Hans-Martin Maier

An dem Tore vor der Stadt
der Wächter seine Wohnung hat.
In des Abends Dämmerlicht
beginnt die ehrenvolle Pflicht:
Er entscheidet ganz allein,
wer zum Tore darf herein.
Unbestechlich muss er sein,
muss Müdigkeit und Launen überwinden,
dann wird sich seine Stadt stets wohl befinden.

 

 

In Felsen eingespannt,
ins Dunkel festgebannt,
von keinem noch erkannt,
liegt, hart und hell, ein Diamant.
Mühsam ist's, ihn zu befrei'n,
niemand kann es tun als ich.
In diesem wasserklaren Stein
wird spiegeln Sonnenweisheit sich.

 

 

Wir sehen vom Gras, vom Strauch, vom Baum
meist nur, was oben wächst im Licht.
Was dieses Wachstum trägt, das sieht man nicht.
Das feine Netz im dunklen Bodenraum,
das Wurzelwerk, so stark und dicht,
groß wie die Krone von dem mächtigen Baum,
mal armesdick, mal fein wie Flaum!
Vergessen wir die Wurzeln nicht!

 

 

Der Gedanke ist flink, doch das Werk, es braucht Zeit,
braucht Geduld, braucht die Hand, die zum Üben bereit.
Sage nie: Ist schon recht. Hab zum Prüfen den Mut!
Was unter Mühen du schaffst, wird am Ende doch gut!

 

 

Mit wachen Augen und geschlossenem Mund
sitzt der Weber, Stund' um Stund',
das Schiffchen fliegt von Hand zu Hand,
der Faden wird langsam zur leinenen Wand.
Genau nach dem Plan kommt ein Muster hinein,
kein Fehler darf darinnen sein.

 

 

Der Felsen ist brüchig und steil ist die Wand,
es sucht nach dem sicheren Halt meine Hand.
Der Fuß kann höher ein kleines Stück.
Wenn ich nicht steige, dann fall' ich zurück.
Dort, auf dem Berg werden Pfade beginnen.
Dann werde ich leichter an Höhe gewinnen.

 

 

Auf hohem Felsen ragt die Burg
und schaut ins Land hinaus.
Die Wolken ziehen ringsumher,
der Sturmwind tost ums Haus.
Die Mauern stehen felsenfest
ohn' Zittern und ohn' Wanken.
Der Burgherr lehnt am Fenster ernst,
folgt schweigend den Gedanken.

 

 

Für die fernen Lebensziele
bilden wir uns jetzt schon aus,
tragen Stein für Stein zusammen
zu dem spätern großen Haus.

Blick auf den vergangnen Tag zurück!
Wuchs der Bau ein kleines Stück?

 

 

Was uns gelingt, erfülle uns mit Freude.
Was uns misslingt, ermöglicht uns zu wachsen.

 

 

Wo sich meine Herzenskräfte
helfend hin zum Tun begeben,
führen sie zum guten Werke,
wachsen Freude uns und Segen.

 

 

Wer säumig ist in seinen Pflichten,
muss zusehn, wie ihn andere richten.
Wer seine Sachen selber ordnen kann,
der ist zurecht ein freier Mann!

 

 

Wer mutig äußert, was er denkt,
wird mit der Götter Gunst beschenkt.
Mutiges Tun zu jeder Zeit
bringt Selbstvertrauen und -sicherheit!

 

 

Es ist die Schule gar nicht klein!
Die ganze Welt will unser Lehrer sein!
Sie zu erfahren braucht es dreier Wagen:
Sie heißen: Schauen, staunen, fragen!

 

 

Gemeinsam schaffen wir vieles,
was alleine niemals gelingt.
Ein jeder mag darauf schauen,
was an Gutem der Gemeinschaft er bringt.

 

 

Ein guter Steinmetz hält bei jedem Stein
genauestens die Maße ein,
denn er soll passen und die Mauer zieren.
Auch darf er nicht aus seinem Blick verlieren
das Haus in seinem ganzen, großen Bau!
Es gibt ihm diese Überschau
stets wieder neuen Mut und lenkt die Kraft,
damit er fleißig an dem Steine weiter schafft!

 

 

Wenn das Wetter trocken ist und heiß,
braucht es des Gärtners ganzen Fleiß.
Täglich wird er ohne Zagen
Wasser zu den Pflanzen tragen,
wird nicht trödeln, sich nicht schonen.
Gute Früchte werden seine Mühen lohnen.

 

 

Aus einem freudigen Angesicht
strahlt uns an das Himmelslicht,
denn des göttlichen Funken Glanz
erfüllt die Menschenseele ganz.

 

 

Dies und das und tausend Dinge
schwirren oft im Kopf herum,
und für den, der immer redet,
wird die Welt auf einmal stumm.
Er sieht seine Arbeit nicht,
träumt, versäumt die nahe Pflicht!
Was du tust: Sieh selber drauf,
lass den Dingen nicht den blinden Lauf!

 

 

Schau ich auf zum Himmelszelt,
wird so weit die Erdenwelt.
In des Tages Mühewalten
will ich diese Weite halten.
Strahlen soll in meine Welt
groß und schön das Sternenzelt.

 

 

Schau dir die Gärten an!
Dass es so viele Blumen geben kann!
Malven, Astern und der Lein,
Rosen auch, die duften so fein.
Calendula und Sonnenhut
sind für die Gesundheit gut.
Schleierkraut und Ehrenpreis
zeigen Blüten hundertweis!
Iris, Rittersporn und Mohn
leuchten dir von weitem schon!
Wie schön sind sie! Ich will sie kennen
und bei ihren Namen nennen!

 

 

Aus dem Haupte des Zeus,
des Göttervaters,
bist du geboren,
Pallas-Athene,
Göttin des erhellenden Gedankens,
des zur Tat drängenden Willens auch.
Du vereinst in dir
Weisheit und Kraft.

 

 

Wer siegen will, muss strebsam sein
und sich zu Kämpfern gesellen.
Kraft und Geschick erwirbt allein,
wer stets es schafft, geduldig zu sein
und sich der Mühe zu stellen.

 

 

Siehst du die Knospe am Zweig?
Sie kündet von Blüte und Frucht!
Siehst du das Samenkorn dort?
Es wird dereinst ein Baum!
Wenn kein Frost kommt,
wenn es zur rechten Zeit regnet,
wenn wir den Keimling beschützen.

 

 

Ist der Boden auch schwer und hart,
so ist er doch von ganz besonderer Art.
Jahrtausende haben ihn gemacht,
des Tages Hitze, die frostige Nacht:
Sie sprengten auf das Felsgestein,
dann senkten Wurzeln sich hinein.
Kleinstes Getier in riesigen Zahlen
begann die Brocken zu mengen, zu mahlen.
Es verbanden sich Kristall und Pflanzenleben
zu feinen, zerbrechlichen Bodengeweben,
damit in fruchtbarer Muttererde
aus jedem Körnlein ein Bäumlein werde.

 

 

Bewunderung für jene Menschen ich empfind',
die ganz in der Natur zu Hause sind.
Wer in der Wildnis lebt, muss vieles können,
muss ständig wachsam sein und darf sich selten Ruhe gönnen.
Er kann die Bäume für das Haus herrichten
und muss auf etliche Bequemlichkeit verzichten.
Er wird auch Fische fangen, um sich zu ernähren
und wird sich Pflanzen suchen, um sie zu verzehren.
Er kennt die Kräuter, die ihn heilen.
Sein Wissen, wünscht' ich, möcht' er mit uns teilen!

 

 

Hier ein Stein, dort ein Stein,
wie leicht stürzt schnell Gesetztes ein!
Vergiss nicht, auf die Folgen zu schauen,
dann wirst du absichtsvoller bauen!

Auf der harten Felsenkante
hat ein Baum sich eingefunden.
In den Spalten, in den Klüften
halten zäh sich fest die Wurzeln,
und die Krone hebt sich frei
in den weiten, klaren Raum.

 

 

Ein Bergsturz verschloss den Höhlengang,
nun wurden die Stunden finster und lang!
Verzweiflung nahm den Mut zum Leben.
Fast hätten sie sich aufgegeben.
Doch blieb ein Funke Hoffnung wach
und sie gruben und gruben dem Gange nach.
Der erste Lichtstrahl nach langer Zeit!
Unendlich groß war die Dankbarkeit!

 

 

Wie gemütlich ist's im schönen Haus,
schaut man in den Regentag hinaus!
Neben dem Kamin jedoch
hat das gute Dach ein Loch!
Wasser dringt ins Haus hinein,
bald werden die Wände brüchig sein!
Wann wird der Hausherr reagieren
und den Schaden reparieren?

 

 

Nicht an einem Orte bleiben sie:
Indianerstämme ziehen über die Prärie.
Jeder hilft, ob Frau, ob Mann,
schleppt und trägt so viel er kann,
sucht den anderen zu nützen,
die ihn vor Feinden stets beschützen.

 

 

Halm für Halm herbei zu bringen
ist halt mühsam und beschwerlich.
Sie dann ineinand' zu schlingen,
das ist freilich unentbehrlich!
Denn der Wind hinweg wird fegen,
was wir einfach aufeinander legen!

 

 

Als Sturzbach über Felsen springt
der junge Fluss hinab und bringt
im klaren Wasser viele Steine mit.
Gar eilig ist der Wellen Schritt
durch Erlenwald im engen Tal.
Nun windet er sich lang und schmal
und tränkt die schönen Wiesen.
Bald wird er breit und mächtig fließen
durch viele Länder bis zum Meer
und Schiffe tragen, groß und schwer!

 

 

Schau nur, wie schön die Sonnenblume
wuchs herauf aus brauner Ackerkrume!
Ein flammengelbes Rad,
und voll der guten Kerne Saat!

 

 

Wer anschaut, wie die Menschen früher lebten,
wie sie nach Macht und Wissen strebten,
wie ihre Pläne sich zerschlugen,
wie sie Schmerz und Niederlagen trugen,
wie sie Tag für Tag sich mühten,
wie sie bald vor Eifer glühten,
wie sie die steilsten Klippen bezwangen
und den verdienten Sieg errangen.
Wer dies schaut, wird nie verzagen
und freudig die Flamme weiter tragen!

 

 

Löwenzahn! So treu blühst du fort,
Jahr für Jahr an deinem Ort.
Die Blüten leuchten wie kleine Sonnen!
Wenn sie vergehen, hat der Sommer begonnen.
Bald sind die feinen Schirmchen aufgestellt
und fliegen mit dem Winde in die Welt!

 

 

Wenn wir die Hände fleißig regen,
wächst uns zu ein vielfacher Segen:
Wir werden gewandt und tüchtig im Tun
und dürfen zufrieden rasten und ruhn.
Wir sehen genau und kennen uns aus,
die Welt empfängt uns als offenes Haus.
Das Herz wird befeuert und freudig belebt,
wenn Schönes und Gutes sich tätig verwebt.

 

 

Der Wind rauscht in den Zweigen
und lässt den Stamm sich neigen.
Doch nach dem Wettergeschnauf
richtet der Baum sich wieder auf.
Wer sich biegt, wenn ihn Stürme umgeben,
wird sich am Ende heil erheben.

 

 

Fein zerrieben liegt der Sand
im klaren Wasser, ein glitzernder Strand.
Versuche das Gold heraus zu heben!
Du wirst so manches Mal erleben,
es fließt das kostbare Gestein
mitsamt dem Schlamm dir in den See hinein!
Doch gib nicht auf, es wird gelingen!
Geduldiges Üben wird es vollbringen!

 

 

Ja, ich will das Feld bestellen,
dass es trage reiche Frucht.
Ja, ich will die Segel stellen,
fahren frei von Bucht zu Bucht.
Ja, ich will mein Handwerk hegen,
dass die Arbeit mir gelinge,
will's mit Wort und Taten pflegen,
deshalb bin ich guter Dinge!

 

 

Wie oft ist ein Schiff der Griechen
in den schlimmsten Sturm geraten!
Mastbaum brach und fiel und trieb
weg mit windzerfetzten Segeln.
Gischtumsprühte Wogen stürzten
mächtig auf die dünnen Planken,
warfen, wie den Ball die Spieler,
hin und her das kleine Fahrzeug.
Flehentliche Bitten stiegen
aus dem Schiff zum Thron der Götter!

Und dem, der das Boot erbaute,
kunstvoll und mit wacher Sorgfalt,
dass es jeden Sturmesritt bestehe,
galt der tiefste Dank!

 

 

Goldene Mitte -
und ein Kranz von Strahlen:
Sonnengleich ist die Kamille.
Aus der Kraft der Sonne
schöpft sie Heilungskräfte.

 

 

Kräftig springt die Gämse bergauf,
von Fels zu Fels in raschem Lauf.
Auf dem Gipfel bleibt sie stehen,
um sich die schöne, weite Welt
in aller Ruhe anzusehen.

 

 

Die Axt ist trefflich, Schmiedsgesell,
das kann ich dir nun sagen!
Jetzt schmiede mir, ich bitte dich,
die Nabe für den Wagen!

 

 

Faden für Faden,
hundert und tausend,
kunstvoll und planvoll,
Stunde um Stunde:
Die Sorgfalt des Webers,
im Kleinen getan,
erglänzt aus dem großen
gelungenen Werk!

 

 

Aus einem winzigen Samenkorn
wird eine Tanne, groß und schön.
In Sonnenglut, in Schnee und Eis
wächst sie mit Beständigkeit.
Die Wurzeln tief im Boden drin,
sie geben Kraft und Sicherheit.
Auf festem, gutem Stamme hebt
den Wipfel sie in luftige Höh'.

 

 

Was rasch wächst, wird bald brüchig sein.
Das gute, harte Holz ist fein,
und langsam fügt sich Schicht um Schicht
dem Stamme ein.

 

 

Nur das oft geübte Denken
kann sich lösend in die Rätsel senken.
Wer das Gold vom Sand befreien will,
muss seine Schale fleißig schwenken.

 

 

Rauschend stürzt das Wasser
über steile Felsen,
rinnt dann auf breiter Fläche
versickernd ins Kiesbett aus.
Pfeilschnell und leise strömt es,
gefasst in hölzerne Führung,
trägt die gewaltige Kraft
dem großen Mühlenrad zu.

 

 

Keiner vermochte es jemals,
den gordischen Knoten zu lösen.
Mit scharfem Schwert, Alexander
der Große hieb ihn entzwei.

 

 

Des Gebirgsbachs Wasserfluten
zerren an dem Weidenbaume,
doch mit weitverzweigten Wurzeln
hält er furchtlos sich im Boden.

 

 

Der Adler kreist mit breiten Schwingen,
die Beute hat er fest im Blick.
Im Sturzflug wird er sie bezwingen,
als Sieger kehrt er in den Horst zurück.

 

 

Zwei Dinge bringen uns gar weit:
Sachverstand und Beharrlichkeit.
Das erste lehrt uns richtig sehen,
das zweite lässt zum Ziel uns gehen.

 

 

An der Küste felsigem Ufer
droht die Brandung das Schiff zu zerschlagen.
Starke Strömung will es greifen,
um aufs Meer es zu entführen.
Da gilt es den Kurs zu prüfen.
kräftig zu rudern und achtsam zu steuern.

Kommentar
21.05.2017 | Anne Kochbeck | Klassenlehrerin Gütersloh
Danke für die drei schönen Tänze, werden ab morgen geübt !
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