
und verlangen nicht gleich
für alles besonderen Dank oder Ehre!
 
 
 
Stört dich der Zikaden
pausenloses Zirpen?
Freue dich dessen,
künden sie doch schönes Wetter!
 
 
 
Suche ich die großen Wunder Gottes, -
so finde ich sie allenthalben.
Aber welches seiner Wunder
ist nun das allergrößte?
 
Ist es das mächtigste Gebirge?
Das größte Meer?
Das stärkste Tier?
Der zierlichste Käfer?
Der reinste Kristall?
Die strahlende Sonne?
 
Wer kann das sagen,
da jedes für sich
des größten Wunder eines ist,
und nichts darf fehlen
im großen Reigen
der Weltenharmonie.
Zur Ehre Gottes
und zum Wohle des Menschen.
 
 
 
Viele Tiere haben Stimmen,
dröhnend laute, wispernd leise,
und sie lassen sie ertönen,
jedes Tier auf seine Weise.
 
Will man Tierlaute verstehen,
was sie so artikulieren,
müssen wach wir ihr Verhalten
und ihr Wesen gut studieren.
 
So kann dem geschulten Ohr
bald ein Tierlaut vieles sagen,
ob es frohe Stimmen sind -
oder ob die Tiere klagen.
 
 
 
Geld vergoldet,
Gold verblendet,
Blindheit löscht
des Geistes Glanz,
doch der Liebe
selbstlos' Opfer
strahlt wie Licht
des Diamants.
 
 
 
Das Schönste, das du schaust auf Erden,
das ist des Menschen Angesicht,
und aus der Klarheit seiner Augen
zu dir der Seele Wahrheit spricht.
 
 
 
Wie schön ist Gottes weite Welt,
voll Wunder die Natur,
wie weise Gott sein Werk erhält,
den Wald, das Feld, die Flur.
Und alles, was wir staunend seh'n,
das lebt nach Gottes Plan,
der Mensch allein, der lernend übt,
das einst verstehen kann.
Dazu hat Gott ihn auserkor'n
als ein besond’res Wesen,
und wer sich müht, versteht es einst
im Buch der Natur zu lesen.
 
 
 
Munter und heiter murmelt der Bach,
er plaudert und plätschert den ganzen Tag,
er kann ganz einfach nicht stille steh’n,
das Rinnen und Rennen ist gar zu schön.
Erst als er sich in den See ergießt,
in dem das Wasser steht, nicht fließt,
kommt er zur Ruhe und hört auf zu rauschen
und kann nun so manches Geheimnis erlauschen.
 
 
 
Allein der Mensch kann aufrecht geh'n
und frei sein Haupt erheben,
das Tier muss auf vier Beinen steh'n
und auf dem Boden leben.
So hat der Mensch der Hände zwei,
die Gott kunstvoll geschaffen,
er wurde von der Erde frei
und kann nun vieles machen.
Es dienen seine Hände ihm
zu ungezählten Taten,
er sorg' dafür, dass gut sie sind; -
mög' alles ihm geraten! 
 
 
 
Der goldenen Flügel hat jeder Mensch zwei,
sie tragen ihn sicher und mächtig,
er muss sie mit Schwunge bewegen nur frei
im Gleichmaß - entschlossen und kräftig!
 
Der eine der Flügel, das ist unser Fleiß,
die Aufmerksamkeit ist der zweite,
die beiden, sie führen den menschlichen Geist
bis fern in unendliche Weite.
 
 
 
Am Firmament, im hohen Bogen
kommt jeden Tag die Sonne gezogen,
schenkt Pflanzen, Tieren und auch dir
ihr liebes Licht. - Was schenkst du ihr?
 
Ich will ihr schenken gute Gedanken,
mich auch mit fleißigem Tun bedanken,
dann ist sie froh, strahlt hellen Schein;
so soll es alle Tage sein.
 
 
 
Wenn machtvoll bei Sturm die haushohen Wellen
pausenlos stürzen auf Deiche und Strand,
gibt's kein Verweilen, nur heldenhaft Kämpfen,
sonst wird versinken im Wasser das Land.
 
Bei diesem Kampf gegen Uresgewalten
zählt nur der mutige, tapfere Held,
in solcher Not wird er handeln, nicht zagen,
und kämpfen für's Gute und Edle der Welt.
 
 
 
Sieh! Dort sprudelt munter eine Quelle,
glitzernd, funkelnd, glänzend, silbrighelle, -
und darüber schießt im gleißend Sonnenlicht
pfeilschnell schwirrend ein Libellenwicht.
Funkelt tausendfach wie ein Kristall,
schwirrt und saust blitzschnell allüberall.
Ringsherum steh'n zarte Gräser, ein Zier.
"Sag', Libelle, wie gefällt sie dir?"
"Sie gefällt mir gut, die Gotteswelt,
alles ist so zierlich, wohl bestellt."
 
 
 
Tag um Tag und Jahr um Jahr
leuchtet uns der Sonne Licht,
und das schon seit Urgedenken;
darin Gottes Güte spricht.
Sonnenlicht - ist reine Liebe,
es schenkt sich der Welt ganz hin,
selbstlos führt es uns durchs Leben; -
erkenne seines Opfers Sinn!
 
 
 
Nach des Schöpfers weisem Plan
wurden Sonne, Mond und Sterne,
uns're schützenden Begleiter,
wachen treu aus weiter Ferne.
Und sie schenken Tag und Nacht
aus dem weiten Himmelszelt
ihre Liebesgaben allen,
allen Wesen dieser Welt.
 
 
 
Wenn der Landmann voller Kraft
fleißig seine Arme regt,
bei der Arbeit schweigt und schafft,
seine Felder hegt und pflegt,
dann lacht Thor der Götterheld,
segnet seinem Volk die Saaten;
ist der Acker wohlbestellt,
wird die Ernte gut geraten.
 
 
 
Kerzengrade, ruhig, schweigend,
wächst der grüne Tannenbaum,
ohne Blüten, still, bescheiden,
wie in einem tiefen Traum.
 
Doch zur heil'gen Weihenacht
darf er strahlen, darf er blühen,
wenn er in das Haus gebracht,
helle Lichter auf ihm glühen.
 
 
 
Dort geht ein hübscher, bunter Pfau
in seinem prächt'gen Federkleid.
Wie er stolziert vor seiner Frau
und Räder schlägt voll Eitelkeit!
Versucht er doch einmal zu singen,
so wird ihm dieses nicht gelingen.
 
Hoch über ihm sitzt im Gezweig,
ganz unscheinbar und sehr bescheiden,
Frau Nachtigall im grauen Kleid,
ihr ist die Schönheit nicht zu eigen.
Doch wenn sie abends jubelnd singt,
so ist's, als ob der Himmel klingt. 
 
 
 
Viel Kraft haben Löwen,
auch Bären und Stiere
und Tiger und Büffel
und manch' and're Tiere.
Sie brauchen die Stärke,
um zu überleben.
 
Doch nicht so die Menschen,
die and'res erstreben:
Sie wandeln die Kräfte
der Stärke und Glut
in Liebe, Vertrauen,
in Mitleid und Mut..
 
 
 
Loki, der lustige, listige Gott
lästerte ständig mit witzigem Spott,
ärgerte täglich die würdigen Asen,
als diese spielten auf himmlischem Rasen.
Neckte und foppte, verspottete alle,
bis Thor, dem Helden, vor Zorn schwoll die Galle.
Er griff sich den Loki, vergalt es ihm teuer:
Der muss nun sorgen auf Erden für Feuer
bis an das Ende von Himmel und Welt;
so half den Menschen der göttliche Held.
 
 
 
Rodelst und rasest du gern vom Gebirge,
frei wie der Vogel hinab in das Tal?
Dann musst den Schlitten zuerst du hinaufzieh'n,
darfst Müh' und Arbeit nicht scheuen zumal!
 
 
 
Die Tange im Meere sind hübsche Gebilde,
sie wiegen und wogen im Spiel hin und her,
sie werden vom Wasser ernährt und getragen
und folgen den tanzenden Wellen im Meer.
 
Doch wenn wilde Stürme die Wogen aufwühlen,
zerreißen die zarten Geschöpfe wie Gras,
sie können der tobenden Flut nicht standhalten
und treiben gebrochen im wogenden Nass.
 
 
 
Der Morgen im Osten,
im Süden der Mittag,
der Abend im Westen,
im Norden die Nacht.
So klar und eindeutig
hat für uns der Schöpfer
das Weltengefüge
gesetzt und gemacht.
Damit der Mensch habe
für ewig bereit
den Lebensraum um sich -
und kann werden - frei!
 
 
 
Ein Segler wagt sich weit hinaus
aufs Meer mit Schiff und Segel,
er fürchtet nicht selbst Sturmgebraus
und auch nicht dichten Nebel.
Er kennt den Kurs, das ferne Ziel,
hält fest des Steuers Speichen,
kennt auch der Wellen Weg und Spiel;
er wird dem Sturm nicht weichen.
 
"Woher, du tapf'rer Seemann, sprich,
woher kommt dein Vertrauen?"
"Ich weiß, der Herrgott schützt auch mich,
auf ihn kann fest ich bauen."
 
 
 
Der Stein ist stumm,
liegt da und ruht,
erduldet uns'ren Tritt;
er ist der Grund
auf dem wir steh'n
und geh'n mit sich‘rem Schritt.
 
Die Pflanze wächst,
richtet sich auf,
steht fest an ihrem Ort;
begrünt die Erd'
für Mensch und Tier,
ist stumm und spricht kein Wort.
 
Das Tier ist wild, bewegt sich fort
und folgt nur seinen Trieben;
es ist gebannt in seinem Wesen,
kann nichts tun nach Belieben.
 
Es dienen Pflanze,
Stein und Tier
den Menschen auf der Erde;
sie opfern sich,
auf dass der Mensch
ein freies Wesen werde.
 
Bedenke dies
mit Dankbarkeit
und öffne deine Sinne;
aus allen Wesen dieser Welt
spricht zu dir Gottes Stimme.
 
 
 
Im Dunkel der Bäume,
im Reiche der Träume,
da wachsen die Moose
so zierlich und fein;
sie lieben die Schatten
und taufeuchte Matten,
hier dämmern sie leise,
bescheiden und klein.
 
So möcht' ich nicht leben!
Ich will vorwärts streben!
Durch Lernen und Handeln
die Welt mir verwandeln;
den Menschen zum Wohle,
zum Fortschritt, zum Heil.
 
 
 
Ein weises Sprichwort zu uns spricht:
"Ein Meister fällt vom Himmel nicht!"
Er hat als Lehrling einst begonnen, -
sich Ehr' durch harte Fron gewonnen!
 
 
 
So wie sich Himmel und Erde widerspiegeln
in einem winzigen Wassertropfen,
ist er nur rein und klar,
ebenso spiegelt sich im klaren,
ungetrübten Geiste des Menschen
die ganze Welt wider.
 
Drum soll der Mensch Sorge tragen,
dass sein Denken licht und rein werde,
auf dass sich ihm die Geheimnisse der Welt
offen und klar offenbaren können.  
 
 
 
Sieh' dort, der Adler! Welche Kühnheit!
Welcher Stolz und welche Kraft!
Hoch am Himmel zieht er Kreise,
scharfen Auges hält er Wacht.
 
Du liebst Freiheit, liebst die Weite,
strebst dem fernen Ziele zu;
diesem Vorbild will ich folgen
und will handeln so wie du.
 
 
 
Wenn der Sturm braust,
schließen die Blüten ihren Kelch;
wenn der Sturm heult,
suchen die Tiere sicheren Schutz;
wenn der Sturm tobt,
ächzen und stöhnen die Bäume;
wenn der Sturm rast,
bleibt der Mensch im festen Haus.
 
Doch auch der stärkste Sturm vergeht,
und die Sonne scheint wieder,
mild und sanft.
Die Blüten öffnen ihre Kelche,
die Tiere kommen aus ihrem Schutz heraus,
die Bäume strecken ihre Zweige
zum Himmel empor,
und der Mensch dankt Gott,
dass kein Unheil geschehen ist.
 
 
 
Thor der starke Götterheld
schützte kühn die Götterwelt
vor den schlauen, list'gen Zwergen,
vor den Riesen aus den Bergen,
vor dem finst'ren Zwiegelichter,
unehrlichen Bösewichtern.
Er erschlug sie mit dem Hammer
unter Blitz und Donnerkrachen,
laut ertönte ihr Gejammer -
und den Thor, den hört man lachen.
 
 
 
So wie das Ackerfeld
Früchte nur trägt,
wenn es der Landmann
mit Fleiß gründlich pflegt;
so wird der Mensch auch
den Lebensweg meistern,
wenn er zur Arbeit
sich kann recht begeistern.
 
 
 
 
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